Die Geschichte der Pyramiden (Februar 2018)

Im sonnigen Ägypten hatte man ein Problem: Die Bestattungen der Könige liefen zwar gut, aber dadurch, dass sie darauf bestanden Gold, Schmuck und andere tolle Sachen mit ins Grab zu nehmen, wurden ihre letzten Ruhestätten von Grabräubern ausgeräumt. Also versammelten sich die Bauherren und Architekten, um darüber zu diskutieren, wie man das verhindern könnte.
Aber alles was von ihnen kam, war so etwas wie: „Ja, och, hm.“
Bis einer von ihnen die rettende Idee hatte. „Passt ma uff. Wie isset denn, wenn wa die nich im Sand verscharren, sondern denen irgendwie wat aus Stein bauen. Wie so ne kleene Hütte? Dit macht man dicht, fertig is der Lack.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man kleine Häuser aus Stein, sogenannte Mastabas, in denen man die Könige begraben konnte. Die Grabräuber beeindruckte das aber eher wenig, weswegen die Bauherren wieder zusammentrafen.
Und alle so: „Alter...“

Dann hatte einer eine noch viel bessere Idee.
„Passt ma uff. Wat is‘n, wenn wa da nich nur so eine Mastaba bauen, sondern auf der Mastaba gleich noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Na, also ne Mastaba, und darauf gleich noch eine. Und dann … wartet, dit is der Knaller … nee, echt jetzt … echt, ihr werdet‘s nich glauben … bauen wir darauf noch eine … und dann … haltet euch fest … noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Nee, wirklich, dit wird die Grabräuber so verwirren, die werden gar nich wissen, wie ihnen jeschieht!“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also bauten sie eine Mastaba. Und darauf noch eine, und darauf noch eine und so weiter, bis sie etwas hatten, was sie Stufenpyramide nannten. Und dann fanden das alle ganz tuffig und super und zeigten sich gegenseitig den Daumen nach oben und so.
Dann kamen die Grabräuber und sagten: „Leute, Herausforderung angenommen.“
Und alle so: „Alter...“

Jetzt hatte man schon langsam die Nase voll, aber irgendwer hatte noch eine tolle Idee.
„Leute, passt uff. Wat is‘n, wenn wa den Pyramiden noch ne Fassade geben. Also so richtig glatte Seiten und so. Sieht dann auch aus wie ne Pyramide. Ick mein ja nur, wegen dem Namen und so.“
„Des Namens!“, sagte einer und alle buhten ihn aus und er hielt daraufhin den Rand.
„Ick sach ma so, wenn wa dit ordentlich verkleiden und allet so richtig voll mit Steine packen, dann kommen die Grabräuber da nich durch und Ruhe is.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man eine Pyramide, die ordentlich verkleidet war und nach dem Zusammensetzen von Außen nicht mehr penetrierbar war. Ganz oben setzte man sogar eine goldene Spitze rauf, weil man sich dachte: „Da versuchen die an der glatten Wand hochzuklettern, rutschen dann ab und landen auf dem Hintern. Dit wird super lustich.“
Dazu muss man erklären, dass die Unterhaltungsbranche im frühen Ägypten noch in den Kinderschuhen steckte.
Jedenfalls sahen die Grabräuber die fertige Pyramide und alle von ihnen so: „Alter...“

Nachdem man nun die Pyramiden erfunden hatte und die Könige auch ganz angetan davon waren, wollten sie allerdings immer Größere haben. Ihrer Logik nach, war halt jeder wichtiger als sein Vorgänger, weswegen er auch das größere Grabmal haben sollte. Einer wollte sogar gleich drei Pyramiden haben. Auf die Frage, warum er das wollte, immerhin hatte er ja nur einen Körper, sagte er: „Ey, ick bin der König. Mach wat.“
Und alle Bauherren so: „Alter...“

Sie setzen sich wieder zusammen, um zu besprechen, wie man das mit den großen Pyramiden lösen könnte. Es gab lange Diskussionen, die viel auf das Wort „Menno“ endeten, bis dann irgendwann einer die Hand auf die Stirn patschte und laut ausrief: „Leute, fallt nich vom Schemel, ick hab die Idee. Wie wäre es, wenn wa dit mal mit Sklaverei probieren? Wenn man sich nicht um Menschenleben und so weiter schert, macht dit die Sache doch viel einfacher.“
Und sie nickten sich alle zu und lachten und einige von ihnen dachten: „Ja, Mensch, da hätte man ja auch schon früher drauf kommen können.“
Und die Sklaven so: „Alter...“

Man baute also fleißig Pyramiden, die immer größer und größer wurden. Aber ein paar der alten Pyramiden fingen langsam an zu verfallen. Die Fassade bröckelte, die Steine lagen frei und verwitterten, weswegen es hier und da Spalten und Risse gab.
Und die Grabräuber machten nachdenklich: „Hmmmmmmm….“
Und die Bauherren so: „Alter...“

Es stellte sich heraus, dass die Pyramiden den Grabräubern auch keinen Einhalt geboten. Man hatte sogar versucht falsche Grabkammern anzulegen, um die Grabräuber zu verwirren, aber auch das hatte nichts gebracht. Also setzten sich die Bauherren wieder zusammen, um darüber nachzudenken, wie man dem nun begegnen könnte.
Einer meldete sich zu Wort: „Also, ick will ja nüscht sagen, aber dit is irjendwie Mist.“
Und alle nickten und sagten: „Jau, so is dat wohl.“
„Also wenn ick mal so janz grob überlege, würde ick sagen, dass et vielleicht nich die beste Idee ist, wenn man den Grabräubern quasi groß ankündigt, wo dit Grab vom König is.“
Die anderen so: „Ja, hm, könnte sein.“
„Vielleicht sollten wa die toten Könige einfach in irgendein Loch inner Wüste verstecken, allet dichtmachen und die Fresse darüber halten. Pro: Nich mehr jahrelang Steine durch die Weltgeschichte karren. Contra: Jibbet nich.“
Und alle so: „Also da hatter schon nen Punkt.“
Und die Grabräuber so: „Alter...“

Und so kam es, dass man keine Pyramiden mehr baute, sondern die Könige im sogenannten Tal der Könige zur Ruhe bettete. Die genaue Lage der Gräber wurde geheim gehalten. Allerdings war es nicht so, als hätten die Grabräuber das nicht doch irgendwann mitbekommen.
Und alle so: „Alter … aber jetzt isset auch Wurscht.“

 

Sebastian Niedlich vor den Pyramiden
Sebastian Niedlich im Juni 2006 vor den Pyramiden, bei dem Versuch nicht dämlich auszusehen. Und, ja, das ist ein Kamelknochen von einem dort verendeten Kamel, der ihm quasi vor den Füßen liegt.