Sebastian Niedlich

Die Mongolische Navy

Auf meiner Seite habe ich einen anderen Text eingestellt, in dem ich über Schiffsunglücke spreche. Darunter ist unter anderem die Geschichte der mongolischen Seestreitkräfte, die versuchten Japan einzunehmen.

Kleine Rekapitulation: Im frühen 13. Jahrhundert stiegen die Mongolen unter Dschingis Khan zur Großmacht auf. Ihr Schlachtgeschrei »Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder, immer wieder« erreichte sogar mal Platz 1 in den deutschen Charts. Wie auch immer … nachdem die Mongolen an Land ziemlich erfolgreich waren, sagte sich der Enkel von Dschingis namens Kublai: »Da draußen sind Inseln, die will ich auch haben.«
Fanden die Japaner nicht so toll, hätten jetzt aber auch nicht so viel dagegen machen können. Glücklicherweise kamen ihnen die Naturgewalten entgegen. Ein Taifun machte fast die ganze Kriegsflotte der Mongolen zunichte, so dass die eine Weile wegblieben.
Nach ein paar Jahren versuchten sie es noch einmal. Mit noch mehr Booten. Und wieder machte ein Sturm alles zunichte. Die Japaner dachten, dass sie vom göttlichen Wind geschützt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass die Chinesen, welche die Mongolen unterworfen hatten, ihnen einfach beschissene Boote bauten, die nicht tauglich für die hohe See waren. Und die Chinesen hätten es mit Sicherheit besser gewusst.

Der springende Punkt: Die Mongolei hatte zu einem Zeitpunkt der Geschichte eine der, wenn nicht die größte Seestreitmacht.

Heutzutage sieht das etwas anders aus. Nachdem die Mongolen dazu übergegangen waren, sich lieber wieder gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, statt den Menschen in anderen Ländern, schrumpfte das Gebiet deutlich zusammen. Die Russen und die Chinesen machten dann auch noch ihr Ding. Schaut man sich die heutigen Grenzen der Mongolei an, stellt man fest, dass das Land komplett von Land umgeben ist. Es gibt zwar ein paar Seen im Landesinneren, aber Zugang zum Meer hat die Mongolei nicht. Insofern hält sich der Bedarf an einer mongolischen Marine in Grenzen. Dennoch sahen sich die Russen, welche die Mongolei mal unter Kontrolle hatten, aus irgendeinen Grund dazu veranlasst zu sagen: »Ey, wisst ihr was ihr braucht? Einen Schlepper. Im See. Aus … Gründen.«
Also verpackten sie so ein altes Ding, zogen es quer durch die Steppe zum See mit dem schönen, leicht über die Zunge gehenden Namen »Chöwsgöl Nuur« und, bauten es dort wieder auf. Nur stößt der See heute nicht mal an eine Landesgrenze. Es ist ein Binnensee. Sicher, auf der Liste der größten Seen steht er auf Platz 48, macht ihn aber auch nicht interessanter.

Das Boot? Die »Sukhbaatar III« hat eine Besatzung von sieben Mann und ist das einzige Boot der mongolischen Marine. Und weil das Geld auch recht knapp in dem Staat ist, der hauptsächlich von Agrarwirtschaft lebt, wurde die Marine irgendwann privatisiert. Nun fährt das Schiff gelegentlich mal Touristen über den See. Wenn denn da mal welche hinkommen. Damit ist die mongolische Marine also die kleinste Marine der Welt.

Von einer der größten Seestreitmächte zur kleinsten Marine der Welt: Die Mongolei.

Eine kurze Geschichte der Schiffsunglücke

Bei einigen der letzten geschichtlichen Zusammenstellungen, waren Erwähnungen von Schiffsunglücken dabei. Das brache mich dazu, darüber nachzudenken, welche Schiffsunglücke schlimm waren, von denen man aber bisher nicht so richtig was gehört oder gelesen hat. Sicher, jeder kennt die Titanic. Auch die Costa Concordia sollte noch einigen im Gedächtnis sein. Ist ja nicht so lange her, dass das passiert ist. Die untergehenden Schiffe der Flüchtlinge sollten Leuten, die ab und an mal Nachrichten schauen oder lesen auch nicht entgangen sein. Aber was waren die größten, schlimmsten oder dämlichsten Schiffsunglücke?

Fangen wir doch mal bei der bekanntesten Schiffskatastrophe an. Die Titanic! Satte 1502 Menschen sterben zu den Klängen von Céline Dion. Ohne Frage ein schlimmes Unglück – also der Verlust an Menschenleben und die Musik – , aber bei weitem nicht das schlimmste Unglück in Friedenszeiten.

Am 10. September 2011 sank die tansanische Fähre Spice Islander I. Wie das in vielen Dritte-Welt-Ländern ist: Man nimmt es mit der Beladung nicht so genau. Zugelassen für ca. 700 Personen, befanden sich laut offizieller Seite etwa 800 Leute an Bord. Zunächst war die Rede davon, dass 203 Leute gestorben seien, bis eine tansanische Zeitung meinte: »Ey, wartet mal, da stimmt doch was nicht.« Dann schaute man etwas genauer hin. Wie sich herausstellte, hatte die Fähre nicht nur Fahrzeuge und Baumaterialien geladen, es waren auch fast 3600 Menschen an Bord, also mehr als das fünffache von dem, wofür die Fähre zugelassen war. Es war also relativ wenig überraschend, dass die Fähre meinte: »Ächz, ich kipp jetzt mal zur Seite.« Es wurden nur 619 Menschen gerettet.

Ein noch größeres Unglück in Friedenszeiten ereignete sich in auf den Philippinen. Oder eher im Wasser zwischen den Philippinen. Wie schon in Tansania, war die Fähre Doña Paz arg überladen. 1518 Passagiere hätten es sein dürfen, 4317 Passagiere waren es. Plus Besatzung. Damit man auch wirklich sicher gehen konnte, dass niemand im Falle einen Unglücks gerettet werden konnte, hatte man die Kästen mit den Schwimmwesten verschlossen. Die Doña Paz kollidierte mit dem Tanker Vector, dessen Ladung von Erdöl auslief und Feuer fing. Weil alles in Flammen stand, konnte man die Rettungsboote nicht zu Wasser lassen und die Leute mussten unter den Flammen durchschwimmen. Vorsorglich hatte die Doña Paz auch kein Funkgerät, konnte also nicht nach Hilfe funken. Und die Leute von der Vector waren nicht richtig ausgebildet und wussten gar nicht, was man macht. Erst nach 16 Stunden lief die Rettungsaktion an. Im Endeffekt überlebten nur 26 Leute das Unglück. Es ist mit 4386 Opfern das größte Schiffsunglück in Friedenszeiten.

Aber nun haben wir noch gar nicht über Kriegszeiten gesprochen! Jetzt geht es erst richtig los!

Das Jahr 1945 war für deutsche Schiffe nicht wirklich super. Oder für Flüchtlinge und KZ-Häftlinge, die auf Schiffe verladen wurden. Es gab nicht eins, nicht zwei, nicht drei – nein – es gab gleich VIER richtig schwere Schiffsunglücke, in der hauptsächlich zivile Leben zu beklagen waren.
Am 30. Januar 1945 wurde die Wilhelm Gustloff von einem russischen U-Boot versenkt. Darauf befanden sich hauptsächlich Flüchtlinge aus Ostpreußen, aber eben auch Militärangehörige. Man könnte sagen, dass das Schiff in dem Fall wirklich als militärischen Ziel gesehen werden musste. Trotzdem: Es sterben rund 9000 Menschen. Aus diesem Grund wird dieses Unglück oftmals als das schwerste Schiffsunglück der Weltgeschichte bezeichnet, obwohl das nur für die Moderne gilt. (Dazu später mehr. Oh mein Gott, diese Spannung!)
Am 10. Februar 1945 denkt sich dasselbe sowjetische U-Boot: »Ey, das haben wir echt super gemacht, jetzt versenken wir gleich noch das nächste Passagierschiff!« Und – Zack! – die Steuben, beladen mit Flüchtlingen, Verwundeten und Soldaten geht der Ostsee mal so richtig auf den Grund. Rund 4000 Tote sind nach dem Angriff zu beklagen.
Am 16. April 1945 versenkt ein anderes sowjetisches U-Boot den deutschen Frachter Goya. Fracht: Flüchtlinge aus Ostpreußen. Tote: rund 7000.
Am 3. Mai 1945 versenken britische Bomber den Luxusdampfer Cap Arcona und das Frachtschiff Thielbek. Beide Schiffe sollten benutzt werden, um KZ-Häftlinge zu verlegen. Insgesamt ungefähr 7300 Tote.

Hm, das war jetzt irgendwie wenig witzig… dann wenden wir uns doch den Unglücken zu, die zwar auch im Krieg waren, aber hauptsächlich militärische Verluste zu beklagen hatten.

1274 sagten sich die Mongolen: »Hm, da draußen gibt es noch Inseln, die uns nicht gehören. Sollten sie aber.«
Die Japaner hingegen fanden die Idee nicht so toll. »Wie wär’s, wenn wir unsere Heimat behalten?«
»Nö«, sagten die Mongolen und setzen mit Schiffen über.
»LEUTE«, sagten die Naturgewalten, »DIE WOLLEN VON EUCH NICHT EINGENOMMEN WERDEN!«
Ein Taifun zerstörte darauf ungefähr ein Drittel der mongolischen Streitmacht. Rund 10.000 Leute starben durch die zerstörten Schiffe.

1281 sagten sich die Mongolen erneut: »Hm, da sind immer noch diese Inseln. Beim letzten Mal lief das ja nicht so toll, aber wenn wir jetzt vielleicht…«
Und Japan: »Manno.«
Und die Naturgewalten: »WAT HAM WA BEIM LETZTEN MAL JESACHT?«
Erneut zerstörte ein Taifun den Großteil der Invasionsarmee. Diesmal sterben rund 70.000 (!!!) Menschen. Und die Mongolen schienen dazuzulernen.
»Leute, neue taktische Überlegung bezüglich Japan: Scheiß drauf.«
Daraufhin die Japaner: »Wir sind die Größten, Schönsten, Besten. Und werden von den Göttern beschützt.«
Und die Mongolen, drüben in China, so: »Pfft, ja genau.«
Daraufhin schauten die Japaner genervt. »Na, wartet mal noch 650 Jahre ab, dann sprechen wir uns wieder.«

Aber das größte Schiffsunglück in der Geschichte geschah in römischer Zeit.

Die Römer hatten die ganze italienische Halbinsel eingenommen, waren aber trotzdem nicht so recht zufrieden. Die nahen Inseln Korsika, Sardinien und Sizilien standen unter der Kontrolle von Karthago und waren außerdem reich an Getreide. Das Volk wollte ja auch irgendwie ernährt werden, da kamen die Inseln gerade recht. Außerdem wäre der Weg nach Afrika über die Inseln kürzer.
Also sagten die Römer zu den Karthagern: »Macht mal, dass ihr wegkommt.«
Und die Karthager sagten: »Ihr habt sie ja nicht alle, wa?«
Daraufhin gab es Krieg und für die Römer lief es eigentlich ganz gut. Irgendwann standen sie auch vor Karthago und hätten vielleicht bei den Friedensverhandlungen auch gut abgeschnitten, wenn sie es nicht übertrieben hätten. Aber so hatten die Karthager etwas Unterstützung in Sparta gekauft und die gemeinsamen Armeen versohlten den Römern gehörig die Hintern.
Die Römer dachten: »Ääääääääääääääääh … wir müssen weg.«
Man schickte 370 Schiffe nach Afrika, um die Soldaten zu holen, schlug sich noch mit den Karthagern auf See, war aber siegreich, und lud dann die Armee auf die Boote. Kurz vor der Südküste Siziliens, also quasi fast daheim, gab es allerdings einen Sturm und 300 der Schiffe gingen unter. Angeblich starben dabei rund 100.000 Soldaten.

Man muss sich das mal vor Augen halten: Das ist ungefähr das 67-Fache an Todesopfern gegenüber dem Titanic-Unglück. Genauer gesagt: Man stelle sich 67 Céline Dions vor, die »My Heart Will Gö Ön« singen und hat ein halbwegs akkurates Bild der Katastrophe.

Zeitumstellung

Für alle, die sich wundern, weshalb sie heute Morgen von ihrem Chef angeschrien wurden oder warum sie einfach nicht in die Gänge kommen: Gestern war Zeitumstellung.

Zeit mal einen Blick auf die Historie zu werfen, um herauszufinden, warum und wieso das eigentlich überhaupt gemacht wird, immerhin scheinen die meisten Leute davon ja genervt zu sein.
1784 schrieb Benjamin Franklin einen Brief an die französische Zeitung Journal de Paris, in dem er sich darüber beschwerte, dass der Kerzenverbrauch während der kalten Jahreszeit zu hoch wäre. Er schlug eine Zeitumstellung vor, damit die Leute mehr Zeit während des Tageslichts verbringen würden. Die Idee nimmt allerdings keiner richtig ernst, weil Franklin irgendwie ein kleiner Schlawiner war, der öfter mal merkwürdige Scherze machte. Er hat es fast mal geschafft, ganz England und Frankreich gegeneinander aufzubringen, nur weil er aus Langeweile ein Gerücht in die Welt gesetzt hatte, aber das gehört nicht hierher. Jedenfalls war es eigentlich ein Wunder, dass er Diplomat war.

1907 hat dann ein britischer Geschäftsmann tatsächlich für eine Einführung der Sommerzeit geworben. Der Grund war simpel: Er hoffte, dass er damit Geld sparen könnte. Auch bei seiner Idee ging es um die Kosten für Beleuchtung. Allerdings hatte er einen komplizierten Plan vorgesehen, bei denen die Uhren nicht eine Stunde, sondern an mehreren aufeinanderfolgenden Sonntagen um jeweils 20 Minuten vorgestellt werden sollten. Man zeigte ihm einen Vogel und hoffte, das wäre es gewesen.

Bis 1893 herrschte in Deutschland absolutes Zeitchaos. Man konnte sich innerhalb des Reiches schon nicht auf eine Zeit einigen. So gab es z.B. Zeitunterscheide zwischen Berlin und München. Aber dann wurde die Mitteleuropäische Zeit eingeführt und alles war gut, bis irgendwer 1916 die Idee aus England aufgriff und dachte: »Ey, Energiesparen ist gerade in Zeiten des Krieges keine so doofe Sache.«
Ob das wirklich Energie gespart hat, sei mal dahingestellt, trotzdem dachten die Kriegsgegner England und Frankreich: »Wat die können, können wir auch!«, und führten ebenfalls die Sommerzeit ein. Während Deutschland aber nach dem Krieg dachte »Boah, wat’n Mist«, hielten England und Frankreich an der Sommerzeit fest.
Im Zweiten Weltkrieg kam irgendwer in Deutschland erneut auf die Idee die Sommerzeit einzuführen. Ebenfalls aus ökonomischen Gründen. Mehr Tageslicht = mehr Zeit, um irgendwelche Waffen herzustellen.
Nach dem Krieg sagten die westlichen Besatzungsmächte: »Leute, ihr habt jetzt Sommerzeit!«, und die Westdeutschen sagten nur »Okay.«
In der sowjetischen Besatzungszone, sprich Ostdeutschland, führte man die Moskauer Zeit ein, d.h. man war dem Westen um zwei Stunden voraus. Und die Ostdeutschen sagten nur: »Alter, wat?«
Aber der Westen konnte natürlich nicht zurückstehen. »Wartet mal, wir setzen noch einen drauf!«, sagten sie zwischen 1947 und 1949 und führten die Hochsommerzeit zwischen Mai und Juni ein, in der die Uhren noch eine Stunde vorgestellt wurden.

Nachdem bis 1949 keiner mehr richtig ein Auge zugetan hatte, sagte man sich schließlich »Boah, dat geht gar nich« und hörte mit der ganzen Zeitumstellerei auf. Außerdem einigte man sich mal auf eine Zeit, die in ganz Deutschland galt. Der Rest von Europa schaute allerdings auf die Deutschen und schüttelte den Kopf: »Wat macht ihr denn? Wir haben alle Sommerzeit.«
»Ach, macht doch wat ihr wollt«, gab Deutschland zurück.

1973 gab es dann die Ölkrise, weswegen über eine Einführung der Sommerzeit wieder gesprochen wurde. Immerhin war der wesentliche Grund für die Zeitumstellerei immer noch der, Energie zu sparen. Aber die Bundesrepublik wollte irgendwie nicht richtig. Auch nachdem die restlichen Staaten in der Europäischen Gemeinschaft eine einheitliche Umstellung einführen wollten, lehnte Westdeutschland ab.
»Nee, ick weiß nicht«, sagte Westdeutschland. »Wenn wa dit machen, teilen wir Deutschland ja nur noch mehr, weißte.«
Was macht also die DDR 1979? Sie kündigt an ab April 1980 die Sommerzeit einzuführen.
Und Westdeutschland plusterte sich auf: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Dann wurden wohl Stinkefinger gezeigt und man beschloss dann ebenfalls die Sommerzeit einzuführen. Was die Bundesbahn scheiße fand, denn die hatten schon die entsprechenden Fahrpläne gedruckt.
Ein Jahr später hatte man in der DDR wohl mal nachgerechnet und kam zu dem Schluss, dass die ganze Sache mit der Energiesparerei vorne und hinten nicht hinhaute. Also wollte man die Zeitumstellung wieder abschaffen.
Westdeutschland reagierte ungehalten: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Vermutlich wurden ebenfalls Stinkefinger gezeigt. Diesmal wollte man aber nicht beigeben. Aus Trotz sagte man, dass man bei der Sommerzeit bleibe. Und die DDR erwiderte freundlich lächelnd: »Okay, okay, dann machen wir das auch. Außerdem behalten unsere russischen Freunde auch die Sommerzeit, also …«
»Ich will nichts weiter hören«, sagte Westdeutschland und damit war die Sache durch.

Wenn man so will, haben wir also die Sommerzeit, weil die DDR das so wollte und die Bundesrepublik einen Bock hatte. Die Wessis können also den Ossis die Schuld geben und umgekehrt. Deutschland einig Vaterland!

Und ganz generell gesprochen hat überhaupt Deutschland Schuld an der Sommerzeit. Aber das sollten wir vielleicht nicht so laut sagen …

Geschichten zum Tag: 12.04. – Zimbabwe-Dollar

Heute gäbe es auch wirklich viel über den Tag in der Geschichte zu erzählen, aber ich beschränke mich mal auf ein Ereignis.
Mir ist klar, dass Wirtschaft irgendwie nicht zu den Themen gehört, bei denen die meisten Leute sagen »Yay! Erzähl mir mehr!«. Mir geht es da genauso. Aber was vor neun Jahren passiert ist, ist zwar irgendwie traurig, aber auch gleichzeitig witzig.

Vor genau neun Jahren wurde effektiv die Währung von Simbabwe abgeschafft, weil die Inflation so gestiegen war, dass man praktisch nicht mehr mit dem Druck der Banknoten hinterher kam. Das hatte natürlich damit zu tun, dass das Land wirtschaftlich nicht sonderlich gut dastand. Das kommt davon, wenn man einen Premierminister bzw. Präsidenten hat, der faktisch ein Diktator, korrupt und idiotisch ist und obendrauf auch noch aussieht wie ein schwarzer Hitler und sich entsprechend benimmt. (Über Robert Mugabe zu sprechen, würde jetzt aber den Rahmen sprengen.)
Was war passiert?
Weiße Farmer hatten das Land nutzbar gemacht, aber die Bevölkerung fand, dass es ungleich verteilt war – was durchaus stimmte. Die Regierung kam nun also auf die Idee die weißen Farmer zu vertreiben, die sich wiederum dachten »Unsere Viecher kriegt ihr aber mal nicht!«. Also brachten sie ihr Nutzvieh um. Und natürlich ist es immer eine gute Idee, wenn man es sich mit den Leuten verscherzt, die von einer Sache richtig Ahnung haben.
Nachdem die Weißen weg waren, vergab die Regierung das Land vor allem an Leute, die der Regierung nahe standen. Und keine Ahnung von Bewirtschaftung hatten. Die Folge: Die Produktivität sank, Lebensmittel wurden knapp und das Ausland hatte keinen Bock mehr irgendwem Kredite zu geben. Mit anderen Worten: Mit der Wirtschaft ging es bergab.
Durch die schlechte Wirtschaft fiel auch der Wert der Währung. Bis 2009 wurde vier Mal die Währung umgestellt, weil sie so schnell an Wert verlor. Der Staat gab 500.000 Euro PRO WOCHE aus, um allein in Deutschland neue Banknoten drucken zu lassen. Zu einem Zeitpunkt hatte die Inflation eine Rate von 79.600.000.000% erreicht. (Zum Vergleich: Die momentane Inflationsrate in Deutschland ist 1,6%. 1992 waren es mal 5,1%.) Das ist in etwa so, als würde man Anfang des Monats sein Gehalt bekommen und bekäme Mitte des Monats gesagt, dass ein Brötchen jetzt knapp acht Milliarden Euro kostet.
In der Tat konnten viele Geschäfte gar kein Wechselgeld rausgeben, weswegen man stattdessen z.B. Bonbons bekam. Man stelle sich das mal vor.
»Ich hätte gern den neuen Star Wars Film auf Bluray gekauft.«
»Macht 40 Milliarden Dollar.«
»Ich hab nur ›nen 50 Milliarden Schein dabei.«
»Na ja, hier haste ›nen Lolli als Wechselgeld.«

Zum Teil konnte man keine Bankautomaten mehr benutzen, da diese mit einem »Data Overflow Error« den Dienst verweigerten. Summen, die derartig viele Nullen hatten, waren schlichtweg nicht zu verarbeiten.

Was mich vor allem immer daran fasziniert hat, waren die Banknoten, die von der Regierung ausgegeben wurden. Ich habe mal ein Bild angehängt. »100 Trillion Dollar«, aufgrund des Sprachunterschieds also 100 Billionen Dollar auf Deutsch. (Das Englische kennt keine Milliarde. Eine Milliarde ist bei denen eine Billion. Eine Billion hat bei uns aber drei Nullen mehr.)
Wer also schon immer mal Billionär sein wollte, braucht sich nur mal so eine Banknote zu besorgen.

100 Billionen Zimbabwe-Dollar

Hinweis: Bei dem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting vom 12. April 2018.

Die Herkunft des Wortes »Tee«

Es ist schon faszinierend, was man durch das Internet so lernt. Zum Beispiel auch über Sprache.
Wusstet ihr, dass es bis auf ganz wenige Ausnahmen auf der Welt im Grunde nur Abwandlungen von zwei Wörtern für Tee gibt? Nämlich »Tee« oder »Chai«.
Also eine Hälfte der Welt sagt zu Tee »Tee«, die andere sagt so etwas wie »Chai«. Und dann gibt es welche, die sagen »Chai Tee« und outen sich als Idioten. Aber das nur am Rande.

Das Ganze hat etwas damit zu tun, wie Tee gehandelt wurde.

Beide Wörter stammen aus China, allerdings aus verschiedenen Gegenden. Im nördlichen China wurde das Wort »cha« benutzt. Über die Seidenstraße gelangte der Tee nach Persien und andere asiatische Länder, von wo aus er weiter in die Welt getragen wurde, d.h. alle Länder an der Seidenstraße oder den »natürlichen« weiteren Handelsstraßen sagen so etwas wie »chay« (Persisch, Türkisch, Russisch), shay (Arabisch) oder »chai« (Swahili).
An der chinesischen Küste sagte man allerdings »te«. Und über die Schifffahrtswege, besonders durch die Niederländer, wurde dieses Wort nach England (tea), Deutschland (Tee), Frankreich (thé) oder Italien (tè) gebracht.
Polen, Litauen und Weißrussland, die erst im 17. Jahrhundert Tee bekommen haben, weil alle anderen Länder den anscheinend für sich behalten wollten, sagen allerdings eine Abwandlung von »herbata«, dass von »herba thea« abstammt. Also im Grunde auch »te«, nur haben sie sich auf etwas anderes konzentriert. Und wahrscheinlich haben sie gedacht: »Ihr habt uns das so lange vorenthalten, da sagen wir jetzt aus Prinzip was anderes.«

Wenn Ihr also einen Tee trinkt, dann denkt daran, dass ihr das nur so nennt, weil irgendein chinesischer Küstenbewohner einem niederländischen Händler mal gesagt hat, dass das so ist.

Die Geschichte der Pyramiden

Im sonnigen Ägypten hatte man ein Problem: Die Bestattungen der Könige liefen zwar gut, aber dadurch, dass sie darauf bestanden Gold, Schmuck und andere tolle Sachen mit ins Grab zu nehmen, wurden ihre letzten Ruhestätten von Grabräubern ausgeräumt. Also versammelten sich die Bauherren und Architekten, um darüber zu diskutieren, wie man das verhindern könnte.
Aber alles was von ihnen kam, war so etwas wie: „Ja, och, hm.“
Bis einer von ihnen die rettende Idee hatte. „Passt ma uff. Wie isset denn, wenn wa die nich im Sand verscharren, sondern denen irgendwie wat aus Stein bauen. Wie so ne kleene Hütte? Dit macht man dicht, fertig is der Lack.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man kleine Häuser aus Stein, sogenannte Mastabas, in denen man die Könige begraben konnte. Die Grabräuber beeindruckte das aber eher wenig, weswegen die Bauherren wieder zusammentrafen.
Und alle so: „Alter…“

Dann hatte einer eine noch viel bessere Idee.
„Passt ma uff. Wat is‘n, wenn wa da nich nur so eine Mastaba bauen, sondern auf der Mastaba gleich noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Na, also ne Mastaba, und darauf gleich noch eine. Und dann … wartet, dit is der Knaller … nee, echt jetzt … echt, ihr werdet‘s nich glauben … bauen wir darauf noch eine … und dann … haltet euch fest … noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Nee, wirklich, dit wird die Grabräuber so verwirren, die werden gar nich wissen, wie ihnen jeschieht!“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also bauten sie eine Mastaba. Und darauf noch eine, und darauf noch eine und so weiter, bis sie etwas hatten, was sie Stufenpyramide nannten. Und dann fanden das alle ganz tuffig und super und zeigten sich gegenseitig den Daumen nach oben und so.
Dann kamen die Grabräuber und sagten: „Leute, Herausforderung angenommen.“
Und alle so: „Alter…“

Jetzt hatte man schon langsam die Nase voll, aber irgendwer hatte noch eine tolle Idee.
„Leute, passt uff. Wat is‘n, wenn wa den Pyramiden noch ne Fassade geben. Also so richtig glatte Seiten und so. Sieht dann auch aus wie ne Pyramide. Ick mein ja nur, wegen dem Namen und so.“
„Des Namens!“, sagte einer und alle buhten ihn aus und er hielt daraufhin den Rand.
„Ick sach ma so, wenn wa dit ordentlich verkleiden und allet so richtig voll mit Steine packen, dann kommen die Grabräuber da nich durch und Ruhe is.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man eine Pyramide, die ordentlich verkleidet war und nach dem Zusammensetzen von Außen nicht mehr penetrierbar war. Ganz oben setzte man sogar eine goldene Spitze rauf, weil man sich dachte: „Da versuchen die an der glatten Wand hochzuklettern, rutschen dann ab und landen auf dem Hintern. Dit wird super lustich.“
Dazu muss man erklären, dass die Unterhaltungsbranche im frühen Ägypten noch in den Kinderschuhen steckte.
Jedenfalls sahen die Grabräuber die fertige Pyramide und alle von ihnen so: „Alter…“

Nachdem man nun die Pyramiden erfunden hatte und die Könige auch ganz angetan davon waren, wollten sie allerdings immer Größere haben. Ihrer Logik nach, war halt jeder wichtiger als sein Vorgänger, weswegen er auch das größere Grabmal haben sollte. Einer wollte sogar gleich drei Pyramiden haben. Auf die Frage, warum er das wollte, immerhin hatte er ja nur einen Körper, sagte er: „Ey, ick bin der König. Mach wat.“
Und alle Bauherren so: „Alter…“

Sie setzen sich wieder zusammen, um zu besprechen, wie man das mit den großen Pyramiden lösen könnte. Es gab lange Diskussionen, die viel auf das Wort „Menno“ endeten, bis dann irgendwann einer die Hand auf die Stirn patschte und laut ausrief: „Leute, fallt nich vom Schemel, ick hab die Idee. Wie wäre es, wenn wa dit mal mit Sklaverei probieren? Wenn man sich nicht um Menschenleben und so weiter schert, macht dit die Sache doch viel einfacher.“
Und sie nickten sich alle zu und lachten und einige von ihnen dachten: „Ja, Mensch, da hätte man ja auch schon früher drauf kommen können.“
Und die Sklaven so: „Alter…“

Man baute also fleißig Pyramiden, die immer größer und größer wurden. Aber ein paar der alten Pyramiden fingen langsam an zu verfallen. Die Fassade bröckelte, die Steine lagen frei und verwitterten, weswegen es hier und da Spalten und Risse gab.
Und die Grabräuber machten nachdenklich: „Hmmmmmmm….“
Und die Bauherren so: „Alter…“

Es stellte sich heraus, dass die Pyramiden den Grabräubern auch keinen Einhalt geboten. Man hatte sogar versucht, falsche Grabkammern anzulegen, um die Grabräuber zu verwirren, aber auch das hatte nichts gebracht. Also setzten sich die Bauherren wieder zusammen, um darüber nachzudenken, wie man dem nun begegnen könnte.
Einer meldete sich zu Wort: „Also, ick will ja nüscht sagen, aber dit is irjendwie Mist.“
Und alle nickten und sagten: „Jau, so is dat wohl.“
„Also wenn ick mal so janz grob überlege, würde ick sagen, dass et vielleicht nich die beste Idee ist, wenn man den Grabräubern quasi groß ankündigt, wo dit Grab vom König is.“
Die anderen so: „Ja, hm, könnte sein.“
„Vielleicht sollten wa die toten Könige einfach in irgendein Loch inner Wüste verstecken, allet dichtmachen und die Fresse darüber halten. Pro: Nich mehr jahrelang Steine durch die Weltgeschichte karren. Contra: Jibbet nich.“
Und alle so: „Also da hatter schon nen Punkt.“
Und die Grabräuber so: „Alter…“

Und so kam es, dass man keine Pyramiden mehr baute, sondern die Könige im sogenannten Tal der Könige zur Ruhe bettete. Die genaue Lage der Gräber wurde geheim gehalten. Allerdings war es nicht so, als hätten die Grabräuber das nicht doch irgendwann mitbekommen.
Und alle so: „Alter … aber jetzt isset auch Wurscht.“

Karfreitag

Weil heute Karfreitag ist, der Tag an dem Jesus am Kreuz starb, dachte ich, dass ich mal aus dem zeitlosen Bestseller Bibel zitiere. Das Johannes-Evangelium schreibt:

Und er trug sein Kreuz selbst und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, welche auf hebräisch Golgatha heißt.
»Der Name ist ja inspierend. War Berg des Todes schon belegt, oder was?«, sagte Jesus und stieß zwinkernd einen Ellenbogen in des nächsten Römers Seite.
Ebendieser drehte sich zu ihm um und sprach: »Schnauze!«
Und Jesus sagte: »Na, du gehst auch zum Lachen in den Keller, wat?«
Aber sie fanden den Weg auf den Berg und dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
»In Gesellschaft ist alles halb so wild, was Jungs?«, sagte Jesus und zwinkerte den anderen beiden Gekreuzigten zu, die lediglich »Aua« antworteten.
Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden. Diese Überschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben.
Und Jesus sagte: »Alle Achtung, so viele Sprachen kann ja heutzutage nicht jeder.«
Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: »Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern daß jener gesagt habe: Ich bin König der Juden.«
Pilatus antwortete: »Sieht dit so aus, als hätte ich noch ein Zweitbrett unterm Kittel, oder was? Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben! Basta.«
Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil; dazu den Leibrock. Der Leibrock aber war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stück gewoben.
»Also wenn ihr mir den überwerfen könntet, wäre das echt nett, denn lasst es mich mal so sagen: Es ist schon schweinekalt hier oben.«
Da sprachen sie zueinander: »Laßt uns den nicht zertrennen, sondern darum losen, wem er gehören soll; auf dass die Schrift erfüllt würde, die da spricht: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen.«
»Wat?«, sagte Jesus, »Wo steht das geschrieben? Und warum würde man das zertrennen wollen, das ist allerfeinstes Handwerk. Leute? Leute?!«
Solches taten die Kriegsknechte.
Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas Frau, und Maria Magdalena.
»Die heißen alle Maria«, tuschelte Jesus zum Römer hinunter. »Wirklich originell sind die mit der Namensgebung hier in der Gegend nicht, was?«
Und der Römer sprach: »Schnauze!«
Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: »Hi Mom! Hier bin ich!« Darauf spricht er zu dem Jünger: »Das da ist meine Mutter. Die macht ein prima Gulasch. Vielleicht solltest du sie mitnehmen.«
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Nach diesem, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, damit die Schrift erfüllt würde, spricht er: »Boah, ein Bier wäre jetzt nicht schlecht.«
Es stand da ein Gefäß voll Essig; sie aber füllten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund.
Und Jesus sagte: »Igitt.«
Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: »Wenn ich schon nichts Richtiges zu trinken bekomme, kann ich auch gleich sterben.« Zu dem Jünger aber sagte er: »Schreib mal lieber auf, dass ich ›Es ist vollbracht!‹ gesagt habe.« Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
»Ganz wichtig«, ergänzte Jesus, »den Geist. Nicht mich.«
Die Juden nun, damit die Leichname nicht während des Sabbats am Kreuze blieben (es war nämlich Rüsttag, und jener Sabbattag war groß), baten Pilatus, dass ihnen die Beine zerschlagen und sie herabgenommen würden.
Da sagte die anderen Männer am Kreuz, die noch lebten: »Ey, Moment mal!«
Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine, ebenso dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
»Aaaaaaaaaah, gottverdammte …«, sagten der erste und der zweite.
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Kriegsknechte sagte: »Wartet mal, der ging mir schon die ganze Zeit auf den Geist.«
Er durchbohrte seine Seite mit einem Speer, und alsbald floß Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, dass es der merkwürdigste Scheiß war und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, auf dass auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: »Es soll ihm kein Bein zerbrochen werden!«
Und abermals spricht eine andere Schrift: »Sie werden den ansehen, welchen sie durchstochen haben.«
Und die drei Marias sagten: »Von wat für einer Schrift sprechen die eigentlich andauernd?«
Danach bat Joseph von Arimathia (der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden), den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe.
Und Pilatus sagte: »Wat auch immer.«
Da kam er und nahm den Leib Jesu herab.
Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.
Da sagten die Marias: »Junge, du schleppst aber sonderbares Zeug mit dir herum. Noch dazu in solchen Mengen.«
Also nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn samt den Spezereien in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben pflegen. Es war aber an dem Ort, wo Jesus gekreuzigt worden war, ein Garten und in dem Garten eine neue Gruft, in welche noch niemand gelegt worden war.
»Na, das ist aber ein glücklicher Zufall, dass so eine unbenutzte Gruft, die jemand in tagelanger Arbeit aus dem Stein gehauen hat, ausgerechnet hier auftaucht und auch offensichtlich nicht weiter gebraucht wird«, sagte Joseph von Arimathia.
Dahin nun legten sie Jesus, wegen des Rüsttages der Juden, weil die Gruft nahe war.
»Ja«, sagten die Marias, »das ist echt ein Wunder.«

Gründonnerstag

Heute ist Gründonnerstag. Das ist der Tag, an dem das letzte Abendmahl stattgefunden haben soll. Also nicht generell, sondern das von Jesus.
Damals gab es etwas Probleme mit der Tischbestellung, weil die vorher Bescheid gegeben haben, dass sie einen Tisch für 24 brauchen.
»Wat denn? Ihr seid doch nur 12. Oder dreizehn, wenn man den Typen mit dem Leuchtkranz um den Kopp dazuzählt.«
»Ja, aber wir müssen ja alle auf der einen Seite des Tisches sitzen, damit nicht manche von uns mit dem Rücken zu den Malern sitzen.«
»Welche Maler?«
»Die uns in ein paar Jahrhunderten malen werden.«
»Alter, sauft ihr oder sowas?«
»Nur Messwein.«
»Vielleicht solltet ihr auf Wasser umsteigen.«
»Ja, es fällt nur schwer abstinent zu sein.«
»Wieso?«
»Unser Chef kennt da diesen Trick mit dem Wasser…«

Bei diesem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting von 2018.

Valentinstag

Heute ist Valentinstag. Wie Hollywood und eine Reihe von Schriftstellern seit dem 14. Jahrhundert es uns gelehrt hat, ist das ein Tag der Liebe. Und wie die Blumen- und Schokoladenindustrie es uns gelehrt hat, ist es ein Tag, an dem man möglichst Blumen und Schokolade verschenken sollte.
Wenn man es nicht mit romantischer Liebe in Verbindung bringt, dann hat man vielleicht noch im Kopf, dass an dem Tag ein Massaker in Chicago stattgefunden hat, für das sich Al Capone verantwortlich zeichnete.
Aber woher kommt der Tag wirklich? Wer war Valentin?

Valentin war ein oder mehrere Heilige, die sich im dritten Jahrhundert in Rom herumgetrieben haben. Warum war das nicht nur einer, sondern mehrere? Weiß keiner so genau, weil sich so viel widerspricht. Man ist sich aber ziemlich einig darüber, dass Valentin als Märtyrer (nicht als Mehrtürer) starb, nachdem er den römischen Kaiser genervt hatte.
Wie hat er ihn genervt?
Er hat Trauungen durchgeführt. Das Problem daran war, dass es angeblich ein Gesetz gab, welches verheiratete Männer davon abhielt, in der römischen Armee zu dienen. Im Grunde hat er also Leute davor bewahrt in den Krieg zu ziehen. Abgesehen davon, war er natürlich ein Christ und hat christliche Trauungen durchgeführt. Und im dritten Jahrhundert reagierte das Römische Reich darauf in der Regel mit einer großen Show im Kolosseum, wo man als Christ zwar im Mittelpunkt stand, aber eben auch von wilden Tieren zerfleischt wurde. Was man nicht alles für fünf Minuten Ruhm tut, nicht wahr?
Allerdings wurde Valentin nicht von wilden Tieren gefressen. Nachdem er festgenommen wurde, heilte er im Gefängnis noch schnell die Tochter des Gefängniswärters von Blindheit. Sonst ist in einem Gefängnis auch nicht viel zu tun, gell?
Und der Kaiser Claudius fand Valentin offenbar auch ganz okay, weswegen er ihm sagte: »Alter, wie isset, willste nich römischer Priester werden. Pro: Du bleibst am Leben. Contra: Christentum kannste vergessen.«
Und Valentin darauf: »Och, hm, nö.«
Und Claudius: »Echt jetzt?«
Und Valentin so: »Red ich Spanisch oder was?«
Das fand der Kaiser irgendwie doof und sagte deswegen seinen Männern, dass sie ihn mit Keulen und Steinen totschlagen sollten. Hat aber nicht geklappt.
Valentin: »Lebe noch. LOL.«
Also hat man ihm den Kopf abgeschlagen.

Der Brauch, irgendwelche Karten zu überreichen, kommt übrigens daher, dass Valentin der Gefängniswärtertochter zum Abschied eine Notiz hinterließ, auf der »Dein Valentin« stand. Nur so nebenbei.

Seine Gebeine liegen mittlerweile angeblich in ca. einem Dutzend verschiedener Kirchen rund um die Welt. Im späten 18. Jahrhundert gab der Papst die angeblichen Gebeine einer Kirche in Madrid mit dem Auftrag: »Hier, hebt ihr das auf.« Dort kann man sie auch heute noch begutachten.

Der heilige Valentin ist der Schutzpatron der Jugendlichen, Reisenden und aus irgendeinem Grund der Imker. Er soll zur Bewahrung der jungfräulichen Unschuld und zu einer guten Verlobung und Heirat verhelfen, was irgendwie ironisch ist, wenn man bedenkt, was viele Leute, gerade in Amerika, an diesem Tag tun. Er wird bei Wahnsinn, Epilepsie und Pest angerufen. Weil das vermutlich mit dem ganzen Konzept der Liebe am besten zu vereinbaren ist.

Also wer seiner oder seinem Liebsten heute ein Valentinstag-Geschenk macht, möge daran denken, dass das irgendwie des Wahnsinns ist.

In diesem Sinne: Einen schönen Valentinstag!

 

Bei diesem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting von 2018.

Geschichten zum Tag: 30.04. – Eva und Adolf

Eva H., vormalige Braun sagt: »Ach, ist das schön endlich verheiratet zu sein.«
Ihr Mann, Adolf H., hockt grimmig auf dem Stuhl und gibt nur ein Krächzen von sich.
»Sag mal, Wolfilein«, spricht die Frau, »wo fahren wir eigentlich in den Flitterwochen hin.«
Der Mann, dem die schwarzen Haarsträhnen ins Gesicht hängen, schaut auf: »Äfa, äch weiß nicht, ob wir öberhaupt irgendwo hinfahren können.«
»Was, willst du etwa die ganze Zeit nur hier im Bunker herumlungern?«
»Äch dänke schon.«
»Na toll. Das habe ich mir ja etwas anders vorgestellt.«
»Äfa«, sagt der zusammengesunkene Mann, »dä Russn stähn vor der Tör.«
»Na, und wer hat die eingeladen? Ich nicht.« Sie schmollt.
»Äfalein, äch glaube der Krieg ist verloren.«
»So ein paar Tage Ostsee wären völlig in Ordnung. Nur, dass man einfach mal rauskommt.«
»Äfa«, sagt der Mann im Mantel, »ons bleibt nur der Freitod.«
»Freiburg? Ja, da soll auch schön sein.«
»Nächt Freiburg«, stöhnt Adolf H., »Freitod.«
»Noch nie von gehört. Wo liegt denn das? Hoffentlich irgendwo am Meer. Ich würde ja gerne mal wieder baden gehen.«
»Äfa, wir können nächt weg. Dä Russn …«
»Immer hast du irgendeine Ausrede. ›Lass mich mal schnell Kanzler werden‹, hieß es. Und dann ›Lass much nur schnell eine Autobahn bauen‹. Und dann fingst du an mit diesem ›Polen erobern‹. Und Frankreich. Hättest mich ruhig mit nach Paris nehmen können.« Sie steckte sich eine Zigarette an.
Adolf H. wischte den Rauch mit der Hand davon. »Äfa, do weißt, äch mag das nicht. Das äst gesundheitsschädlich.«
»Na, man hat ja sonst keine Freude hier.«
Der Mann zieht die Mundwinkel nach unten und sagt nichts. Er fummelt an seinem Gurt herum, wo er eine Pistole aus dem Halfter holt.
»Was soll das denn jetzt?«, fragte Eva.
»Äch öberlege, ob äch mäch erschieße.«
»Was, nur weil du nicht in die Flitterwochen willst?«
Eva pustet den Rauch direkt in seine Richtung. Er muss Husten.
»Und wer«, sagt sie, »soll die Sauerei hinterher wieder saubermachen?«
»Dä Russn?«, fragt Adolf H.
»Nein, ich. Ich, mein lieber. Nun lass uns doch lieber besprechen, wo wir unsere Hochzeitsreise verbringen. Wir könnten doch auch nach Italien fahren. Hast du da nicht diesen Bekannten?«
»Mossolini? Dieser feige …«
»Reg dich nicht auf. War ja nur eine Idee. Mir war auch so, als hätte neulich irgendwer etwas von Argentinien erzählt. Aber ich glaube, dass ist mir zu weit. Da muss man ja so lange fliegen.«
»Äfa … dä Russn!«
»Na, die gibt’s ja in Argentinien nicht, oder? Wie wäre es denn mit London?«
»Äfa, da sind die Engländer. Und däser Churchill!« Er hob die geballte Faust.
»Du findest auch immer was, oder? Mach du doch auch mal einen Vorschlag.«
»Äfa, wir können nicht weg. Dä Russn …« Er schlug mit der Hand auf den Tisch.
»Ja ja, du und deine Russen. Also wenn es sein muss, dann fahre ich auch nach Sankt Petersburg. Hauptsache wir kommen überhaupt mal raus.«
Adolf H. seufzt und holt aus seiner Tasche eine kleine Tablette hervor, die er ihr hinhält.
»Was ist das? Ein Bonbon?«
Er räuspert sich. »Sächer.«
»Und wie schmeckt das? Wenn das bitter ist, will ich das nicht.«
»Das äst …«, er zögert kurz, »… ein Kaubonbon. Du musst kräftig raufbeißen.«
»Hast du vielleicht irgendwas, was nach Himbeere schmeckt. Die mag ich.«
»NÄMM JETZT DIE TABLETTE!«
Eva zieht an der Zigarette. »Also wenn du jetzt laut wirst, will ich das gar nicht. Da ist man kaum einen Tag verheiratet und schon wirst du laut. Das kannst du vielleicht vor deinen Parteifreunden machen, aber ich bin deine Frau.«
»Äfa, dä Russn!«
»Ach, du und deine Russen.«
»Äfa, nämm das und sei ruhig.« Er hält ihr die Tablette erneut hin.
»Na, das ist ja auch keine Art.«
Adolf H. seufzt. Er legt die Tablette auf den Tisch und setzt sich die Waffe an den Kopf.
»Mein Gott, dass du immer so dramatisch sein musst.«
Er drückt ab. Es knallt und er fällt tot vornüber.
»Aaaaaaaah, Wolfi! Die Bettlaken!« Der Anblick des Blutes lässt sie erschrecken. »Das geht doch nie wieder raus. Ich brauche erstmal was zur Beruhigung. Wo ist denn dieses Bonbon?«

So oder ähnlich war das. Schätze ich.

 

Wer die Geschichte gerne von mir vorgelesen bekommen möchte, kann sich einfach mein Video dazu ansehen: