"Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben" für Lovelybooks-Leserpreis nominiert!

Der neue Roman "Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben" ist beim Lovelybooks-Leserpreis in den Kategorien "Humor" und "Bester Buchtitel" nominiert. Ebenfalls in der Kategorie "Humor" nominiert ist der Kurzgeschichtensammelband "Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen".

Es würde mich sehr freuen, wenn sich die Nutzer von Lovelybooks für meine Bücher entscheiden und dafür abstimmen würden. Besten Dank!

 

Nominiert für den Lovelybooks Leserpreis 2017

Lesung aus "Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens" in der Kleinen Kirche in Karlsruhe

Am Samstag, 18. November 2017, 20:00 Uhr werde ich in der Kleinen Kirche beim Marktplatz Karlsruhe aus meinem Buch "Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens" lesen. Wolfgang Abendschön und seine Band Akzente werden dazwischen etwas Musik spielen und im Anschluss gibt es ein Gespräch mit dem Pfarrer Dirk Keller und mir.

Karten kann man unter der Nummer 0721-885466 oder hier im Internet bestellen.

Bis bald,
Sebastian

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Der Senf nach der Wahl 2017

Braune Soße
Bild aus dem Internet geklaut. Entschuldigung.

So, noch einmal mein Senf zur Bundestagswahl, dann ist aber auch zunächst mal gut:

Die CDU hat die meisten Stimmen, aber ich denke, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, dass die AfD der Gewinner der Wahl war. In Sachsen ist sie sogar stärkste Kraft.

Man kann jetzt heulen, zetern, die Faust empor recken, Jurassic Park auf Video schauen, eine Kerze anzünden, Amok laufen, anfangen Dosen zu horten oder sonst was tun: Es ist wie es ist. Die AfD zieht in den Bundestag. Und so sehr die AfD versucht sich von diesem Begriff zu distanzieren, aber Fremdenhass, veraltetes Weltbild und sich einen Dreck um Menschenleben scheren lassen keine andere Bezeichnung zu: Nazis ziehen in den Bundestag.

Es ist nun eine Sache, wie die AfD mit der neugewonnenen Macht umgeht. Meiner bescheidenen Meinung nach wird sich vermutlich recht schnell zeigen, dass die eigentlich gar nicht wissen, was sie tun. Gestern Abend bei Anne Will gab es einen recht schönen Dialog, der zeigte, dass da nicht viel hinter ist. Anne Will fragte Gauland - der Name klingt für mich schon nach Gauleiter - ob sie denn auch konstruktive Ideen hätten – also Lösungen für irgendwas - und nicht nur immer gegen alles Mögliche sein würden. Herr Gauland fasste es in schönere Worte, aber im Grunde war seine Antwort: „Nö, lol.“

Natürlich muss man sehen, wie man mit solch einer Partei und vor allem ihren Wählern umgeht, es ist aber zu erwarten, dass eine gewisse Implosion stattfinden wird. Zum Teil hat sie heute bereits stattgefunden.

Das viel größere Problem, das durch den starken Gewinn der AfD deutlich wird, ist die Tatsache, dass rechtes Gesinnungsgut in Deutschland wieder salonfähig geworden ist.

In den letzten Jahren war es einfach als Deutscher zu sagen, dass das, was in der Welt geschieht, das Ergebnis der Dummheit von in den jeweiligen Ländern ist und so etwas hierzulande nie geschehen könnte. Was haben wir über den Brexit die Köpfe geschüttelt. Wie sehr haben wir uns darüber lustig gemacht, dass die US-Wähler sich für ein Grillhähnchen mit Perücke als Präsidenten entschieden haben. Aber so etwas in Deutschland? Undenkbar. Und nun? Denkbar. Offenbar wählbar. Und wir, die wir bis vor kurzem noch sagen konnten „Schaut auf dieses Land, wir haben aus der Geschichte gelernt!“ müssen jetzt beschämt den Kopf einziehen, denn offenbar haben wir nicht das Geringste gelernt.

Einer meiner Freunde schrieb mir gestern, dass seine vietnamesisch-stämmige Frau und sein „gemischtrassiger“ - man entschuldige bitte, dass ich so ein Wort nutzen muss – Sohn in den letzten Monat vermehrt Pöbeleien in Bussen, U-Bahnen und dergleichen ertragen mussten.

Ein ehemaliger Kollege von mir, mit indischen Wurzeln und dazu noch homosexuell, postet auf Facebook, dass er in Zukunft wohl nur noch mit Pfefferspray aus dem Haus gehen wird.

Ich kenne einen Mann aus dem Irak, dessen Frau sich ISIS angeschlossen hat und ihn umbringen wollte, als er sich weigerte dasselbe zu tun. Bei dem Mordanschlag auf ihn starb ihr gemeinsamer Sohn und er floh nach Deutschland, wo er jetzt damit zu tun hat, dass ihn die Leute nicht akzeptieren.

Ich bin als Kind mit Freunden und Mitschülern aufgewachsen, die ihre Wurzeln in der Türkei, dem damaligen Jugoslawien, Ghana, Finnland, Rußland, England hatten.

Ich habe und arbeite noch mit Leuten zusammen, die schwul oder lesbisch sind, was auf unsere Zusammenarbeit so viel Einfluss hat und hatte, wie mein Kopfkissen auf das Wohlergehen der Pflanzen im Arbeitszimmer.

Und all diesen Leuten wollen wir das Gefühl geben, sie seien hier nicht mehr willkommen oder sie wären irgendwie schlechter als „wir“? Dass sie hier nichts zu suchen haben?

Wahlanalysen zeigen, dass die AfD von denen gewählt wurde, die Angst über die hohe Zahl an Flüchtlingen und die steigende Kriminalität haben. Ironischerweise wird ausgerechnet dort die AfD gern gewählt, wo die wenigsten Flüchtlinge untergebracht wurden und die Kriminalität vor allem von rechtsextremen Deutschen verübt wird. Die Analysen zeigen auch, dass es nicht nur die Bildungsfernen, Arbeitslosen oder generell Armen sind, die die Partei gewählt haben, sondern durchaus auch sehr solvente, gebildete Bürger. Noch dazu solche in einem Alter, in dem man nicht mehr von jugendlicher Widerborstigkeit sprechen könnte.
Der hohe Prozentsatz lässt auch vermuten, dass viele christliche Menschen ihre Stimme dieser Partei gegeben haben. Man fragt sich, wie christliche Menschen, zu deren Geboten die Nächstenliebe zählt, ihre Wahl damit vereinbaren können.

Das macht einmal mehr deutlich, dass die Ressentiments sich durch die ganze Gesellschaft ziehen.

Wie geht man damit um? Muss ich jetzt hinter jedem Bekannten einen Nazi vermuten? Laufen bald wieder Braun- bzw. Blauhemden auf den Straßen, den Arm erhoben, um die ungefähre Körpergröße von Gauland anzuzeigen?
Das wird wohl nicht passieren. Aber trotzdem ist es an der Zeit, dass jeder in sich geht und eine klare Position bezieht.
Wird Deutschland wirklich islamisiert, wenn nur ein Bruchteil der Bevölkerung muslimisch ist? Ist es generell sinnvoll, wenn Religion irgendwas in der Politik zu tun hat?
Kann ich es als Mensch wirklich vertreten, Flüchtlingen, die um ihr Leben fürchten müssen, die Tür vor der Nase zuzuschlagen? Ganz besonders: Kann ich es wirklich als christlicher Mensch zulassen, Flüchtlingen nicht helfen?
Sieht man einem Menschen seine Nationalität an? Was macht einen Deutschen aus? Was für eine Rolle spielt die Nationalität überhaupt?
Sieht man einem Menschen seine sexuelle Präferenz an? Inwiefern hat das Einfluss auf einen selbst? Macht der Andere sich auch so viele Gedanken darüber, was mir im Schlafzimmer gefällt oder nicht und was ginge ihn das an?

Man sollte dann recht schnell bemerken, dass es um Menschen geht. Und das Wort, mit dem man bezeichnet, wie man als Mensch mit anderen Menschen umzugehen hat, nennt sich: menschlich.

Unsere Gesellschaft ist momentan dabei weniger menschlich zu werden. Stoppen wir das. Tun wir unsere Meinung kund. Gehen wir dazwischen, wenn Leute aufgrund eines fadenscheinigen Grundes das Gefühl gegeben wird, sie wären weniger wert. Oder wenn ihnen Gewalt angetan wird.
Die AfD ist dabei unsere Welt weniger menschlich zu machen. Schlimmer noch: Sie könnte andere Parteien anstiften sich weniger menschlich zu verhalten, weil diese Stimmen von der AfD zurückholen wollen. Aber das ist nicht die Lösung.

Auch für unpolitische Menschen ist jetzt die Zeit gekommen, Farbe zu bekennen: Wir sind menschlich und wir wollen aus unserer Geschichte lernen, auch wenn wir dabei manchmal stolpern.