Die Mongolische Navy (Mai 2018)

Vor einer Weile hatte ich einen längeren Text hier eingestellt, in dem ich über Schiffsunglücke sprach. Darunter war unter anderem die Geschichte der mongolischen Seestreitkräfte, die versuchten Japan einzunehmen.

Kleine Rekapitulation: Im frühen 13. Jahrhundert stiegen die Mongolen unter Dschingis Khan zur Großmacht auf. Ihr Schlachtgeschrei »Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder, immer wieder« erreichte sogar mal Platz 1 in den deutschen Charts. Wie auch immer ... nachdem die Mongolen an Land ziemlich erfolgreich waren, sagte sich der Enkel von Dschingis namens Kublai: »Da draußen sind Inseln, die will ich auch haben.«
Fanden die Japaner nicht so toll, hätten jetzt aber auch nicht so viel dagegen machen können. Glücklicherweise kamen ihnen die Naturgewalten entgegen. Ein Taifun machte fast die ganze Kriegsflotte der Mongolen zunichte, so dass die eine Weile wegblieben.
Nach ein paar Jahren versuchten sie es noch einmal. Mit noch mehr Booten. Und wieder machte ein Sturm alles zunichte. Die Japaner dachten, dass sie vom göttlichen Wind geschützt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass die Chinesen, welche die Mongolen unterworfen hatten, ihnen einfach beschissene Boote bauten, die nicht tauglich für die hohe See waren. Und die Chinesen hätten es mit Sicherheit besser gewusst.

Der springende Punkt: Die Mongolei hatte zu einem Zeitpunkt der Geschichte eine der, wenn nicht die größte Seestreitmacht.

Heutzutage sieht das etwas anders aus. Nachdem die Mongolen dazu übergegangen waren, sich lieber wieder gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, statt den Menschen in anderen Ländern, schrumpfte das Gebiet deutlich zusammen. Die Russen und die Chinesen machten dann auch noch ihr Ding. Schaut man sich die heutigen Grenzen der Mongolei an, stellt man fest, dass das Land komplett von Land umgeben ist. Es gibt zwar ein paar Seen im Landesinneren, aber Zugang zum Meer hat die Mongolei nicht. Insofern hält sich der Bedarf an einer mongolischen Marine in Grenzen. Dennoch sahen sich die Russen, welche die Mongolei mal unter Kontrolle hatten, aus irgendeinen Grund dazu veranlasst zu sagen: »Ey, wisst ihr was ihr braucht? Einen Schlepper. Im See. Aus ... Gründen.«
Also verpackten sie so ein altes Ding, zogen es quer durch die Steppe zum See mit dem schönen, leicht über die Zunge gehenden Namen »Chöwsgöl Nuur« und, bauten es dort wieder auf. Nur stößt der See heute nicht mal an eine Landesgrenze. Es ist ein Binnensee. Sicher, auf der Liste der größten Seen steht er auf Platz 48, macht ihn aber auch nicht interessanter.

Das Boot? Die »Sukhbaatar III« hat eine Besatzung von sieben Mann und ist das einzige Boot der mongolischen Marine. Und weil das Geld auch recht knapp in dem Staat ist, der hauptsächlich von Agrarwirtschaft lebt, wurde die Marine irgendwann privatisiert. Nun fährt das Schiff gelegentlich mal Touristen über den See. Wenn denn da mal welche hinkommen. Damit ist die mongolische Marine also die kleinste Marine der Welt.

Von einer der größten Seestreitmächte zur kleinsten Marine der Welt: Die Mongolei.

 

Hinweis: Bei dem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting aus dem Mai 2018.