Sebastian Niedlich

Das Schiff der Verdammten – Gedanken zum Holocaust und der Flüchtlingskrise 2018

Achtung: Akute Tiraden-Gefahr!

Denen, die hier öfter mitlesen, dürfte wohl klar sein, wie ich in der Frage der Flüchtlingskrise stehe. Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, Leute irgendwo verrecken zu lassen. Ganz besonders im Meer, immerhin war ich – ganz wie Martin in meinem Buch »Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens« – früher mal Rettungsschwimmer und -taucher. Meine Idee dahinter war ja auch nicht zu Ertrinkenden zu schwimmen und dann zu sagen: »Tja, hättest du mal Schwimmen gelernt, was?«
Mir stößt es auch sauer auf, wenn damit argumentiert wird, dass die ja in den Ländern bleiben könnten, von denen sie aus flüchten oder ins Meer starten. Das ist in etwa so, als würde ich jemanden in einem brennenden Haus sagen: »Ja, weißte, geh doch ins Erdgeschoß, da brennt es noch nicht.«
Noch mehr ärgern tut mich aber, dass man – mal wieder – nichts aus der Geschichte lernt. Denn – Überraschung! – wir hatten das alles schon mal!

Setzt euch hin, nehmt euch einen Keks und hört Onkel Sebastian mal zu, wie er euch von St. Louis erzählt. Nein, nicht der Stadt … dem Schiff!

Im Mai 1939 war es in Deutschland irgendwie nicht mehr wirklich gemütlich. Hitler war schon sechs Jahre an der Macht und hatte praktisch von Anfang an die Juden verfolgen lassen. Nun durften sie nicht mehr so leben wie zuvor, Konzentrationslager gab es auch schon eine Weile und alles war daraufhin ausgerichtet, es ihnen so schwer wie möglich zu machen. Trotzdem blieben viele, denn Deutschland war ihre Heimat. Selbst als sie 1935 ihrer Bürgerrechte beraubt wurden, blieben viele. Manche vielleicht auch, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten konnten, auszuwandern. Aber nach der Reichskristallnacht 1938 dachten dann doch etliche: »Also wenn wir hier um unser Leben fürchten müssen, gehen wir doch lieber ins Ausland.«
1933 wanderten um die 38.000 Juden aus. 1934-1937 waren es jährlich so ca. 20.000-25.000. 1938 sprang die Zahl auf 40.000.
1938 hatten dann auch ein paar Länder eine Konferenz in Évian, wo sie lang und breit diskutierten, wie man denn mit den jüdischen Flüchtlingen umgehen sollte. Das war nämlich mittlerweile zum Problem geworden. Die bösen, bösen jüdischen Flüchtlinge wollten nämlich bestimmt nur den Leuten die Arbeitsplätze wegnehmen. Oder – was weiß ich – die westliche Welt verjüdisieren. Terroranschläge wollten sie bestimmt auch machen. Und die teilnehmenden Länder, darunter die USA, Kanada, Mexiko, Frankreich, Großbritannien und Australien, sagten alle: »Nee, die wollen wir nicht. Wir haben ja eigene Probleme und so. Und überhaupt: Iiiiih, Juden.«
Einige Länder, vor allem in Osteuropa, gingen sogar so weit zu sagen: »Wisst ihr was: Wir hätten da auch noch Juden, die wir gerne loswerden würden.«
Die meisten Länder reagierten nach der Art: »Na ja, aufnehmen können wir die nicht. Durchreise … ja, vielleicht … aber ansonsten …«. Ein paar Länder jedoch sagten tatsächlich: »Aber wir würden einen ganzen Haufen nehmen.« So z.B. die Dominikanische Republik, dessen »Präsident« – eigentlich Diktator – im vorherigen Jahr 27.000 schwarze Haitianer ermorden ließ, damit das Land etwas weißer werden würde. Da hätten die Juden bestimmt viel Spaß mit dem gehabt, aber die konnten sich ja nicht wirklich äußern, denn man hatte vorsorglich keine zur Konferenz eingeladen. Warum auch … hätte man ja hören müssen, was die zu sagen haben.
Im Endeffekt einigte man sich darauf, dass man ein Komitee gründen sollte, dass sich darüber dann mal Gedanken macht.

Soweit zum damaligen Stand der Dinge.

1939 lässt Deutschland noch Juden ausreisen. Ein paar Juden hatten sich Touristenvisa für Kuba und manche sogar Einwanderungspapiere für die USA beschaffen können. Am 13. Mai 1939 stiegen sie alle auf das Kreuzfahrtschiff »St. Louis« der Hapag. An den Hamburger Landungsbrücken verabschieden sich Familien, wohl wissend, dass sie sich wohl nicht mehr sehen werden. Eine Kapelle spielt »Muss I denn zum Städtele hinaus«, weil das überhaupt keinen höhnischen Eindruck macht.
Der Staat hatte vorher den Ausreisenden praktisch alles genommen. Jeder Passagier durfte nur 10 Reichsmark und Waren im Wert von 1000 Reichsmark mitnehmen. Im Grunde wollte der Staat sicherstellen, dass die Flüchtlinge dem Land, in das sie zu migrieren versuchten, auch wirklich zur Last fallen würden.
War die Stimmung anfangs auf dem Boot noch hoffnungsvoll, wurde den Leuten doch nach einer Weile klar, dass sie mit einem Touristenvisum unter Umständen nicht lange hinkommen. Außerdem gab es Gerüchte an Bord, dass es in Kuba einen Regierungswechsel gegeben und die neue Regierung die Einreisebedingungen verschärft hätte. Einer der Passagiere starb an einem Herzinfarkt und vorsorglich nahm man eine Seebestattung vor, um die Einreise nicht zu gefährden. Ein anderer Passagier, offenbar schon völlig runter mit den Nerven, sprang gleich hinterher und konnte nicht mehr gerettet werden.
Am 27. Mai konnte die St. Louis dann in Havanna anlegen. Alle freuten sich schon, aber dann kamen Soldaten und drängen sie wieder zurück aufs Schiff. Die Regierung behauptete, dass die Einreisebewilligungen illegal waren. Bis heute was man nicht so richtig, was los war. War vielleicht wie heute in Deutschland, wo man erst sagte: »Yay, toll, dass ihr überlebt hat, Flüchtlinge!« Und danach »Boah, geht doch wo ihr wohnt.«
Die Stimmung an Bord war danach nicht gerade bombig zu nennen. Der Kapitän, der sich um Lösungen bemühte, wurde nun angefeindet. Ein Passagier schnitt sich die Pulsadern auf und sprang über Bord, weil er dachte: »Doppelt hält besser.« Man konnte ihn jedoch retten. Daraufhin ordnete der Kapitän allerdings »Selbstmordverhütungsrundgänge« an. Der Typ, der sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, wurde dann aus Mitleid an Land gelassen. Da dachten sich die anderen Passagiere bestimmt auch:« Hmmm, Pulsadern!« Auf jeden Fall war der Typ, der an Land gelassen wurde, damit noch einer der Glücklichen.
Kuba verscheuchte das Schiff. »Husche, husche!«
Selbst der Kapitän wusste nicht wirklich, was er machen sollte. Also fuhr er erst mal Richtung Florida. Die USA sagten aber: »Leute, wir haben eine Quote, die haben wir erfüllt. Tschüssikowski.«
Das wollte der Kapitän aber nicht so auf sich sitzen lassen. Er versuchte, illegal zu landen, allerdings wurde das bemerkt. Danach wurden sie noch von Flugzeugen bedroht.
Dem US-Präsident Roosevelt kamen Zweifel: »Ach, lassen wir die doch rein«, aber sein Außenminister Cordell Hull entgegnete »Nee, nachher kommen noch mehr oder so. Dann wird hier alles verjüdischt.«
Daraufhin sagte Roosevelt: »Ey, steht nicht auf der Freiheitsstatue sowas wie ›Gebt mir eure Müden, eure Armen/Eure geknechteten Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen‹? Heißt das nicht, dass wir uns um die kümmern sollten?«
»Äh, ach was, sind doch nur Schmarotzer«, sagte Hull und freute sich schon mal auf den Friedensnobelpreis, den er später bekommen sollte.
Die St. Louis schipperte dann noch ein wenig hin und her, aber war kurz davor keinen Sprit mehr zu haben, bis dann Großbritannien, Belgien, die Niederlande und Frankreich sagten: »Ja, Mann, dann kommt halt her.«
Also kamen die Juden zurück nach Europa, weil da die Lage so absolut super war.

Kein halbes Jahr später überfiel Deutschland die anderen Länder. Die Juden wurden zusammengetrieben, in Konzentrationslager geschafft und dort umgebracht. Von den 937 Juden an Bord der St. Louis starben 254 während des Holocaust. Nur die in Großbritannien gebliebenen Flüchtlinge waren sicher. Ach ja, und dann waren da noch die sechs Millionen anderen Juden, die nicht flüchten konnten …

Es gab noch andere Schiffe, wie die St. Louis. Diese hatten ein ähnliches Schicksal. Und heute wird es wieder ganz genau so gemacht, wie damals schon. Nur das die heutigen Flüchtlinge noch nicht mal ein ordentliches Schiff haben, auf dem sie unterkommen können. Und wieder wird die Unmenschlichkeit und das Unvermögen der westlichen Länder auf Kosten der Migranten zur Schau gestellt. Diesmal wird nur von deutscher Seite vorgeschlagen, ob man nicht Konzentrationslager aufbauen könnte. In den einzelnen Ländern. Das Know-How könnten wir den Ländern ja vielleicht noch verkaufen. Muss sich doch auch lohnen …

Es streitet niemand ab, dass in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, eine Lösung erfolgen muss. Um noch einmal die Analogie des brennenden Hauses zu benutzen: Natürlich muss die Feuerwehr das brennende Haus löschen. Solange muss ich mich aber um die flüchtenden Einwohner kümmern, die ganz offensichtlich nicht zurück in ihre Wohnungen können. Sie einzusperren, nicht heraus zu lassen und ihnen jede Hilfe zu verweigern ist schlichtweg Mord.

Christopher Street Day

Am 28.06.1969 kam es zu einem gewaltsamen Konflikt zwischen Homosexuellen, Transsexuellen und Polizisten in New York. Es war eines der wichtigsten Ereignisse in der Lesben- und Schwulenbewegung und wird in der Regel jedes Jahr an einem Wochenende um dieses Datum herum gefeiert. Je nachdem wo man auf der Welt wohnt, wird an dieses Ereignis mit dem Namen der Straße, in welcher der Aufstand stattfand, gedacht, oder mit dem Namen der Kneipe, wo der Konflikt begann: Im englischsprachigen Raum ist es Stonewall oder Stonewall Day, im deutschen Sprachraum der Christopher Street Day.

Um zu erklären, was da eigentlich los war, hole ich mal ein wenig aus:
Während man in der Antike – keine Bange: Ich fasse mich kurz – der Sache mit der Homosexualität recht aufgeschlossen gegenüberstand, kam irgendwann die Kirche und sagte: »Iiiiiih, könnt ihr doch nicht machen.«
»Warum nicht?«, fragten die Homosexuellen. »Jesus hat dazu nie was gesagt und das, was im alten Testament steht, gilt ja eigentlich nicht mehr, insofern …«
»Könnt ihr nicht machen, basta!«
»Manno.«
Solange der christliche Glaube stark war, hielt man sich mit der ganzen Homosexualität also eher bedeckt. Aber wie das nun mal so ist: Man sucht sich das ja nicht aus. Schwule und Lesben gab und gibt es immer wieder. Und wie es so schön heißt: »Gleich und gleich gesellt sich gern«, insofern gab es natürlich auch immer Treffpunkte, an denen Homosexuelle zusammentrafen.

1969 war ein Jahr, welches das Ende eines Jahrzehnts markierte, in dem einschneidende Dinge in Amerika passierten. Kalter Krieg; Kubakrise; ein erschossener Präsident; Musik, die von etwas mehr handelte als »Schubidubidu«, was sicher auch an der besseren Verbreitung von Drogen lag … aber eben auch die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen und der Vietnamkrieg und die damit verbundenen Demonstrationen im Land. Die beide letzten Punkte hatten letztendlich zu einer starken Protestkultur in den USA geführt. Man stand der Polizei und ihren teilweise fragwürdigen Methoden nicht mehr hilflos gegenüber. Alle waren sich viel mehr ihrer Rechte bewusst. Und das ging auch an der Homosexuellenszene nicht vorbei. Es gab einige Politiker, die sich öffentlich dazu bekannten schwul zu sein und die ersten Bewegungen für Homosexuellenrechte waren entstanden. Aber noch gärte es unter der Oberfläche.

In den USA war es gang und gäbe, Razzien in Kneipen oder Etablissements durchzuführen, die als Schwulentreffs bekannt waren. Die Polizei nahm die Personalien der angetroffenen Personen auf, um sie dann zu veröffentlichen. Das war für die Homosexuellen wenig prickelnd, denn auch Chefs oder Mitarbeiter waren durchaus Kleingeister, die dachten, dass die sexuellen Vorlieben ihrer Kollegen sie irgendwas angingen. Man rennt ja ansonsten auch nicht herum, und erzählt seinen Kollegen: »Rat mal, was ich am Wochenende mit meiner Frau, drei Bananen, zwölf Kondomen und acht Liter Pflaumenmus gemacht habe?« Wissen will man es auch nicht. Na ja, vielleicht ein wenig, aber es geht einen halt nichts an. Als Homosexueller, der oder die sich das nicht aussuchen konnte, wurde man so schnell mal schief angesehen, geschnitten oder gar arbeitslos.
Irgendwann ging man in Amerika sogar so weit, dass man »Lockvögel« benutzte, um anderen Leuten Anstößigkeit oder unsittliches Benehmen anhängen zu können. Irgendwann schien man aber darauf zu kommen, dass das, was zwischen zwei den Dingen zustimmenden Erwachsenen zugeht, eigentlich nicht beachtenswert ist. Dann wollte man offenbar einfach den Leuten nur noch die Abende versauen: »Wat is’n, wenn wir den Ausschank von Alkohol an Homosexuelle verbieten?«
Wie oben bereits erwähnt: In den 60er Jahren gab es die ersten Schwulenrechtsbewegungen, und die brachten die Menschenrechtskommission dazu einzugreifen und zu sagen: »Dat lasst mal schön bleiben.«
In der Folge schossen Bars für Homosexuelle aus dem Boden. So auch das Stonewall Inn.

Das Stonewall Inn war eine Bar nicht nur für Schwule und Lesben. Auch Individuen, die sonst nicht gerne gesehen wurden, waren dort zu Gast. Mit anderen Worten: Schwarze und Latinos.
Dummerweise war die Kneipe in der Hand von Mafiosi, eine Schankerlaubnis hatte sie auch nicht und die Polizei fand, dass man da mal was machen müsste. Außerdem gab es in der Zeit Diebstähle bei Börsenhändlern der Wall Street, die man mit Homosexuellenkreisen in Verbindung brachte oder zumindest mit den Mafiosi, die den Laden betrieben. Und schwarze Schwule oder Lesben gingen in den Augen der Polizei schon gar nicht.

Am Tag vor der Razzia im Stonewall Inn fand die Beerdigung der Schwulenikone Judy Garland statt. Die Schauspielerin, welche die meisten wohl aus dem Film »Der Zauberer von Oz« kennen, hatte mal gesagt, dass ihr egal war, dass sie für viele Schwule eine Ikone war, weil sie einfach für alle Menschen singen wollte. Mit anderen Worten: Bei Schwulen und Lesben hatte die echt ein Stein im Brett und alle liebten sie. Insofern war man in diesen Kreisen schon etwas aufgewühlt, bevor es überhaupt zu Handgreiflichkeiten kam.
Nachts um halb Zwei kam die Polizei in die Kneipe und begann Leute festzunehmen. Dabei ging sie wenig zimperlich vor, denn – klar – man hatte bei den Protesten der Schwarzen und Vietnamgegner gelernt, wie man mit seinem Schlagstock umzugehen hatte. »Erst kloppen, dann fragen. Am besten kloppen, bis man nicht mehr fragen kann.« So oder ähnlich war das. Die Polizei war auch nicht gerade für ihre Subtilität bekannt. Oder für den Mangel an Leuten, die Freude dabei empfanden, wenn man Leute belästigen konnte. Insofern war es für die Homosexuellen wohl durchaus erniedrigend, als bei etlichen zunächst mal festgestellt werden musste, ob sie Männlein oder Weiblein waren. Männer in Frauenkleidern, die auf der Toilette als solche identifiziert wurden, führte man ab. Ein paar Lesben wurden von der Polizei besonders eingehend untersucht. Das war dann diese »Du brauchst nur mal einen richtigen Mann«-Nummer.
Die Leute, die man gehen ließ, sammelten sich entgegen der sonstigen Vorgehensweise, welche man am besten mit: »Ich mach mal, dass ich weg komme« umschreiben konnte, draußen vor der Tür und beobachteten das Geschehen. Die Menge wurde immer größer, da auch aus umliegenden Kneipen weitere Zuschauer kamen.

Und so langsam wurde der Polizei mulmig.

Als einer der Polizisten einen Transvestiten schubste, der ihm daraufhin seine Handtasche über den Kopf zog, begann die Menge unruhig zu werden. Gerüchte darüber, dass im Inneren der Kneipe Leute verdroschen wurden, machten in der Menge draußen die Runde. Kleingeld und Bierflaschen wurden gegen die Autos der Polizei geworfen. Die Menge begann zu buhen.
Dann wurde eine Lesbe herausgeführt, die sich beschwerte, dass ihre Handschellen zu eng waren. Sie wehrte sich gegen die Grobheit der Polizisten und wurde von einem Schlagstock am Kopf getroffen. Und das war dann praktisch das I-Tüpfelchen bzw. die Beule am Kopf, die den Mob zum Ausrasten brachte.
Während einige Polizisten den Herannahenden ordentlich eins auf die Rübe gaben, was die Zuschauer noch ärgerlicher machte, reagierten andere Polizisten mit »Ohshitohshitohshit«. Sie setzten sich ins Auto und hauten ab. Andere verschanzten sich in der Kneipe.
Irgendwann erschien dann eine Sondereinheit der Polizei, um die Beamten in der Kneipe zu befreien, und formierte eine Phalanx, um den Mob zurückzutreiben. Der reagierte darauf, in dem er eine Kick Line à là »A Chorus Line« formierte und dabei zotige Lieder sang. Aber vermutlich hatten die Polizisten irgendwann genug von der Demonstration solcher Schwulheit und schlugen drauflos – weil sie von ein paar Drag Queens verarscht wurden.
Ein paar Stunden später war im Stonewall Inn praktisch alles kaputt, dreizehn Leute waren verhaftet, einige im Krankenhaus und die Gemeinde der Schwulen und Lesben vereint wie noch nie. Am nächsten Abend machte das Stonewall Inn wieder auf und über 1000 Leute versammelten sich auf der Straße, laut »Gay Power!« rufend. Wieder erschien die Polizei und wieder passierte das, was am Tag zuvor passierte: Kick Lines wurden aufgestellt und die Polizei schlug sie nieder.
Aber der nun öffentlich zur Schau gestellte Stolz der Schwulen und Lesben griff auf immer mehr Leute über. Landesweit. Gruppen für Homosexuelle wurden gegründet, die sich nicht mehr hinter obskuren Namen verbargen, um den eigentlichen Zweck zu verschleiern. Erstmals benutzten Gruppen öffentlich das Wort »gay« in ihren Namen. Einige der Organisationen übernahmen die Taktiken der Schwarzenbewegung oder der Anti-Kriegsdemonstraten. Schwul oder lesbisch zu sein, wurde nicht mehr versteckt.

Sicher, die Razzien auf Schwulenbars hörten deswegen nicht auf. Zumindest zunächst nicht, aber das Zeichen war gesetzt. Und es ist kaum abzustreiten, dass sich seitdem eine Menge getan hat, auch wenn es immer noch Idioten gibt, die meinen sich in die Belange von Anderen einmischen und darüber urteilen zu müssen, was wer in seinem privaten Umfeld macht.

Ein Jahr nach dem Vorfall in der Christopher Street gab es die ersten »Gay Pride«- Märsche in mehreren Städten der USA. Zwei Jahre darauf fanden diese auch in mehreren internationalen Städten statt, darunter West-Berlin. Mittlerweile sind die Märsche für viele nicht mehr aus den Städten wegzudenken. Dieses Jahr finden in 241 Städten weltweit »Gay Pride«-Märsche statt.

In vielen deutschen Städten wird der Christopher Street Day dieses Jahr übrigens am 28.07. gefeiert, also genau einen Monat nach dem eigentlichen Tag. Geht da ruhig mal hin. Wenn man etwas über die CSD-Demonstrationen behaupten kann, dann ist es, dass sie wesentlich spaßiger, als alle anderen Demonstrationen sind.

 

Der Text stammt ursprünglich aus dem Jahr 2018, deswegen können manche Daten nicht mehr stimmen.

Siebenschläftertag

Heute ist Siebenschläfertag. Also im Grunde kein Feiertag, aber trotzdem irgendwie ein wichtiger Tag, weil das Wetter an diesem Tag laut alten Bauernregeln für die nächsten Wochen bestimmend ist. Tatsächlich hat man wissenschaftlich herausgefunden, dass da durchaus was dran ist, allerdings bezieht sich das eher auf den 7. Juli, wo der Siebenschläfertag nämlich aufgrund der gregorianischen Kalenderreform sein müsste.
Anders ausgedrückt: Heute ist gar nicht Siebenschläfertag. Eigentlich erst am 7. Juli. Aber im Kalender steht 27. Juni, weil irgendwelche Reformen immer alle möglichen Leute verwirren. Wurst…
Aber warum heißt der Siebenschläfertag eigentlich Siebenschläfertag?

Das hat – wer hätte das gedacht – etwas mit der Kirche zu tun. Allerdings gibt es diese Legende von den sieben Schläfern tatsächlich im Christentum als auch im Islam! Wir haben also heute den großen Integrationstag!

Der Legende nach kam im Jahr 251 der römische Kaiser Decius nach Ephesus, um an den Opferfesten für die heidnischen Götter teilzunehmen und nebenher ein paar Christen umzubringen. Jeder braucht halt ein Hobby. Tatsächlich bringt er so viele um, dass sich bald die Stadtmauern biegen, auf denen die Toten gestapelt werden. Sieben junge Christen, die im Palast ihren Dienst taten, wurden verraten und zu Decius gebracht, der sie sich ansah und sinngemäß sagte: »Meine Fresse, ihr seid ja noch ganz schön jung. Ich finde zwar Christen abmetzeln irgendwie witzig, aber wenn ihr abschwört und unseren Göttern Opfer bringt, ist alles knorke.«
»Nee, wollen wir nicht.«
»Leute, soll ich euch gleich umbringen?«
»Also, wenn Sie das so sagen…«
»Ich gebe euch noch ein wenig Bedenkzeit. Ich fahr ein paar Tage in die umliegenden Ortschaften und schau mal, wen ich da noch alles umbringen kann.«
»Klingt nach einer Super-Idee.«
Darauf zogen die sieben jungen Christen los, begannen Almosen zu sammeln und zu verteilen, weil man sowas halt macht, wenn man gerade mit dem Tod bedroht wurde. Irgendwann merkten sie aber, dass sie was Wichtiges vergessen hatten.
»Wartet mal«, sagte einer der Christen, »kommt Decius nicht wieder zurück?«
»Ach ja, verdammt. Wat machen wir denn jetzt?«
»Scheiß was auf die Armen, wir nehmen das Geld von den Almosen, kaufen noch etwas Nahrung und verstecken uns in einer Höhle.«
»Wir könnten auch einfach das Land verlassen und es uns irgendwo nett machen«, sagte einer der Christen, aber die anderen schüttelten die Köpfe.
»Nee, Höhle ist das geilste überhaupt.«
Also schickten sie den Jüngsten von ihnen als Bettler verkleidet los, um noch etwas Brot zu kaufen. Und der rannte prompt Decius über den Weg.
»Hey, bist du nicht einer von diesen jungen …«
»Ohshitohshitohshit«, sagte der Jüngste der Christen und rannte weg.
Als er in der Höhle ankam, starrten ihn die anderen an. »Alter, du solltest doch Brot kaufen! Wat hast du denn da? Zwei, drei Stück?«
»Na, kauf du doch mal ein, wenn der Typ, der dich umbringen will plötzlich vor dir steht.«
»Hm, ja.«
»Wat machen wir denn jetzt?«
»Wir könnten uns ein wenig hinlegen.«
»Wir haben nüscht zu essen und sollen uns einfach hinlegen? So als ob nichts wär?«
»Ja, hier, wie heißt er … Gott, genau … der wird uns schon helfen.«
»Das klingt … natürlich absolut einleuchtend.«
Also machten sie ein Nickerchen.
Decius fand das irgendwie doof und wies seine Leute an, nach den jungen Christen zu suchen. Die fanden die aber nicht und so ging Decius zu den Eltern der Christen und sagte: »Passt mal auf, Leute. Wenn ihr mir nicht sagt, wo eure Kinder sind, schauen wir mal wie lange ihr Schmerz vertragt.«
Die Eltern der Christen sahen sich an und sagten dann hastig: »Die sind in der Höhle, da hinten. Warten Sie mal kurz, wir zeichnen das auf einer Karte ein.«
»Mann, das war ja einfacher als gedacht«, sagte Decius. »Wartet mal, wenn eure Kinder alle Christen sind, dann seid ihr doch bestimmt auch …«
»Nee, nee, nee, nee, nee, nee. Wirklich nicht. Gar nicht. Yay, Jupiter und Athene!«, sagte einer der Väter.
»Athene ist aus Griechenland, du Depp«, murmelte eine der Mütter.
»Yay, Jupiter und wie auch immer die heißt!«, sagte der Vater.
Daraufhin sagte Decius: »Na, das will ich mal durchgehen lassen.«
Statt seine Leute anzuweisen, die Christen aus der Höhle zu holen, sagte er ihnen aber, dass sie die einmauern sollen.
»Die leben doch aber noch«, sagte einer der Zenturios.
»Muss ich alles zweimal sagen?«
»Nee, schon gut. Bißchen brutal vieleicht, aber okay.«
Zwei christliche Diener des Kaisers, die er aus irgendeinem Grund nicht umgebracht hatte, schrieben schnell auf Bleiplatten, die sie anscheinend immer bei sich trugen, was sich zugetragen hatte und versteckten die unter den Steinen am Höhleneingang. Nicht etwa davor oder so, damit man vielleicht die Leute in der Höhle noch hätte finden können. Nein, nein.
Dann machte sich Decius auf den Weg und verstarb auch relativ bald.
Aber keiner kam auf die gottverdammte Idee, vielleicht mal die Steine von der blöden Höhle zu räumen, um zu schauen, ob man den Jünglingen irgendwie helfen könnte.
Bis knapp 200 Jahre später einer einen Viehstall bauen wollte, weswegen Arbeiter die Steine vom Höhleneingang wegschleppten. Da wachten die jungen Christen in der Höhle wieder auf und dachten: »Na, schauen wir mal, was draußen los ist.«
Wieder schickten sie den Jüngsten, der ja nun auch schon satte 200 Lenze hatte, los, damit der endlich den Rest vom Brot kauft. Als der in die Stadt kam, erkannte er sie kaum wieder. Und der Bäcker, von dem er Brot kaufen wollte, sah seine Münzen und dachte: »Alter, wat soll’n dit?«
»Na, das ist das übliche Zahlungsmittel.«
»Entweder du hast jetzt richtiges Geld dabei oder ich hol dir Polizei.«
Und so wurde der Junge festgenommen und erzählte seine Geschichte und führte gleich eine ganze Baggage von Leuten zur Höhle, darunter den Bischof, der prompt die blöden Bleitafeln entdeckte, die erklärten was vorgefallen war.
Irgendwer erklärt den jungen Christen, dass sie fast 200 Jahre geschlafen hatten.
»Wat du nich sagst«, erwiderten die Christen. »Da hat Gott, der alte Schwerenöter, uns tatsächlich gerettet.«
Und dann starben sie.
Aber anstatt zu fragen »Warum lässt Gott die Typen erst 200 Jahre schlafen, nur um sie gleich wieder umzubringen?«, tanzten alle Bewohner von Ephesus herum, riefen »Gott ist groß« und so einen Kram und bauten dann eine Kirche auf der Höhle.

Ja. Dit war dit …

Pfingsten

Heute ist Pfingsten. Den meisten Leuten ist klar, dass das irgendwas mit der Kirche zu tun hat und dass man am Pfingstmontag frei hat, obwohl wir eigentlich in einem Staat leben, der nichts mit der Kirche am Hut haben sollte. Aber man will sich ja nicht über einen freien Tag beschweren, gell? Wenn man aber irgendwen fragt, was Pfingsten ist, dann kriegt man eben meistens nur gesagt: »Ja, da ist frei« oder »Wat weiß ich«.

Also: Was ist Pfingsten?

Das Ereignis, an dem der heilige Geist über die Jünger gekommen ist. Nein, nicht auf diese Art und Weise, aber es war trotzdem ziemlich abgedreht. Was sagt denn die Bibel dazu? In der Apostelgeschichte, Kapitel 2 steht folgendes:

Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war – Man kannte also bereits den Namen, obwohl es erst dann stattfand … ein Wunder! – , waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen.
Und einer der Jünger sagte: »Lukas, hast du schon wieder Bohnen gegessen?«
Aber Lukas sagte: »Nein.«
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.
Und Lukas sagte: »Alter, ich glaube, in den Pilzen war irgendwas drin.«
Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadokien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und an den Enden von Libyen bei Kyrene und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden.«
Und die Frauen sahen sich an und sagten: »Das ist echt abgedrehter Scheiß. Außerdem hat da wer in Geographie aufgepasst und will jetzt angeben?«
Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre – weil man damals nicht erst mal besonnen nachdachte – und sprachen einer zu dem andern: »Was will das werden?«
Die andern aber hatten’s ihren Spott und sprachen: »Sie sind voll süßen Weins.«
Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: »Legolas, was sehen deine Elfenaugen?«
Und Legolas sagte: »Ey, warte mal, was zum Teufel machen Elfen in der Bibel?«
Und Petrus sagte: »Alter, ich glaube, ich bin einfach immer noch auf dem Trip.« Dann sagte er: »Ihr Juden, liebe Männer – Frauen lasse ich jetzt mal bewusst weg – , und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kundgetan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel – Oder war es Kevin? – zuvor gesagt ist:«
Und die Leute sagten: »So wie der redet hat er aber doch ganz schön einen im Tee.«
Aber Petrus sprach weiter: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen«, spricht Gott, »ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen unten auf Erden: Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll sich verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn der große und offenbare Tag des HERRN kommt. Und soll geschehen, wer den Namen des HERRN anrufen wird, der soll selig werden.«
Und alle so: »Wat?«
Doch Petrus fuhr fort: »Ihr Männer von Israel, höret diese Worte: Jesum von Nazareth, den Mann, von Gott unter euch mit Taten und Wundern und Zeichen erwiesen, welche Gott durch ihn tat unter euch (wie denn auch ihr selbst wisset), denselben (nachdem er aus bedachtem Rat und Vorsehung Gottes übergeben war) habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten und ihn angeheftet und erwürgt.«
»Ey«, sagte einer der Zuschauer, »ich dachte, die hatten den gekreuzigt? Und hieß der Typ nicht Jesus? Meine Fresse, der nuschelt aber auch.«
Aber das Volk machte: »Psssssssssst!«
Petrus fuhr fort: »Den hat Gott auferweckt, und aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er sollte von ihm gehalten werden. Denn David spricht von ihm: »Ich habe den HERRN allezeit vorgesetzt vor mein Angesicht; denn er ist an meiner Rechten, auf daß ich nicht bewegt werde. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge freuet sich; denn auch mein Fleisch wird ruhen in der Hoffnung. Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen, auch nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freuden vor deinem Angesicht.«
Und die Zuschauer sagten: »Und der behauptet, er hätte nicht gesoffen. Schon klar.«
Petrus sprach weiter: »Ihr Männer, liebe Brüder, lasset mich frei reden zu euch von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, dass ihm Gott verheißen hatte mit einem Eide, dass die Frucht seiner Lenden sollte auf seinem Stuhl sitzen, hat er’s zuvor gesehen und geredet von der Auferstehung Christi, dass seine Seele nicht dem Tode gelassen ist und sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen. Nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber: »Der HERR hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem HERRN und Christus gemacht hat.«
»Also doch gekreuzigt«, sagte einer der Zuschauer.
»Pssst!«, machte die Menge.

Und mit dieser ersten Predigt von Petrus könnte man sagen, dass die Kirche gegründet war. Pfingsten ist also so etwas wie die Geburtsstunde der christlichen Kirche.
Bin mir nicht ganz sicher, ob ein »Happy Birthday!« angebracht ist, in Anbetracht der Tatsache, was im Namen der Kirche so angestellt wurde…

Fronleichnam

Einige Leute haben heute frei, weil in deren Bundesländern Fronleichnam gefeiert wird. Die Anderen sehen vielleicht mal den Namen im Kalender stehen und denken sich: »Wat zum Teufel soll dat denn sein?« Damit geht es ihnen wie mir.

Fronleichnam hat nichts mit Fröhlichkeit zu tun. Die englische Übersetzung »Happy Cadaver Day« ist also unpassend. Es hat auch nichts mit Arbeit zu tun. Die Leichen machen heute keinen auf Frondienst leistenden Zombie. Das Wort kommt stattdessen aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie »der Leib des Herrn«.

Gefeiert wird nämlich die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.
Ich kann praktisch spüren, wie die Gesichter länger wurden und etliche dachten: »Wat?«

Das geht alles darauf zurück, dass Jesus beim letzten Abendmahl sagte: »Leute, der Wein ist kein Wein. Dit is mein Blut.«
Und die Jünger sagten: »Wuäh.«
»Und dit hier is kein Brot, dit is mein Leib.«
»Wat?«
»Und dit hier ist keine Mayonnaise, dit is …«
»Wir wollen es gar nicht wissen.«
»Na dann, guten Appetit!«
Und die Jünger sahen sich an und fragten sich, ob draußen die Currywurstbude noch auf hatte.

Aus diesem Grund gibt es ja heute immer noch in der Kirche was zu saufen und dann diese unleckeren Hostien, bei denen man sich wünschte, es gäbe etwas Aioli dazu. Das gibt es zwar bei jedem Gottesdienst, aber an Fronleichnam wird daran noch einmal besonders gedacht.

Nun ist es ja so, dass das letzte Abendmahl eigentlich am Donnerstag vor dem Karfreitag stattgefunden hat. Quasi am Gründonnerstag. Die Kirche dachte sich aber, dass es irgendwie uncool ist, wenn man in der eher traurigen Woche, in der man dem toten Jesus gedenkt, eine Feier mit Keksen und Suff macht. Insofern gab es die Überlegung: »Leute, wir können uns nicht mit Hostien und Wein den Bauch vollschlagen, wenn der Jupp am nächsten Tag verreckt ist. Wie wäre es denn, wenn wir das Ganze auf den Donnerstag nach dem Oktav von Pfingsten verlegen?«
»Den wat?«
»Na, nach dem achten Tag von Pfingsten.«
»Was hat denn das eine mit dem anderen …«
»Ist doch Wurscht.«
»Ja, jut. Dann … warum nicht?«

Also beim Kekse knabbern heute dran denken: Das ist der Leib des Herrn und man ist gerade unter die Kannibalen gegangen.

Also: Wohl bekommt’s!

Die Mongolische Navy

Auf meiner Seite habe ich einen anderen Text eingestellt, in dem ich über Schiffsunglücke spreche. Darunter ist unter anderem die Geschichte der mongolischen Seestreitkräfte, die versuchten Japan einzunehmen.

Kleine Rekapitulation: Im frühen 13. Jahrhundert stiegen die Mongolen unter Dschingis Khan zur Großmacht auf. Ihr Schlachtgeschrei »Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder, immer wieder« erreichte sogar mal Platz 1 in den deutschen Charts. Wie auch immer … nachdem die Mongolen an Land ziemlich erfolgreich waren, sagte sich der Enkel von Dschingis namens Kublai: »Da draußen sind Inseln, die will ich auch haben.«
Fanden die Japaner nicht so toll, hätten jetzt aber auch nicht so viel dagegen machen können. Glücklicherweise kamen ihnen die Naturgewalten entgegen. Ein Taifun machte fast die ganze Kriegsflotte der Mongolen zunichte, so dass die eine Weile wegblieben.
Nach ein paar Jahren versuchten sie es noch einmal. Mit noch mehr Booten. Und wieder machte ein Sturm alles zunichte. Die Japaner dachten, dass sie vom göttlichen Wind geschützt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass die Chinesen, welche die Mongolen unterworfen hatten, ihnen einfach beschissene Boote bauten, die nicht tauglich für die hohe See waren. Und die Chinesen hätten es mit Sicherheit besser gewusst.

Der springende Punkt: Die Mongolei hatte zu einem Zeitpunkt der Geschichte eine der, wenn nicht die größte Seestreitmacht.

Heutzutage sieht das etwas anders aus. Nachdem die Mongolen dazu übergegangen waren, sich lieber wieder gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, statt den Menschen in anderen Ländern, schrumpfte das Gebiet deutlich zusammen. Die Russen und die Chinesen machten dann auch noch ihr Ding. Schaut man sich die heutigen Grenzen der Mongolei an, stellt man fest, dass das Land komplett von Land umgeben ist. Es gibt zwar ein paar Seen im Landesinneren, aber Zugang zum Meer hat die Mongolei nicht. Insofern hält sich der Bedarf an einer mongolischen Marine in Grenzen. Dennoch sahen sich die Russen, welche die Mongolei mal unter Kontrolle hatten, aus irgendeinen Grund dazu veranlasst zu sagen: »Ey, wisst ihr was ihr braucht? Einen Schlepper. Im See. Aus … Gründen.«
Also verpackten sie so ein altes Ding, zogen es quer durch die Steppe zum See mit dem schönen, leicht über die Zunge gehenden Namen »Chöwsgöl Nuur« und, bauten es dort wieder auf. Nur stößt der See heute nicht mal an eine Landesgrenze. Es ist ein Binnensee. Sicher, auf der Liste der größten Seen steht er auf Platz 48, macht ihn aber auch nicht interessanter.

Das Boot? Die »Sukhbaatar III« hat eine Besatzung von sieben Mann und ist das einzige Boot der mongolischen Marine. Und weil das Geld auch recht knapp in dem Staat ist, der hauptsächlich von Agrarwirtschaft lebt, wurde die Marine irgendwann privatisiert. Nun fährt das Schiff gelegentlich mal Touristen über den See. Wenn denn da mal welche hinkommen. Damit ist die mongolische Marine also die kleinste Marine der Welt.

Von einer der größten Seestreitmächte zur kleinsten Marine der Welt: Die Mongolei.

Eine kurze Geschichte der Schiffsunglücke

Bei einigen der letzten geschichtlichen Zusammenstellungen, waren Erwähnungen von Schiffsunglücken dabei. Das brache mich dazu, darüber nachzudenken, welche Schiffsunglücke schlimm waren, von denen man aber bisher nicht so richtig was gehört oder gelesen hat. Sicher, jeder kennt die Titanic. Auch die Costa Concordia sollte noch einigen im Gedächtnis sein. Ist ja nicht so lange her, dass das passiert ist. Die untergehenden Schiffe der Flüchtlinge sollten Leuten, die ab und an mal Nachrichten schauen oder lesen auch nicht entgangen sein. Aber was waren die größten, schlimmsten oder dämlichsten Schiffsunglücke?

Fangen wir doch mal bei der bekanntesten Schiffskatastrophe an. Die Titanic! Satte 1502 Menschen sterben zu den Klängen von Céline Dion. Ohne Frage ein schlimmes Unglück – also der Verlust an Menschenleben und die Musik – , aber bei weitem nicht das schlimmste Unglück in Friedenszeiten.

Am 10. September 2011 sank die tansanische Fähre Spice Islander I. Wie das in vielen Dritte-Welt-Ländern ist: Man nimmt es mit der Beladung nicht so genau. Zugelassen für ca. 700 Personen, befanden sich laut offizieller Seite etwa 800 Leute an Bord. Zunächst war die Rede davon, dass 203 Leute gestorben seien, bis eine tansanische Zeitung meinte: »Ey, wartet mal, da stimmt doch was nicht.« Dann schaute man etwas genauer hin. Wie sich herausstellte, hatte die Fähre nicht nur Fahrzeuge und Baumaterialien geladen, es waren auch fast 3600 Menschen an Bord, also mehr als das fünffache von dem, wofür die Fähre zugelassen war. Es war also relativ wenig überraschend, dass die Fähre meinte: »Ächz, ich kipp jetzt mal zur Seite.« Es wurden nur 619 Menschen gerettet.

Ein noch größeres Unglück in Friedenszeiten ereignete sich in auf den Philippinen. Oder eher im Wasser zwischen den Philippinen. Wie schon in Tansania, war die Fähre Doña Paz arg überladen. 1518 Passagiere hätten es sein dürfen, 4317 Passagiere waren es. Plus Besatzung. Damit man auch wirklich sicher gehen konnte, dass niemand im Falle einen Unglücks gerettet werden konnte, hatte man die Kästen mit den Schwimmwesten verschlossen. Die Doña Paz kollidierte mit dem Tanker Vector, dessen Ladung von Erdöl auslief und Feuer fing. Weil alles in Flammen stand, konnte man die Rettungsboote nicht zu Wasser lassen und die Leute mussten unter den Flammen durchschwimmen. Vorsorglich hatte die Doña Paz auch kein Funkgerät, konnte also nicht nach Hilfe funken. Und die Leute von der Vector waren nicht richtig ausgebildet und wussten gar nicht, was man macht. Erst nach 16 Stunden lief die Rettungsaktion an. Im Endeffekt überlebten nur 26 Leute das Unglück. Es ist mit 4386 Opfern das größte Schiffsunglück in Friedenszeiten.

Aber nun haben wir noch gar nicht über Kriegszeiten gesprochen! Jetzt geht es erst richtig los!

Das Jahr 1945 war für deutsche Schiffe nicht wirklich super. Oder für Flüchtlinge und KZ-Häftlinge, die auf Schiffe verladen wurden. Es gab nicht eins, nicht zwei, nicht drei – nein – es gab gleich VIER richtig schwere Schiffsunglücke, in der hauptsächlich zivile Leben zu beklagen waren.
Am 30. Januar 1945 wurde die Wilhelm Gustloff von einem russischen U-Boot versenkt. Darauf befanden sich hauptsächlich Flüchtlinge aus Ostpreußen, aber eben auch Militärangehörige. Man könnte sagen, dass das Schiff in dem Fall wirklich als militärischen Ziel gesehen werden musste. Trotzdem: Es sterben rund 9000 Menschen. Aus diesem Grund wird dieses Unglück oftmals als das schwerste Schiffsunglück der Weltgeschichte bezeichnet, obwohl das nur für die Moderne gilt. (Dazu später mehr. Oh mein Gott, diese Spannung!)
Am 10. Februar 1945 denkt sich dasselbe sowjetische U-Boot: »Ey, das haben wir echt super gemacht, jetzt versenken wir gleich noch das nächste Passagierschiff!« Und – Zack! – die Steuben, beladen mit Flüchtlingen, Verwundeten und Soldaten geht der Ostsee mal so richtig auf den Grund. Rund 4000 Tote sind nach dem Angriff zu beklagen.
Am 16. April 1945 versenkt ein anderes sowjetisches U-Boot den deutschen Frachter Goya. Fracht: Flüchtlinge aus Ostpreußen. Tote: rund 7000.
Am 3. Mai 1945 versenken britische Bomber den Luxusdampfer Cap Arcona und das Frachtschiff Thielbek. Beide Schiffe sollten benutzt werden, um KZ-Häftlinge zu verlegen. Insgesamt ungefähr 7300 Tote.

Hm, das war jetzt irgendwie wenig witzig… dann wenden wir uns doch den Unglücken zu, die zwar auch im Krieg waren, aber hauptsächlich militärische Verluste zu beklagen hatten.

1274 sagten sich die Mongolen: »Hm, da draußen gibt es noch Inseln, die uns nicht gehören. Sollten sie aber.«
Die Japaner hingegen fanden die Idee nicht so toll. »Wie wär’s, wenn wir unsere Heimat behalten?«
»Nö«, sagten die Mongolen und setzen mit Schiffen über.
»LEUTE«, sagten die Naturgewalten, »DIE WOLLEN VON EUCH NICHT EINGENOMMEN WERDEN!«
Ein Taifun zerstörte darauf ungefähr ein Drittel der mongolischen Streitmacht. Rund 10.000 Leute starben durch die zerstörten Schiffe.

1281 sagten sich die Mongolen erneut: »Hm, da sind immer noch diese Inseln. Beim letzten Mal lief das ja nicht so toll, aber wenn wir jetzt vielleicht…«
Und Japan: »Manno.«
Und die Naturgewalten: »WAT HAM WA BEIM LETZTEN MAL JESACHT?«
Erneut zerstörte ein Taifun den Großteil der Invasionsarmee. Diesmal sterben rund 70.000 (!!!) Menschen. Und die Mongolen schienen dazuzulernen.
»Leute, neue taktische Überlegung bezüglich Japan: Scheiß drauf.«
Daraufhin die Japaner: »Wir sind die Größten, Schönsten, Besten. Und werden von den Göttern beschützt.«
Und die Mongolen, drüben in China, so: »Pfft, ja genau.«
Daraufhin schauten die Japaner genervt. »Na, wartet mal noch 650 Jahre ab, dann sprechen wir uns wieder.«

Aber das größte Schiffsunglück in der Geschichte geschah in römischer Zeit.

Die Römer hatten die ganze italienische Halbinsel eingenommen, waren aber trotzdem nicht so recht zufrieden. Die nahen Inseln Korsika, Sardinien und Sizilien standen unter der Kontrolle von Karthago und waren außerdem reich an Getreide. Das Volk wollte ja auch irgendwie ernährt werden, da kamen die Inseln gerade recht. Außerdem wäre der Weg nach Afrika über die Inseln kürzer.
Also sagten die Römer zu den Karthagern: »Macht mal, dass ihr wegkommt.«
Und die Karthager sagten: »Ihr habt sie ja nicht alle, wa?«
Daraufhin gab es Krieg und für die Römer lief es eigentlich ganz gut. Irgendwann standen sie auch vor Karthago und hätten vielleicht bei den Friedensverhandlungen auch gut abgeschnitten, wenn sie es nicht übertrieben hätten. Aber so hatten die Karthager etwas Unterstützung in Sparta gekauft und die gemeinsamen Armeen versohlten den Römern gehörig die Hintern.
Die Römer dachten: »Ääääääääääääääääh … wir müssen weg.«
Man schickte 370 Schiffe nach Afrika, um die Soldaten zu holen, schlug sich noch mit den Karthagern auf See, war aber siegreich, und lud dann die Armee auf die Boote. Kurz vor der Südküste Siziliens, also quasi fast daheim, gab es allerdings einen Sturm und 300 der Schiffe gingen unter. Angeblich starben dabei rund 100.000 Soldaten.

Man muss sich das mal vor Augen halten: Das ist ungefähr das 67-Fache an Todesopfern gegenüber dem Titanic-Unglück. Genauer gesagt: Man stelle sich 67 Céline Dions vor, die »My Heart Will Gö Ön« singen und hat ein halbwegs akkurates Bild der Katastrophe.

Zeitumstellung

Für alle, die sich wundern, weshalb sie heute Morgen von ihrem Chef angeschrien wurden oder warum sie einfach nicht in die Gänge kommen: Gestern war Zeitumstellung.

Zeit mal einen Blick auf die Historie zu werfen, um herauszufinden, warum und wieso das eigentlich überhaupt gemacht wird, immerhin scheinen die meisten Leute davon ja genervt zu sein.
1784 schrieb Benjamin Franklin einen Brief an die französische Zeitung Journal de Paris, in dem er sich darüber beschwerte, dass der Kerzenverbrauch während der kalten Jahreszeit zu hoch wäre. Er schlug eine Zeitumstellung vor, damit die Leute mehr Zeit während des Tageslichts verbringen würden. Die Idee nimmt allerdings keiner richtig ernst, weil Franklin irgendwie ein kleiner Schlawiner war, der öfter mal merkwürdige Scherze machte. Er hat es fast mal geschafft, ganz England und Frankreich gegeneinander aufzubringen, nur weil er aus Langeweile ein Gerücht in die Welt gesetzt hatte, aber das gehört nicht hierher. Jedenfalls war es eigentlich ein Wunder, dass er Diplomat war.

1907 hat dann ein britischer Geschäftsmann tatsächlich für eine Einführung der Sommerzeit geworben. Der Grund war simpel: Er hoffte, dass er damit Geld sparen könnte. Auch bei seiner Idee ging es um die Kosten für Beleuchtung. Allerdings hatte er einen komplizierten Plan vorgesehen, bei denen die Uhren nicht eine Stunde, sondern an mehreren aufeinanderfolgenden Sonntagen um jeweils 20 Minuten vorgestellt werden sollten. Man zeigte ihm einen Vogel und hoffte, das wäre es gewesen.

Bis 1893 herrschte in Deutschland absolutes Zeitchaos. Man konnte sich innerhalb des Reiches schon nicht auf eine Zeit einigen. So gab es z.B. Zeitunterscheide zwischen Berlin und München. Aber dann wurde die Mitteleuropäische Zeit eingeführt und alles war gut, bis irgendwer 1916 die Idee aus England aufgriff und dachte: »Ey, Energiesparen ist gerade in Zeiten des Krieges keine so doofe Sache.«
Ob das wirklich Energie gespart hat, sei mal dahingestellt, trotzdem dachten die Kriegsgegner England und Frankreich: »Wat die können, können wir auch!«, und führten ebenfalls die Sommerzeit ein. Während Deutschland aber nach dem Krieg dachte »Boah, wat’n Mist«, hielten England und Frankreich an der Sommerzeit fest.
Im Zweiten Weltkrieg kam irgendwer in Deutschland erneut auf die Idee die Sommerzeit einzuführen. Ebenfalls aus ökonomischen Gründen. Mehr Tageslicht = mehr Zeit, um irgendwelche Waffen herzustellen.
Nach dem Krieg sagten die westlichen Besatzungsmächte: »Leute, ihr habt jetzt Sommerzeit!«, und die Westdeutschen sagten nur »Okay.«
In der sowjetischen Besatzungszone, sprich Ostdeutschland, führte man die Moskauer Zeit ein, d.h. man war dem Westen um zwei Stunden voraus. Und die Ostdeutschen sagten nur: »Alter, wat?«
Aber der Westen konnte natürlich nicht zurückstehen. »Wartet mal, wir setzen noch einen drauf!«, sagten sie zwischen 1947 und 1949 und führten die Hochsommerzeit zwischen Mai und Juni ein, in der die Uhren noch eine Stunde vorgestellt wurden.

Nachdem bis 1949 keiner mehr richtig ein Auge zugetan hatte, sagte man sich schließlich »Boah, dat geht gar nich« und hörte mit der ganzen Zeitumstellerei auf. Außerdem einigte man sich mal auf eine Zeit, die in ganz Deutschland galt. Der Rest von Europa schaute allerdings auf die Deutschen und schüttelte den Kopf: »Wat macht ihr denn? Wir haben alle Sommerzeit.«
»Ach, macht doch wat ihr wollt«, gab Deutschland zurück.

1973 gab es dann die Ölkrise, weswegen über eine Einführung der Sommerzeit wieder gesprochen wurde. Immerhin war der wesentliche Grund für die Zeitumstellerei immer noch der, Energie zu sparen. Aber die Bundesrepublik wollte irgendwie nicht richtig. Auch nachdem die restlichen Staaten in der Europäischen Gemeinschaft eine einheitliche Umstellung einführen wollten, lehnte Westdeutschland ab.
»Nee, ick weiß nicht«, sagte Westdeutschland. »Wenn wa dit machen, teilen wir Deutschland ja nur noch mehr, weißte.«
Was macht also die DDR 1979? Sie kündigt an ab April 1980 die Sommerzeit einzuführen.
Und Westdeutschland plusterte sich auf: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Dann wurden wohl Stinkefinger gezeigt und man beschloss dann ebenfalls die Sommerzeit einzuführen. Was die Bundesbahn scheiße fand, denn die hatten schon die entsprechenden Fahrpläne gedruckt.
Ein Jahr später hatte man in der DDR wohl mal nachgerechnet und kam zu dem Schluss, dass die ganze Sache mit der Energiesparerei vorne und hinten nicht hinhaute. Also wollte man die Zeitumstellung wieder abschaffen.
Westdeutschland reagierte ungehalten: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Vermutlich wurden ebenfalls Stinkefinger gezeigt. Diesmal wollte man aber nicht beigeben. Aus Trotz sagte man, dass man bei der Sommerzeit bleibe. Und die DDR erwiderte freundlich lächelnd: »Okay, okay, dann machen wir das auch. Außerdem behalten unsere russischen Freunde auch die Sommerzeit, also …«
»Ich will nichts weiter hören«, sagte Westdeutschland und damit war die Sache durch.

Wenn man so will, haben wir also die Sommerzeit, weil die DDR das so wollte und die Bundesrepublik einen Bock hatte. Die Wessis können also den Ossis die Schuld geben und umgekehrt. Deutschland einig Vaterland!

Und ganz generell gesprochen hat überhaupt Deutschland Schuld an der Sommerzeit. Aber das sollten wir vielleicht nicht so laut sagen …

Geschichten zum Tag: 12.04. – Zimbabwe-Dollar

Heute gäbe es auch wirklich viel über den Tag in der Geschichte zu erzählen, aber ich beschränke mich mal auf ein Ereignis.
Mir ist klar, dass Wirtschaft irgendwie nicht zu den Themen gehört, bei denen die meisten Leute sagen »Yay! Erzähl mir mehr!«. Mir geht es da genauso. Aber was vor neun Jahren passiert ist, ist zwar irgendwie traurig, aber auch gleichzeitig witzig.

Vor genau neun Jahren wurde effektiv die Währung von Simbabwe abgeschafft, weil die Inflation so gestiegen war, dass man praktisch nicht mehr mit dem Druck der Banknoten hinterher kam. Das hatte natürlich damit zu tun, dass das Land wirtschaftlich nicht sonderlich gut dastand. Das kommt davon, wenn man einen Premierminister bzw. Präsidenten hat, der faktisch ein Diktator, korrupt und idiotisch ist und obendrauf auch noch aussieht wie ein schwarzer Hitler und sich entsprechend benimmt. (Über Robert Mugabe zu sprechen, würde jetzt aber den Rahmen sprengen.)
Was war passiert?
Weiße Farmer hatten das Land nutzbar gemacht, aber die Bevölkerung fand, dass es ungleich verteilt war – was durchaus stimmte. Die Regierung kam nun also auf die Idee die weißen Farmer zu vertreiben, die sich wiederum dachten »Unsere Viecher kriegt ihr aber mal nicht!«. Also brachten sie ihr Nutzvieh um. Und natürlich ist es immer eine gute Idee, wenn man es sich mit den Leuten verscherzt, die von einer Sache richtig Ahnung haben.
Nachdem die Weißen weg waren, vergab die Regierung das Land vor allem an Leute, die der Regierung nahe standen. Und keine Ahnung von Bewirtschaftung hatten. Die Folge: Die Produktivität sank, Lebensmittel wurden knapp und das Ausland hatte keinen Bock mehr irgendwem Kredite zu geben. Mit anderen Worten: Mit der Wirtschaft ging es bergab.
Durch die schlechte Wirtschaft fiel auch der Wert der Währung. Bis 2009 wurde vier Mal die Währung umgestellt, weil sie so schnell an Wert verlor. Der Staat gab 500.000 Euro PRO WOCHE aus, um allein in Deutschland neue Banknoten drucken zu lassen. Zu einem Zeitpunkt hatte die Inflation eine Rate von 79.600.000.000% erreicht. (Zum Vergleich: Die momentane Inflationsrate in Deutschland ist 1,6%. 1992 waren es mal 5,1%.) Das ist in etwa so, als würde man Anfang des Monats sein Gehalt bekommen und bekäme Mitte des Monats gesagt, dass ein Brötchen jetzt knapp acht Milliarden Euro kostet.
In der Tat konnten viele Geschäfte gar kein Wechselgeld rausgeben, weswegen man stattdessen z.B. Bonbons bekam. Man stelle sich das mal vor.
»Ich hätte gern den neuen Star Wars Film auf Bluray gekauft.«
»Macht 40 Milliarden Dollar.«
»Ich hab nur ›nen 50 Milliarden Schein dabei.«
»Na ja, hier haste ›nen Lolli als Wechselgeld.«

Zum Teil konnte man keine Bankautomaten mehr benutzen, da diese mit einem »Data Overflow Error« den Dienst verweigerten. Summen, die derartig viele Nullen hatten, waren schlichtweg nicht zu verarbeiten.

Was mich vor allem immer daran fasziniert hat, waren die Banknoten, die von der Regierung ausgegeben wurden. Ich habe mal ein Bild angehängt. »100 Trillion Dollar«, aufgrund des Sprachunterschieds also 100 Billionen Dollar auf Deutsch. (Das Englische kennt keine Milliarde. Eine Milliarde ist bei denen eine Billion. Eine Billion hat bei uns aber drei Nullen mehr.)
Wer also schon immer mal Billionär sein wollte, braucht sich nur mal so eine Banknote zu besorgen.

100 Billionen Zimbabwe-Dollar

Hinweis: Bei dem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting vom 12. April 2018.

Die Herkunft des Wortes »Tee«

Es ist schon faszinierend, was man durch das Internet so lernt. Zum Beispiel auch über Sprache.
Wusstet ihr, dass es bis auf ganz wenige Ausnahmen auf der Welt im Grunde nur Abwandlungen von zwei Wörtern für Tee gibt? Nämlich »Tee« oder »Chai«.
Also eine Hälfte der Welt sagt zu Tee »Tee«, die andere sagt so etwas wie »Chai«. Und dann gibt es welche, die sagen »Chai Tee« und outen sich als Idioten. Aber das nur am Rande.

Das Ganze hat etwas damit zu tun, wie Tee gehandelt wurde.

Beide Wörter stammen aus China, allerdings aus verschiedenen Gegenden. Im nördlichen China wurde das Wort »cha« benutzt. Über die Seidenstraße gelangte der Tee nach Persien und andere asiatische Länder, von wo aus er weiter in die Welt getragen wurde, d.h. alle Länder an der Seidenstraße oder den »natürlichen« weiteren Handelsstraßen sagen so etwas wie »chay« (Persisch, Türkisch, Russisch), shay (Arabisch) oder »chai« (Swahili).
An der chinesischen Küste sagte man allerdings »te«. Und über die Schifffahrtswege, besonders durch die Niederländer, wurde dieses Wort nach England (tea), Deutschland (Tee), Frankreich (thé) oder Italien (tè) gebracht.
Polen, Litauen und Weißrussland, die erst im 17. Jahrhundert Tee bekommen haben, weil alle anderen Länder den anscheinend für sich behalten wollten, sagen allerdings eine Abwandlung von »herbata«, dass von »herba thea« abstammt. Also im Grunde auch »te«, nur haben sie sich auf etwas anderes konzentriert. Und wahrscheinlich haben sie gedacht: »Ihr habt uns das so lange vorenthalten, da sagen wir jetzt aus Prinzip was anderes.«

Wenn Ihr also einen Tee trinkt, dann denkt daran, dass ihr das nur so nennt, weil irgendein chinesischer Küstenbewohner einem niederländischen Händler mal gesagt hat, dass das so ist.