Sebastian Niedlich

Pfingsten

Heute ist Pfingsten. Den meisten Leuten ist klar, dass das irgendwas mit der Kirche zu tun hat und dass man am Pfingstmontag frei hat, obwohl wir eigentlich in einem Staat leben, der nichts mit der Kirche am Hut haben sollte. Aber man will sich ja nicht über einen freien Tag beschweren, gell? Wenn man aber irgendwen fragt, was Pfingsten ist, dann kriegt man eben meistens nur gesagt: »Ja, da ist frei« oder »Wat weiß ich«.

Also: Was ist Pfingsten?

Das Ereignis, an dem der heilige Geist über die Jünger gekommen ist. Nein, nicht auf diese Art und Weise, aber es war trotzdem ziemlich abgedreht. Was sagt denn die Bibel dazu? In der Apostelgeschichte, Kapitel 2 steht folgendes:

Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war – Man kannte also bereits den Namen, obwohl es erst dann stattfand … ein Wunder! – , waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen.
Und einer der Jünger sagte: »Lukas, hast du schon wieder Bohnen gegessen?«
Aber Lukas sagte: »Nein.«
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.
Und Lukas sagte: »Alter, ich glaube, in den Pilzen war irgendwas drin.«
Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden bestürzt; denn es hörte ein jeglicher, dass sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadokien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und an den Enden von Libyen bei Kyrene und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden.«
Und die Frauen sahen sich an und sagten: »Das ist echt abgedrehter Scheiß. Außerdem hat da wer in Geographie aufgepasst und will jetzt angeben?«
Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre – weil man damals nicht erst mal besonnen nachdachte – und sprachen einer zu dem andern: »Was will das werden?«
Die andern aber hatten’s ihren Spott und sprachen: »Sie sind voll süßen Weins.«
Da trat Petrus auf mit den Elfen, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: »Legolas, was sehen deine Elfenaugen?«
Und Legolas sagte: »Ey, warte mal, was zum Teufel machen Elfen in der Bibel?«
Und Petrus sagte: »Alter, ich glaube, ich bin einfach immer noch auf dem Trip.« Dann sagte er: »Ihr Juden, liebe Männer – Frauen lasse ich jetzt mal bewusst weg – , und alle, die ihr zu Jerusalem wohnet, das sei euch kundgetan, und lasset meine Worte zu euren Ohren eingehen. Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel – Oder war es Kevin? – zuvor gesagt ist:«
Und die Leute sagten: »So wie der redet hat er aber doch ganz schön einen im Tee.«
Aber Petrus sprach weiter: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen«, spricht Gott, »ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselben Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen unten auf Erden: Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll sich verkehren in Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn der große und offenbare Tag des HERRN kommt. Und soll geschehen, wer den Namen des HERRN anrufen wird, der soll selig werden.«
Und alle so: »Wat?«
Doch Petrus fuhr fort: »Ihr Männer von Israel, höret diese Worte: Jesum von Nazareth, den Mann, von Gott unter euch mit Taten und Wundern und Zeichen erwiesen, welche Gott durch ihn tat unter euch (wie denn auch ihr selbst wisset), denselben (nachdem er aus bedachtem Rat und Vorsehung Gottes übergeben war) habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten und ihn angeheftet und erwürgt.«
»Ey«, sagte einer der Zuschauer, »ich dachte, die hatten den gekreuzigt? Und hieß der Typ nicht Jesus? Meine Fresse, der nuschelt aber auch.«
Aber das Volk machte: »Psssssssssst!«
Petrus fuhr fort: »Den hat Gott auferweckt, und aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er sollte von ihm gehalten werden. Denn David spricht von ihm: »Ich habe den HERRN allezeit vorgesetzt vor mein Angesicht; denn er ist an meiner Rechten, auf daß ich nicht bewegt werde. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge freuet sich; denn auch mein Fleisch wird ruhen in der Hoffnung. Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen, auch nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freuden vor deinem Angesicht.«
Und die Zuschauer sagten: »Und der behauptet, er hätte nicht gesoffen. Schon klar.«
Petrus sprach weiter: »Ihr Männer, liebe Brüder, lasset mich frei reden zu euch von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, dass ihm Gott verheißen hatte mit einem Eide, dass die Frucht seiner Lenden sollte auf seinem Stuhl sitzen, hat er’s zuvor gesehen und geredet von der Auferstehung Christi, dass seine Seele nicht dem Tode gelassen ist und sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat. Diesen Jesus hat Gott auferweckt; des sind wir alle Zeugen. Nun er durch die Rechte Gottes erhöht ist und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren. Er spricht aber: »Der HERR hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis dass ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße.« So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem HERRN und Christus gemacht hat.«
»Also doch gekreuzigt«, sagte einer der Zuschauer.
»Pssst!«, machte die Menge.

Und mit dieser ersten Predigt von Petrus könnte man sagen, dass die Kirche gegründet war. Pfingsten ist also so etwas wie die Geburtsstunde der christlichen Kirche.
Bin mir nicht ganz sicher, ob ein »Happy Birthday!« angebracht ist, in Anbetracht der Tatsache, was im Namen der Kirche so angestellt wurde…

Fronleichnam

Einige Leute haben heute frei, weil in deren Bundesländern Fronleichnam gefeiert wird. Die Anderen sehen vielleicht mal den Namen im Kalender stehen und denken sich: »Wat zum Teufel soll dat denn sein?« Damit geht es ihnen wie mir.

Fronleichnam hat nichts mit Fröhlichkeit zu tun. Die englische Übersetzung »Happy Cadaver Day« ist also unpassend. Es hat auch nichts mit Arbeit zu tun. Die Leichen machen heute keinen auf Frondienst leistenden Zombie. Das Wort kommt stattdessen aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie »der Leib des Herrn«.

Gefeiert wird nämlich die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.
Ich kann praktisch spüren, wie die Gesichter länger wurden und etliche dachten: »Wat?«

Das geht alles darauf zurück, dass Jesus beim letzten Abendmahl sagte: »Leute, der Wein ist kein Wein. Dit is mein Blut.«
Und die Jünger sagten: »Wuäh.«
»Und dit hier is kein Brot, dit is mein Leib.«
»Wat?«
»Und dit hier ist keine Mayonnaise, dit is …«
»Wir wollen es gar nicht wissen.«
»Na dann, guten Appetit!«
Und die Jünger sahen sich an und fragten sich, ob draußen die Currywurstbude noch auf hatte.

Aus diesem Grund gibt es ja heute immer noch in der Kirche was zu saufen und dann diese unleckeren Hostien, bei denen man sich wünschte, es gäbe etwas Aioli dazu. Das gibt es zwar bei jedem Gottesdienst, aber an Fronleichnam wird daran noch einmal besonders gedacht.

Nun ist es ja so, dass das letzte Abendmahl eigentlich am Donnerstag vor dem Karfreitag stattgefunden hat. Quasi am Gründonnerstag. Die Kirche dachte sich aber, dass es irgendwie uncool ist, wenn man in der eher traurigen Woche, in der man dem toten Jesus gedenkt, eine Feier mit Keksen und Suff macht. Insofern gab es die Überlegung: »Leute, wir können uns nicht mit Hostien und Wein den Bauch vollschlagen, wenn der Jupp am nächsten Tag verreckt ist. Wie wäre es denn, wenn wir das Ganze auf den Donnerstag nach dem Oktav von Pfingsten verlegen?«
»Den wat?«
»Na, nach dem achten Tag von Pfingsten.«
»Was hat denn das eine mit dem anderen …«
»Ist doch Wurscht.«
»Ja, jut. Dann … warum nicht?«

Also beim Kekse knabbern heute dran denken: Das ist der Leib des Herrn und man ist gerade unter die Kannibalen gegangen.

Also: Wohl bekommt’s!

Die Mongolische Navy

Auf meiner Seite habe ich einen anderen Text eingestellt, in dem ich über Schiffsunglücke spreche. Darunter ist unter anderem die Geschichte der mongolischen Seestreitkräfte, die versuchten Japan einzunehmen.

Kleine Rekapitulation: Im frühen 13. Jahrhundert stiegen die Mongolen unter Dschingis Khan zur Großmacht auf. Ihr Schlachtgeschrei »Auf Brüder, sauft Brüder, rauft Brüder, immer wieder« erreichte sogar mal Platz 1 in den deutschen Charts. Wie auch immer … nachdem die Mongolen an Land ziemlich erfolgreich waren, sagte sich der Enkel von Dschingis namens Kublai: »Da draußen sind Inseln, die will ich auch haben.«
Fanden die Japaner nicht so toll, hätten jetzt aber auch nicht so viel dagegen machen können. Glücklicherweise kamen ihnen die Naturgewalten entgegen. Ein Taifun machte fast die ganze Kriegsflotte der Mongolen zunichte, so dass die eine Weile wegblieben.
Nach ein paar Jahren versuchten sie es noch einmal. Mit noch mehr Booten. Und wieder machte ein Sturm alles zunichte. Die Japaner dachten, dass sie vom göttlichen Wind geschützt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass die Chinesen, welche die Mongolen unterworfen hatten, ihnen einfach beschissene Boote bauten, die nicht tauglich für die hohe See waren. Und die Chinesen hätten es mit Sicherheit besser gewusst.

Der springende Punkt: Die Mongolei hatte zu einem Zeitpunkt der Geschichte eine der, wenn nicht die größte Seestreitmacht.

Heutzutage sieht das etwas anders aus. Nachdem die Mongolen dazu übergegangen waren, sich lieber wieder gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, statt den Menschen in anderen Ländern, schrumpfte das Gebiet deutlich zusammen. Die Russen und die Chinesen machten dann auch noch ihr Ding. Schaut man sich die heutigen Grenzen der Mongolei an, stellt man fest, dass das Land komplett von Land umgeben ist. Es gibt zwar ein paar Seen im Landesinneren, aber Zugang zum Meer hat die Mongolei nicht. Insofern hält sich der Bedarf an einer mongolischen Marine in Grenzen. Dennoch sahen sich die Russen, welche die Mongolei mal unter Kontrolle hatten, aus irgendeinen Grund dazu veranlasst zu sagen: »Ey, wisst ihr was ihr braucht? Einen Schlepper. Im See. Aus … Gründen.«
Also verpackten sie so ein altes Ding, zogen es quer durch die Steppe zum See mit dem schönen, leicht über die Zunge gehenden Namen »Chöwsgöl Nuur« und, bauten es dort wieder auf. Nur stößt der See heute nicht mal an eine Landesgrenze. Es ist ein Binnensee. Sicher, auf der Liste der größten Seen steht er auf Platz 48, macht ihn aber auch nicht interessanter.

Das Boot? Die »Sukhbaatar III« hat eine Besatzung von sieben Mann und ist das einzige Boot der mongolischen Marine. Und weil das Geld auch recht knapp in dem Staat ist, der hauptsächlich von Agrarwirtschaft lebt, wurde die Marine irgendwann privatisiert. Nun fährt das Schiff gelegentlich mal Touristen über den See. Wenn denn da mal welche hinkommen. Damit ist die mongolische Marine also die kleinste Marine der Welt.

Von einer der größten Seestreitmächte zur kleinsten Marine der Welt: Die Mongolei.

Eine kurze Geschichte der Schiffsunglücke

Bei einigen der letzten geschichtlichen Zusammenstellungen, waren Erwähnungen von Schiffsunglücken dabei. Das brache mich dazu, darüber nachzudenken, welche Schiffsunglücke schlimm waren, von denen man aber bisher nicht so richtig was gehört oder gelesen hat. Sicher, jeder kennt die Titanic. Auch die Costa Concordia sollte noch einigen im Gedächtnis sein. Ist ja nicht so lange her, dass das passiert ist. Die untergehenden Schiffe der Flüchtlinge sollten Leuten, die ab und an mal Nachrichten schauen oder lesen auch nicht entgangen sein. Aber was waren die größten, schlimmsten oder dämlichsten Schiffsunglücke?

Fangen wir doch mal bei der bekanntesten Schiffskatastrophe an. Die Titanic! Satte 1502 Menschen sterben zu den Klängen von Céline Dion. Ohne Frage ein schlimmes Unglück – also der Verlust an Menschenleben und die Musik – , aber bei weitem nicht das schlimmste Unglück in Friedenszeiten.

Am 10. September 2011 sank die tansanische Fähre Spice Islander I. Wie das in vielen Dritte-Welt-Ländern ist: Man nimmt es mit der Beladung nicht so genau. Zugelassen für ca. 700 Personen, befanden sich laut offizieller Seite etwa 800 Leute an Bord. Zunächst war die Rede davon, dass 203 Leute gestorben seien, bis eine tansanische Zeitung meinte: »Ey, wartet mal, da stimmt doch was nicht.« Dann schaute man etwas genauer hin. Wie sich herausstellte, hatte die Fähre nicht nur Fahrzeuge und Baumaterialien geladen, es waren auch fast 3600 Menschen an Bord, also mehr als das fünffache von dem, wofür die Fähre zugelassen war. Es war also relativ wenig überraschend, dass die Fähre meinte: »Ächz, ich kipp jetzt mal zur Seite.« Es wurden nur 619 Menschen gerettet.

Ein noch größeres Unglück in Friedenszeiten ereignete sich in auf den Philippinen. Oder eher im Wasser zwischen den Philippinen. Wie schon in Tansania, war die Fähre Doña Paz arg überladen. 1518 Passagiere hätten es sein dürfen, 4317 Passagiere waren es. Plus Besatzung. Damit man auch wirklich sicher gehen konnte, dass niemand im Falle einen Unglücks gerettet werden konnte, hatte man die Kästen mit den Schwimmwesten verschlossen. Die Doña Paz kollidierte mit dem Tanker Vector, dessen Ladung von Erdöl auslief und Feuer fing. Weil alles in Flammen stand, konnte man die Rettungsboote nicht zu Wasser lassen und die Leute mussten unter den Flammen durchschwimmen. Vorsorglich hatte die Doña Paz auch kein Funkgerät, konnte also nicht nach Hilfe funken. Und die Leute von der Vector waren nicht richtig ausgebildet und wussten gar nicht, was man macht. Erst nach 16 Stunden lief die Rettungsaktion an. Im Endeffekt überlebten nur 26 Leute das Unglück. Es ist mit 4386 Opfern das größte Schiffsunglück in Friedenszeiten.

Aber nun haben wir noch gar nicht über Kriegszeiten gesprochen! Jetzt geht es erst richtig los!

Das Jahr 1945 war für deutsche Schiffe nicht wirklich super. Oder für Flüchtlinge und KZ-Häftlinge, die auf Schiffe verladen wurden. Es gab nicht eins, nicht zwei, nicht drei – nein – es gab gleich VIER richtig schwere Schiffsunglücke, in der hauptsächlich zivile Leben zu beklagen waren.
Am 30. Januar 1945 wurde die Wilhelm Gustloff von einem russischen U-Boot versenkt. Darauf befanden sich hauptsächlich Flüchtlinge aus Ostpreußen, aber eben auch Militärangehörige. Man könnte sagen, dass das Schiff in dem Fall wirklich als militärischen Ziel gesehen werden musste. Trotzdem: Es sterben rund 9000 Menschen. Aus diesem Grund wird dieses Unglück oftmals als das schwerste Schiffsunglück der Weltgeschichte bezeichnet, obwohl das nur für die Moderne gilt. (Dazu später mehr. Oh mein Gott, diese Spannung!)
Am 10. Februar 1945 denkt sich dasselbe sowjetische U-Boot: »Ey, das haben wir echt super gemacht, jetzt versenken wir gleich noch das nächste Passagierschiff!« Und – Zack! – die Steuben, beladen mit Flüchtlingen, Verwundeten und Soldaten geht der Ostsee mal so richtig auf den Grund. Rund 4000 Tote sind nach dem Angriff zu beklagen.
Am 16. April 1945 versenkt ein anderes sowjetisches U-Boot den deutschen Frachter Goya. Fracht: Flüchtlinge aus Ostpreußen. Tote: rund 7000.
Am 3. Mai 1945 versenken britische Bomber den Luxusdampfer Cap Arcona und das Frachtschiff Thielbek. Beide Schiffe sollten benutzt werden, um KZ-Häftlinge zu verlegen. Insgesamt ungefähr 7300 Tote.

Hm, das war jetzt irgendwie wenig witzig… dann wenden wir uns doch den Unglücken zu, die zwar auch im Krieg waren, aber hauptsächlich militärische Verluste zu beklagen hatten.

1274 sagten sich die Mongolen: »Hm, da draußen gibt es noch Inseln, die uns nicht gehören. Sollten sie aber.«
Die Japaner hingegen fanden die Idee nicht so toll. »Wie wär’s, wenn wir unsere Heimat behalten?«
»Nö«, sagten die Mongolen und setzen mit Schiffen über.
»LEUTE«, sagten die Naturgewalten, »DIE WOLLEN VON EUCH NICHT EINGENOMMEN WERDEN!«
Ein Taifun zerstörte darauf ungefähr ein Drittel der mongolischen Streitmacht. Rund 10.000 Leute starben durch die zerstörten Schiffe.

1281 sagten sich die Mongolen erneut: »Hm, da sind immer noch diese Inseln. Beim letzten Mal lief das ja nicht so toll, aber wenn wir jetzt vielleicht…«
Und Japan: »Manno.«
Und die Naturgewalten: »WAT HAM WA BEIM LETZTEN MAL JESACHT?«
Erneut zerstörte ein Taifun den Großteil der Invasionsarmee. Diesmal sterben rund 70.000 (!!!) Menschen. Und die Mongolen schienen dazuzulernen.
»Leute, neue taktische Überlegung bezüglich Japan: Scheiß drauf.«
Daraufhin die Japaner: »Wir sind die Größten, Schönsten, Besten. Und werden von den Göttern beschützt.«
Und die Mongolen, drüben in China, so: »Pfft, ja genau.«
Daraufhin schauten die Japaner genervt. »Na, wartet mal noch 650 Jahre ab, dann sprechen wir uns wieder.«

Aber das größte Schiffsunglück in der Geschichte geschah in römischer Zeit.

Die Römer hatten die ganze italienische Halbinsel eingenommen, waren aber trotzdem nicht so recht zufrieden. Die nahen Inseln Korsika, Sardinien und Sizilien standen unter der Kontrolle von Karthago und waren außerdem reich an Getreide. Das Volk wollte ja auch irgendwie ernährt werden, da kamen die Inseln gerade recht. Außerdem wäre der Weg nach Afrika über die Inseln kürzer.
Also sagten die Römer zu den Karthagern: »Macht mal, dass ihr wegkommt.«
Und die Karthager sagten: »Ihr habt sie ja nicht alle, wa?«
Daraufhin gab es Krieg und für die Römer lief es eigentlich ganz gut. Irgendwann standen sie auch vor Karthago und hätten vielleicht bei den Friedensverhandlungen auch gut abgeschnitten, wenn sie es nicht übertrieben hätten. Aber so hatten die Karthager etwas Unterstützung in Sparta gekauft und die gemeinsamen Armeen versohlten den Römern gehörig die Hintern.
Die Römer dachten: »Ääääääääääääääääh … wir müssen weg.«
Man schickte 370 Schiffe nach Afrika, um die Soldaten zu holen, schlug sich noch mit den Karthagern auf See, war aber siegreich, und lud dann die Armee auf die Boote. Kurz vor der Südküste Siziliens, also quasi fast daheim, gab es allerdings einen Sturm und 300 der Schiffe gingen unter. Angeblich starben dabei rund 100.000 Soldaten.

Man muss sich das mal vor Augen halten: Das ist ungefähr das 67-Fache an Todesopfern gegenüber dem Titanic-Unglück. Genauer gesagt: Man stelle sich 67 Céline Dions vor, die »My Heart Will Gö Ön« singen und hat ein halbwegs akkurates Bild der Katastrophe.

Zeitumstellung

Für alle, die sich wundern, weshalb sie heute Morgen von ihrem Chef angeschrien wurden oder warum sie einfach nicht in die Gänge kommen: Gestern war Zeitumstellung.

Zeit mal einen Blick auf die Historie zu werfen, um herauszufinden, warum und wieso das eigentlich überhaupt gemacht wird, immerhin scheinen die meisten Leute davon ja genervt zu sein.
1784 schrieb Benjamin Franklin einen Brief an die französische Zeitung Journal de Paris, in dem er sich darüber beschwerte, dass der Kerzenverbrauch während der kalten Jahreszeit zu hoch wäre. Er schlug eine Zeitumstellung vor, damit die Leute mehr Zeit während des Tageslichts verbringen würden. Die Idee nimmt allerdings keiner richtig ernst, weil Franklin irgendwie ein kleiner Schlawiner war, der öfter mal merkwürdige Scherze machte. Er hat es fast mal geschafft, ganz England und Frankreich gegeneinander aufzubringen, nur weil er aus Langeweile ein Gerücht in die Welt gesetzt hatte, aber das gehört nicht hierher. Jedenfalls war es eigentlich ein Wunder, dass er Diplomat war.

1907 hat dann ein britischer Geschäftsmann tatsächlich für eine Einführung der Sommerzeit geworben. Der Grund war simpel: Er hoffte, dass er damit Geld sparen könnte. Auch bei seiner Idee ging es um die Kosten für Beleuchtung. Allerdings hatte er einen komplizierten Plan vorgesehen, bei denen die Uhren nicht eine Stunde, sondern an mehreren aufeinanderfolgenden Sonntagen um jeweils 20 Minuten vorgestellt werden sollten. Man zeigte ihm einen Vogel und hoffte, das wäre es gewesen.

Bis 1893 herrschte in Deutschland absolutes Zeitchaos. Man konnte sich innerhalb des Reiches schon nicht auf eine Zeit einigen. So gab es z.B. Zeitunterscheide zwischen Berlin und München. Aber dann wurde die Mitteleuropäische Zeit eingeführt und alles war gut, bis irgendwer 1916 die Idee aus England aufgriff und dachte: »Ey, Energiesparen ist gerade in Zeiten des Krieges keine so doofe Sache.«
Ob das wirklich Energie gespart hat, sei mal dahingestellt, trotzdem dachten die Kriegsgegner England und Frankreich: »Wat die können, können wir auch!«, und führten ebenfalls die Sommerzeit ein. Während Deutschland aber nach dem Krieg dachte »Boah, wat’n Mist«, hielten England und Frankreich an der Sommerzeit fest.
Im Zweiten Weltkrieg kam irgendwer in Deutschland erneut auf die Idee die Sommerzeit einzuführen. Ebenfalls aus ökonomischen Gründen. Mehr Tageslicht = mehr Zeit, um irgendwelche Waffen herzustellen.
Nach dem Krieg sagten die westlichen Besatzungsmächte: »Leute, ihr habt jetzt Sommerzeit!«, und die Westdeutschen sagten nur »Okay.«
In der sowjetischen Besatzungszone, sprich Ostdeutschland, führte man die Moskauer Zeit ein, d.h. man war dem Westen um zwei Stunden voraus. Und die Ostdeutschen sagten nur: »Alter, wat?«
Aber der Westen konnte natürlich nicht zurückstehen. »Wartet mal, wir setzen noch einen drauf!«, sagten sie zwischen 1947 und 1949 und führten die Hochsommerzeit zwischen Mai und Juni ein, in der die Uhren noch eine Stunde vorgestellt wurden.

Nachdem bis 1949 keiner mehr richtig ein Auge zugetan hatte, sagte man sich schließlich »Boah, dat geht gar nich« und hörte mit der ganzen Zeitumstellerei auf. Außerdem einigte man sich mal auf eine Zeit, die in ganz Deutschland galt. Der Rest von Europa schaute allerdings auf die Deutschen und schüttelte den Kopf: »Wat macht ihr denn? Wir haben alle Sommerzeit.«
»Ach, macht doch wat ihr wollt«, gab Deutschland zurück.

1973 gab es dann die Ölkrise, weswegen über eine Einführung der Sommerzeit wieder gesprochen wurde. Immerhin war der wesentliche Grund für die Zeitumstellerei immer noch der, Energie zu sparen. Aber die Bundesrepublik wollte irgendwie nicht richtig. Auch nachdem die restlichen Staaten in der Europäischen Gemeinschaft eine einheitliche Umstellung einführen wollten, lehnte Westdeutschland ab.
»Nee, ick weiß nicht«, sagte Westdeutschland. »Wenn wa dit machen, teilen wir Deutschland ja nur noch mehr, weißte.«
Was macht also die DDR 1979? Sie kündigt an ab April 1980 die Sommerzeit einzuführen.
Und Westdeutschland plusterte sich auf: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Dann wurden wohl Stinkefinger gezeigt und man beschloss dann ebenfalls die Sommerzeit einzuführen. Was die Bundesbahn scheiße fand, denn die hatten schon die entsprechenden Fahrpläne gedruckt.
Ein Jahr später hatte man in der DDR wohl mal nachgerechnet und kam zu dem Schluss, dass die ganze Sache mit der Energiesparerei vorne und hinten nicht hinhaute. Also wollte man die Zeitumstellung wieder abschaffen.
Westdeutschland reagierte ungehalten: »Ihr kleinen $%/«#&%§/! …« Vermutlich wurden ebenfalls Stinkefinger gezeigt. Diesmal wollte man aber nicht beigeben. Aus Trotz sagte man, dass man bei der Sommerzeit bleibe. Und die DDR erwiderte freundlich lächelnd: »Okay, okay, dann machen wir das auch. Außerdem behalten unsere russischen Freunde auch die Sommerzeit, also …«
»Ich will nichts weiter hören«, sagte Westdeutschland und damit war die Sache durch.

Wenn man so will, haben wir also die Sommerzeit, weil die DDR das so wollte und die Bundesrepublik einen Bock hatte. Die Wessis können also den Ossis die Schuld geben und umgekehrt. Deutschland einig Vaterland!

Und ganz generell gesprochen hat überhaupt Deutschland Schuld an der Sommerzeit. Aber das sollten wir vielleicht nicht so laut sagen …

Geschichten zum Tag: 12.04. – Zimbabwe-Dollar

Heute gäbe es auch wirklich viel über den Tag in der Geschichte zu erzählen, aber ich beschränke mich mal auf ein Ereignis.
Mir ist klar, dass Wirtschaft irgendwie nicht zu den Themen gehört, bei denen die meisten Leute sagen »Yay! Erzähl mir mehr!«. Mir geht es da genauso. Aber was vor neun Jahren passiert ist, ist zwar irgendwie traurig, aber auch gleichzeitig witzig.

Vor genau neun Jahren wurde effektiv die Währung von Simbabwe abgeschafft, weil die Inflation so gestiegen war, dass man praktisch nicht mehr mit dem Druck der Banknoten hinterher kam. Das hatte natürlich damit zu tun, dass das Land wirtschaftlich nicht sonderlich gut dastand. Das kommt davon, wenn man einen Premierminister bzw. Präsidenten hat, der faktisch ein Diktator, korrupt und idiotisch ist und obendrauf auch noch aussieht wie ein schwarzer Hitler und sich entsprechend benimmt. (Über Robert Mugabe zu sprechen, würde jetzt aber den Rahmen sprengen.)
Was war passiert?
Weiße Farmer hatten das Land nutzbar gemacht, aber die Bevölkerung fand, dass es ungleich verteilt war – was durchaus stimmte. Die Regierung kam nun also auf die Idee die weißen Farmer zu vertreiben, die sich wiederum dachten »Unsere Viecher kriegt ihr aber mal nicht!«. Also brachten sie ihr Nutzvieh um. Und natürlich ist es immer eine gute Idee, wenn man es sich mit den Leuten verscherzt, die von einer Sache richtig Ahnung haben.
Nachdem die Weißen weg waren, vergab die Regierung das Land vor allem an Leute, die der Regierung nahe standen. Und keine Ahnung von Bewirtschaftung hatten. Die Folge: Die Produktivität sank, Lebensmittel wurden knapp und das Ausland hatte keinen Bock mehr irgendwem Kredite zu geben. Mit anderen Worten: Mit der Wirtschaft ging es bergab.
Durch die schlechte Wirtschaft fiel auch der Wert der Währung. Bis 2009 wurde vier Mal die Währung umgestellt, weil sie so schnell an Wert verlor. Der Staat gab 500.000 Euro PRO WOCHE aus, um allein in Deutschland neue Banknoten drucken zu lassen. Zu einem Zeitpunkt hatte die Inflation eine Rate von 79.600.000.000% erreicht. (Zum Vergleich: Die momentane Inflationsrate in Deutschland ist 1,6%. 1992 waren es mal 5,1%.) Das ist in etwa so, als würde man Anfang des Monats sein Gehalt bekommen und bekäme Mitte des Monats gesagt, dass ein Brötchen jetzt knapp acht Milliarden Euro kostet.
In der Tat konnten viele Geschäfte gar kein Wechselgeld rausgeben, weswegen man stattdessen z.B. Bonbons bekam. Man stelle sich das mal vor.
»Ich hätte gern den neuen Star Wars Film auf Bluray gekauft.«
»Macht 40 Milliarden Dollar.«
»Ich hab nur ›nen 50 Milliarden Schein dabei.«
»Na ja, hier haste ›nen Lolli als Wechselgeld.«

Zum Teil konnte man keine Bankautomaten mehr benutzen, da diese mit einem »Data Overflow Error« den Dienst verweigerten. Summen, die derartig viele Nullen hatten, waren schlichtweg nicht zu verarbeiten.

Was mich vor allem immer daran fasziniert hat, waren die Banknoten, die von der Regierung ausgegeben wurden. Ich habe mal ein Bild angehängt. »100 Trillion Dollar«, aufgrund des Sprachunterschieds also 100 Billionen Dollar auf Deutsch. (Das Englische kennt keine Milliarde. Eine Milliarde ist bei denen eine Billion. Eine Billion hat bei uns aber drei Nullen mehr.)
Wer also schon immer mal Billionär sein wollte, braucht sich nur mal so eine Banknote zu besorgen.

100 Billionen Zimbabwe-Dollar

Hinweis: Bei dem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting vom 12. April 2018.

Die Herkunft des Wortes »Tee«

Es ist schon faszinierend, was man durch das Internet so lernt. Zum Beispiel auch über Sprache.
Wusstet ihr, dass es bis auf ganz wenige Ausnahmen auf der Welt im Grunde nur Abwandlungen von zwei Wörtern für Tee gibt? Nämlich »Tee« oder »Chai«.
Also eine Hälfte der Welt sagt zu Tee »Tee«, die andere sagt so etwas wie »Chai«. Und dann gibt es welche, die sagen »Chai Tee« und outen sich als Idioten. Aber das nur am Rande.

Das Ganze hat etwas damit zu tun, wie Tee gehandelt wurde.

Beide Wörter stammen aus China, allerdings aus verschiedenen Gegenden. Im nördlichen China wurde das Wort »cha« benutzt. Über die Seidenstraße gelangte der Tee nach Persien und andere asiatische Länder, von wo aus er weiter in die Welt getragen wurde, d.h. alle Länder an der Seidenstraße oder den »natürlichen« weiteren Handelsstraßen sagen so etwas wie »chay« (Persisch, Türkisch, Russisch), shay (Arabisch) oder »chai« (Swahili).
An der chinesischen Küste sagte man allerdings »te«. Und über die Schifffahrtswege, besonders durch die Niederländer, wurde dieses Wort nach England (tea), Deutschland (Tee), Frankreich (thé) oder Italien (tè) gebracht.
Polen, Litauen und Weißrussland, die erst im 17. Jahrhundert Tee bekommen haben, weil alle anderen Länder den anscheinend für sich behalten wollten, sagen allerdings eine Abwandlung von »herbata«, dass von »herba thea« abstammt. Also im Grunde auch »te«, nur haben sie sich auf etwas anderes konzentriert. Und wahrscheinlich haben sie gedacht: »Ihr habt uns das so lange vorenthalten, da sagen wir jetzt aus Prinzip was anderes.«

Wenn Ihr also einen Tee trinkt, dann denkt daran, dass ihr das nur so nennt, weil irgendein chinesischer Küstenbewohner einem niederländischen Händler mal gesagt hat, dass das so ist.

Die Geschichte der Pyramiden

Im sonnigen Ägypten hatte man ein Problem: Die Bestattungen der Könige liefen zwar gut, aber dadurch, dass sie darauf bestanden Gold, Schmuck und andere tolle Sachen mit ins Grab zu nehmen, wurden ihre letzten Ruhestätten von Grabräubern ausgeräumt. Also versammelten sich die Bauherren und Architekten, um darüber zu diskutieren, wie man das verhindern könnte.
Aber alles was von ihnen kam, war so etwas wie: „Ja, och, hm.“
Bis einer von ihnen die rettende Idee hatte. „Passt ma uff. Wie isset denn, wenn wa die nich im Sand verscharren, sondern denen irgendwie wat aus Stein bauen. Wie so ne kleene Hütte? Dit macht man dicht, fertig is der Lack.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man kleine Häuser aus Stein, sogenannte Mastabas, in denen man die Könige begraben konnte. Die Grabräuber beeindruckte das aber eher wenig, weswegen die Bauherren wieder zusammentrafen.
Und alle so: „Alter…“

Dann hatte einer eine noch viel bessere Idee.
„Passt ma uff. Wat is‘n, wenn wa da nich nur so eine Mastaba bauen, sondern auf der Mastaba gleich noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Na, also ne Mastaba, und darauf gleich noch eine. Und dann … wartet, dit is der Knaller … nee, echt jetzt … echt, ihr werdet‘s nich glauben … bauen wir darauf noch eine … und dann … haltet euch fest … noch eine.“
Und alle so: „Wat?“
„Nee, wirklich, dit wird die Grabräuber so verwirren, die werden gar nich wissen, wie ihnen jeschieht!“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also bauten sie eine Mastaba. Und darauf noch eine, und darauf noch eine und so weiter, bis sie etwas hatten, was sie Stufenpyramide nannten. Und dann fanden das alle ganz tuffig und super und zeigten sich gegenseitig den Daumen nach oben und so.
Dann kamen die Grabräuber und sagten: „Leute, Herausforderung angenommen.“
Und alle so: „Alter…“

Jetzt hatte man schon langsam die Nase voll, aber irgendwer hatte noch eine tolle Idee.
„Leute, passt uff. Wat is‘n, wenn wa den Pyramiden noch ne Fassade geben. Also so richtig glatte Seiten und so. Sieht dann auch aus wie ne Pyramide. Ick mein ja nur, wegen dem Namen und so.“
„Des Namens!“, sagte einer und alle buhten ihn aus und er hielt daraufhin den Rand.
„Ick sach ma so, wenn wa dit ordentlich verkleiden und allet so richtig voll mit Steine packen, dann kommen die Grabräuber da nich durch und Ruhe is.“
Und alle so: „Ja, jut, wat auch immer.“

Also baute man eine Pyramide, die ordentlich verkleidet war und nach dem Zusammensetzen von Außen nicht mehr penetrierbar war. Ganz oben setzte man sogar eine goldene Spitze rauf, weil man sich dachte: „Da versuchen die an der glatten Wand hochzuklettern, rutschen dann ab und landen auf dem Hintern. Dit wird super lustich.“
Dazu muss man erklären, dass die Unterhaltungsbranche im frühen Ägypten noch in den Kinderschuhen steckte.
Jedenfalls sahen die Grabräuber die fertige Pyramide und alle von ihnen so: „Alter…“

Nachdem man nun die Pyramiden erfunden hatte und die Könige auch ganz angetan davon waren, wollten sie allerdings immer Größere haben. Ihrer Logik nach, war halt jeder wichtiger als sein Vorgänger, weswegen er auch das größere Grabmal haben sollte. Einer wollte sogar gleich drei Pyramiden haben. Auf die Frage, warum er das wollte, immerhin hatte er ja nur einen Körper, sagte er: „Ey, ick bin der König. Mach wat.“
Und alle Bauherren so: „Alter…“

Sie setzen sich wieder zusammen, um zu besprechen, wie man das mit den großen Pyramiden lösen könnte. Es gab lange Diskussionen, die viel auf das Wort „Menno“ endeten, bis dann irgendwann einer die Hand auf die Stirn patschte und laut ausrief: „Leute, fallt nich vom Schemel, ick hab die Idee. Wie wäre es, wenn wa dit mal mit Sklaverei probieren? Wenn man sich nicht um Menschenleben und so weiter schert, macht dit die Sache doch viel einfacher.“
Und sie nickten sich alle zu und lachten und einige von ihnen dachten: „Ja, Mensch, da hätte man ja auch schon früher drauf kommen können.“
Und die Sklaven so: „Alter…“

Man baute also fleißig Pyramiden, die immer größer und größer wurden. Aber ein paar der alten Pyramiden fingen langsam an zu verfallen. Die Fassade bröckelte, die Steine lagen frei und verwitterten, weswegen es hier und da Spalten und Risse gab.
Und die Grabräuber machten nachdenklich: „Hmmmmmmm….“
Und die Bauherren so: „Alter…“

Es stellte sich heraus, dass die Pyramiden den Grabräubern auch keinen Einhalt geboten. Man hatte sogar versucht, falsche Grabkammern anzulegen, um die Grabräuber zu verwirren, aber auch das hatte nichts gebracht. Also setzten sich die Bauherren wieder zusammen, um darüber nachzudenken, wie man dem nun begegnen könnte.
Einer meldete sich zu Wort: „Also, ick will ja nüscht sagen, aber dit is irjendwie Mist.“
Und alle nickten und sagten: „Jau, so is dat wohl.“
„Also wenn ick mal so janz grob überlege, würde ick sagen, dass et vielleicht nich die beste Idee ist, wenn man den Grabräubern quasi groß ankündigt, wo dit Grab vom König is.“
Die anderen so: „Ja, hm, könnte sein.“
„Vielleicht sollten wa die toten Könige einfach in irgendein Loch inner Wüste verstecken, allet dichtmachen und die Fresse darüber halten. Pro: Nich mehr jahrelang Steine durch die Weltgeschichte karren. Contra: Jibbet nich.“
Und alle so: „Also da hatter schon nen Punkt.“
Und die Grabräuber so: „Alter…“

Und so kam es, dass man keine Pyramiden mehr baute, sondern die Könige im sogenannten Tal der Könige zur Ruhe bettete. Die genaue Lage der Gräber wurde geheim gehalten. Allerdings war es nicht so, als hätten die Grabräuber das nicht doch irgendwann mitbekommen.
Und alle so: „Alter … aber jetzt isset auch Wurscht.“

Karfreitag

Weil heute Karfreitag ist, der Tag an dem Jesus am Kreuz starb, dachte ich, dass ich mal aus dem zeitlosen Bestseller Bibel zitiere. Das Johannes-Evangelium schreibt:

Und er trug sein Kreuz selbst und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, welche auf hebräisch Golgatha heißt.
»Der Name ist ja inspierend. War Berg des Todes schon belegt, oder was?«, sagte Jesus und stieß zwinkernd einen Ellenbogen in des nächsten Römers Seite.
Ebendieser drehte sich zu ihm um und sprach: »Schnauze!«
Und Jesus sagte: »Na, du gehst auch zum Lachen in den Keller, wat?«
Aber sie fanden den Weg auf den Berg und dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
»In Gesellschaft ist alles halb so wild, was Jungs?«, sagte Jesus und zwinkerte den anderen beiden Gekreuzigten zu, die lediglich »Aua« antworteten.
Pilatus aber schrieb eine Überschrift und heftete sie an das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus, der Nazarener, der König der Juden. Diese Überschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt, und es war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache geschrieben.
Und Jesus sagte: »Alle Achtung, so viele Sprachen kann ja heutzutage nicht jeder.«
Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: »Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern daß jener gesagt habe: Ich bin König der Juden.«
Pilatus antwortete: »Sieht dit so aus, als hätte ich noch ein Zweitbrett unterm Kittel, oder was? Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben! Basta.«
Als nun die Kriegsknechte Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Kriegsknecht einen Teil; dazu den Leibrock. Der Leibrock aber war ohne Naht, von oben bis unten in einem Stück gewoben.
»Also wenn ihr mir den überwerfen könntet, wäre das echt nett, denn lasst es mich mal so sagen: Es ist schon schweinekalt hier oben.«
Da sprachen sie zueinander: »Laßt uns den nicht zertrennen, sondern darum losen, wem er gehören soll; auf dass die Schrift erfüllt würde, die da spricht: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen.«
»Wat?«, sagte Jesus, »Wo steht das geschrieben? Und warum würde man das zertrennen wollen, das ist allerfeinstes Handwerk. Leute? Leute?!«
Solches taten die Kriegsknechte.
Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas Frau, und Maria Magdalena.
»Die heißen alle Maria«, tuschelte Jesus zum Römer hinunter. »Wirklich originell sind die mit der Namensgebung hier in der Gegend nicht, was?«
Und der Römer sprach: »Schnauze!«
Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: »Hi Mom! Hier bin ich!« Darauf spricht er zu dem Jünger: »Das da ist meine Mutter. Die macht ein prima Gulasch. Vielleicht solltest du sie mitnehmen.«
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Nach diesem, da Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, damit die Schrift erfüllt würde, spricht er: »Boah, ein Bier wäre jetzt nicht schlecht.«
Es stand da ein Gefäß voll Essig; sie aber füllten einen Schwamm mit Essig, legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm an den Mund.
Und Jesus sagte: »Igitt.«
Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: »Wenn ich schon nichts Richtiges zu trinken bekomme, kann ich auch gleich sterben.« Zu dem Jünger aber sagte er: »Schreib mal lieber auf, dass ich ›Es ist vollbracht!‹ gesagt habe.« Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
»Ganz wichtig«, ergänzte Jesus, »den Geist. Nicht mich.«
Die Juden nun, damit die Leichname nicht während des Sabbats am Kreuze blieben (es war nämlich Rüsttag, und jener Sabbattag war groß), baten Pilatus, dass ihnen die Beine zerschlagen und sie herabgenommen würden.
Da sagte die anderen Männer am Kreuz, die noch lebten: »Ey, Moment mal!«
Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine, ebenso dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
»Aaaaaaaaaah, gottverdammte …«, sagten der erste und der zweite.
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Kriegsknechte sagte: »Wartet mal, der ging mir schon die ganze Zeit auf den Geist.«
Er durchbohrte seine Seite mit einem Speer, und alsbald floß Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, dass es der merkwürdigste Scheiß war und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, auf dass auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde: »Es soll ihm kein Bein zerbrochen werden!«
Und abermals spricht eine andere Schrift: »Sie werden den ansehen, welchen sie durchstochen haben.«
Und die drei Marias sagten: »Von wat für einer Schrift sprechen die eigentlich andauernd?«
Danach bat Joseph von Arimathia (der ein Jünger Jesu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden), den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe.
Und Pilatus sagte: »Wat auch immer.«
Da kam er und nahm den Leib Jesu herab.
Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei Nacht zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.
Da sagten die Marias: »Junge, du schleppst aber sonderbares Zeug mit dir herum. Noch dazu in solchen Mengen.«
Also nahmen sie den Leib Jesu und banden ihn samt den Spezereien in leinene Tücher, wie die Juden zu begraben pflegen. Es war aber an dem Ort, wo Jesus gekreuzigt worden war, ein Garten und in dem Garten eine neue Gruft, in welche noch niemand gelegt worden war.
»Na, das ist aber ein glücklicher Zufall, dass so eine unbenutzte Gruft, die jemand in tagelanger Arbeit aus dem Stein gehauen hat, ausgerechnet hier auftaucht und auch offensichtlich nicht weiter gebraucht wird«, sagte Joseph von Arimathia.
Dahin nun legten sie Jesus, wegen des Rüsttages der Juden, weil die Gruft nahe war.
»Ja«, sagten die Marias, »das ist echt ein Wunder.«

Gründonnerstag

Heute ist Gründonnerstag. Das ist der Tag, an dem das letzte Abendmahl stattgefunden haben soll. Also nicht generell, sondern das von Jesus.
Damals gab es etwas Probleme mit der Tischbestellung, weil die vorher Bescheid gegeben haben, dass sie einen Tisch für 24 brauchen.
»Wat denn? Ihr seid doch nur 12. Oder dreizehn, wenn man den Typen mit dem Leuchtkranz um den Kopp dazuzählt.«
»Ja, aber wir müssen ja alle auf der einen Seite des Tisches sitzen, damit nicht manche von uns mit dem Rücken zu den Malern sitzen.«
»Welche Maler?«
»Die uns in ein paar Jahrhunderten malen werden.«
»Alter, sauft ihr oder sowas?«
»Nur Messwein.«
»Vielleicht solltet ihr auf Wasser umsteigen.«
»Ja, es fällt nur schwer abstinent zu sein.«
»Wieso?«
»Unser Chef kennt da diesen Trick mit dem Wasser…«

Bei diesem Text handelt es sich ursprünglich um ein Facebook-Posting von 2018.