Sebastian Niedlich

Jahresrückblick 2023

Man kann schon mit gewisser Entschiedenheit behaupten, dass 2023 ein Jahr war. Was für ein Jahr? Nun, das muss vermutlich jeder selber entscheiden. Schaut man auf die politische Entwicklung in vielen Gebieten, war es kein sonderlich gutes Jahr. Aber wie so oft wechselten sich gute, schlechte und gar lustige Nachrichten ab. Also, was geschah wann im Jahr 2023?

01. Januar – Kroatien tritt der Eurozone bei, d.h. das Land bekommt den Euro und ist jetzt für EU-Bürger auch ohne Pass zu besuchen. Darauf ein Cevapcici!

05. Januar – Papst Benedikt XVI wird im Vatikan beerdigt. Da gibt es eine schöne Messe, ein paar Kekse, ordentlich Wein und eine Gedenkorgie mit kleinen Jungs für die Kardinäle.

05. Januar – Der Möbelrestaurator Ben Bacon aus London veröffentlich zusammen mit ein paar Wissenschaftlern im Cambridge Archeological Journal die Ergebnisse seiner Forschung, die er nebenbei mit besagten Wissenschaftlern betrieben hat. Ihm war gelungen, was anderen Forschern seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten nicht gelungen war: Zu entziffern, was verschiedene Punkte, Striche oder »Y«-Zeichen auf steinzeitlichen Höhlenzeichnungen bedeuten, nämlich Hinweise auf den Fortpflanzungszyklus der Tiere. Damit ist der Beweis erbracht, dass Steinzeitmenschen bereits eine Form von Kalender entwickelt hatten.
Einer der Wissenschaftler, Prof. Paul Pettit von der Durham University,, der Herrn Bacon unterstützt hat, äußert sich in der Zeitung sinngemäß: »Na, da bin ich aber froh, dass ich den Typen von der Straße, der mich damals deswegen angequatscht hat, ernst genommen habe.«

10. Januar – Analysten errechnen, dass der bisherige »reichste Mensch der Welt« Elon Musk seit November 2021 zwischen 180 und 200 Milliarden US-Dollar verloren hat. Er stellt damit den Rekord als Person auf, die das meiste Geld verloren hat. Der Verlust ist das Resultat des schlechten Verlaufs der Tesla-Aktien und seines Kaufs und der anschließenden schlechten Leitung von Twitter. Er hat damit fast so viel Geld verloren, wie Jeff Bezos, Chef von Amazon, besitzt, der sich immerhin auf Platz 3 der reichsten Menschen befindet.
Um das Ganze etwas zu veranschaulichen: Ein Mensch mit einem Monatsgehalt von 50.000€ müsste etwa 333 Tausend Jahre arbeiten gehen, um das zu verdienen, was Herr Musk in einem Jahr verloren hat.

04. Februar – Zyklon Freddy formt sich im Indischen Ozean. Er stellt, momentan noch nicht bestätigt, gleich mehrere Rekorde auf. Mit fünf Wochen und zwei Tagen ist er der am längsten dauernde, mit einer Accumulated Cyclone Energy von 86 der stärkste und mit einer Intensivierung von 7 innerhalb von 24 Stunden auch der am schnellsten wachsende Zyklon bisher. Außerdem bringt er mehr als 1400 Menschen um und verursacht 655 Millionen Dollar Schaden, weswegen Nestlé überlegt, ob sie eine Patenschaft übernehmen sollten.

12. Februar – In Berlin findet die Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus statt, nachdem der Berliner Verfassungsgerichtshof die Wahlen vom 26. September 2021 wegen massiver Unregelmäßigkeiten für ungültig erklärt hatte. Stärkste Kraft wird die CDU, deren Spitzenkandidat Kai Wegner vorher durch rassistische Äußerungen aufgefallen war. Aber zumindest die Berliner Muslime halten gut zu ihm, sodass er später Bürgermeister werden kann, denn Konservatismus hält immer zusammen, auch wenn man sich eigentlich gegenseitig nicht leiden kann.

14. Februar – Das Europäische Parlament beschließt, dass ab 2035 keine neuen PKW mit Diesel- oder Benzinmotor mehr zugelassen werden dürfen. Etliche Leute regen sich auf: »Dann darf man also nicht mehr die Luft verpesten, fossile Brennstoffe verbrauchen und die Umwelt schädigen? NICHTS DARF MAN MEHR!«

10. März – In China wird mal wieder der Präsident gewählt und zur Überraschung aller ist es schon wieder Winnie Puuh.

14. März – Die Firma OpenAI bringt GPT-4 heraus, eine neue Version Ihres LLMs ChatGPT. Das kann fast alles, sogar ungefragt Texte von Künstlern klauen!

20. März – Der sechste Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel On Climate Change – mehr oder weniger der Weltklimarat) der Vereinten Nationen wird publiziert. Sinngemäße Zusammenfassung: OH GOTT, WIR SIND ALLE IM ARSCH!

26. März – In Berlin stimmt das Volk darüber ab, ob die Stadt bis 2030 klimaneutral werden soll. 50,9 Prozent der Teilnehmer stimmen mit Ja, allerdings nehmen nur 18,2 Prozent aller Stimmberechtigten überhaupt an der Wahl teil. Die Abstimmung scheitert deswegen. Anders ausgedrückt: Die Umwelt interessiert in Berlin nicht mal ein Fünftel der Wähler.

04. April – Finnland wird das 31. Mitglied der NATO, wodurch die Grenze der NATO zu Russland schlagartig verdoppelt wird. Finnland hatte nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine gesagt »Tja, hm, eigentlich wären wir ja gerne neutral, aber ist ja nicht so, als ob uns Russland nicht schon ein paar Mal verarscht hätte.«

14. April – Die europäische Weltraumagentur ESA startet eine Sonde, welche die galileischen Monde des Jupiters untersuchen soll. Der Name der Sonde: Jupiter Icy Moons Explorer. Oder abgekürzt: JUICE. (Für meine Nicht-Englisch-sprechenden-Leser: Das heißt Saft.)

15. April – Deutschland schaltet die letzten drei Atomreaktoren ab. Natürlich schimpfen viele Leute darüber, was die Regierung doch für einen Scheiß macht. Gerade vom rechten politischen Spektrum aus wird da freigedreht. Freilich wird vergessen, warum und von wem der Atomausstieg so beschlossen wurde. Das war nämlich die Merkel-Regierung nachdem in Fukushima das Unglück passierte. Egal, Rechte können sich darüber aufregen, dass es nicht genug Energie aus Deutschland gibt (was übrigens nicht stimm), während rechte Parteien z.B. in Bayern, verhindern, dass da nachhaltig Energie produziert werden kann.

20. April – SpaceX führt den ersten Flugtest seiner Starship Rakete durch. Es ist die größte und stärkste jemals gebaute Rakete. Sie startet und explodiert dann auch relativ bald. Böse Zungen mögen behaupten, dass das in Bezug auf den Eigner von SpaceX vielleicht irgendwie prophetisch wirkt.

02. Mai – Der Streik der Drehbuchautoren in den USA beginnt. Vorausgegangen war dem ein Streit zwischen Autoren und Produzenten, vor allem Streamingdiensten, weil die Schreiber meinten »Ey, irgendwie funktionieren die Absprachen auf die Entlohnung nicht mehr, wenn der Großteil der Sendungen gestreamt wird und wir nicht erfahren, wie viele Leute eigentlich die Sendung gesehen haben. Wäre also schön, wenn wir da eine Lösung finden würden, damit wir fair entlohnt werden.«
Woraufhin die Produzenten meinen: »HAHAHA … nö.«

05. Mai – Nach fünf Tagen wird eine Frau in der australischen Wildnis gerettet. Sie war falsch abgebogen und in einem dichten Eukalyptuswald liegengeblieben. Fünf Tage ernährte sie sich nur von Wein und Süßigkeiten. Die Retter berichteten, dass sie sehr glücklich aussah.

24. Mai – Ein Abschleppwagen, der ein paar Autos nach einem Crash in Georgia aufnehmen will, senkt seine Rampe auf der linken Spur einer Autobahn, als eine unaufmerksame 21-jährige Fahrerin angerast kommt, die Rampe rauffährt und dann fast 37 Meter durch die Luft fliegt. Sie hat damit zwar den Traum eines jeden GTA-Spielers gelebt, wird aber mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

24. Mai – Kanada und Saudi-Arabien nehmen nach fünf Jahren wieder diplomatische Beziehungen auf. Die waren vorher unterbrochen worden, weil eines der Länder meinte, dass das andere Land die Menschenrechte verachte. Man kann sich vielleicht denken, welches Land gemeint ist, aber wenn man mal im Internet sucht, würde man sich wundern, was man über das andere Land erfährt …

25. Mai – Russland und Weißrussland unterzeichnen ein Abkommen, welches die Stationierung von taktischen Atomwaffen der Russen in Weißrussland zulässt. Das wäre das erste Abkommen dieser Art seit 1991, aber Russland muss ja auch zusehen, dass es strategisch mehr Leute unter die Erde bringen kann, wenn es dann das nächste Land überfällt.

06. Juni – Die anhaltenden Waldbrände in Kanada, die schlimmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, sorgen im tausende Kilometer entfernten New York City dafür, dass es die schlimmste Luftverschmutzung aller großen Städte auf der Welt hat, noch vor Delhi. Die ganze Stadt ist in einen gelblichen Schimmer getaucht, der den ein oder anderen New Yorker schon mal zu einem Hüsteln überredet.

06. Juni – Der Kachowka-Staudamm in der Ukraine wird zerstört, sehr wahrscheinlich durch eine Explosion. Russland und die Ukraine geben sich im Nachgang hinterher gegenseitig die Schuld, wobei eigentlich recht klar ist, dass Russland mit der Zerstörung mehr gewonnen als verloren hat. Die Zerstörung des Damms hält nicht nur die Angriffe der Ukrainer auf, es sorgt in Städten der Ukraine für Chaos, zerstört einen Teil der Nahrungsversorgung und lässt alle möglichen Dinge passieren, die vor allem den Ukrainern Kopfzerbrechen machen. Ganz nebenbei wird dadurch auch noch eine ökologische Katastrophe aufgelöst, die vermutlich noch ein paar vom Aussterben bedrohte Tierarten endgültig killt. Aber der Vorteil ist natürlich, dass die Russen so mehr Zeit haben, Tausende Quadratkilometer Land zu verminen, was Mensch und Tier auf viele Jahre danach noch Leiden verursachen wird. Man muss auch mal die positiven Seiten sehen!

10. Juni – Bei einer Totenwache für die 76-jährige Bella Montoya in Ecuador klopft es plötzlich an den Sarg. Von innen. Stellt sich heraus, dass die für tot erklärte Frau doch noch recht lebendig ist. Der den Totenschein ausstellende Arzt: »Hüpserchen!«

14. Juni – Wissenschaftler berichten, dass es ihnen gelungen ist, einen synthetischen menschlichen Embryo aus Stammzellen herzustellen, ohne die Nutzung von Spermien oder Eizellen. Mit anderen Worten: Die Wissenschaftler haben Jesus erfunden. Oder so.

14. Juni – Das Fischereischiff »Adriana«, aus Libyen kommend und mit 400-750 Flüchtenden an Bord, geht unter. 79 Tote werden geborgen, 104 Leute gerettet. Insgesamt geht man davon aus, dass um die 500 Menschen gestorben sind, u.a. Kinder. Aber ist nicht so, als würde das wirklich wen interessieren, denn vier Tage später sterben ja REICHE Leute bei einem Unglück, da lohnt es sich viel mehr drüber zu berichten.

18. Juni – Das Tiefsee-Tauchboot »Titan« des US-amerikanischen Unternehmens OceanGate implodiert während der Fahrt zum Wrack der Titanic. Fünf Leute werden so in Sekundenschnelle zu Hamburgern geformt, darunter etliche reiche Leute, die ein Schweinegeld dafür ausgegeben hatten, in einem U-Boot mitzufahren, das mit einem modifizierten Logitech-Gamecontroller gesteuert wurde und von keiner Prüfstelle zertifiziert war.

23. Juni – Die von Jewgeni Prigoschin geführte Wagner-Gruppe, eine russische paramilitärische Organisation, die gerne Kriegsverbrechen begeht, probt den Aufstand, weil es zu Differenzen in Bezug auf den Ukraine-Krieg gekommen war. Die Wagner-Gruppe hätte halt gerne Unterstützung vom russischen Verteidigungsministerium gehabt, das hatte aber sinngemäß gesagt »Eh … weiß nicht.« Die Gruppe wendet sich gegen Russland und marschiert im russischen Rostow am Don ein und ist schon gut auf dem Weg nach Moskau, bevor der Vormarsch nach Vermittlungen durch den belarussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka abgebrochen wird. So die offizielle Variante. Inoffiziell drohten russische Geheimdienste, Familienangehörigen der Wagner-Gruppe Schaden zuzufügen. Sagt zumindest der britische Geheimdienst. Nachdem Putin und Co. zunächst ordentlich geschimpft haben, kehrt erstmal Ruhe ein. Bis zum 23. August.

03. Juli – Das israelische Militär fällt in ein palästinensisches Flüchtlingslager im Westjordanland ein, welches eigentlich palästinensisches Gebiet ist, tötet 12 Palästinenser und verletzt 100 andere. 500 Familien werden aus ihren Häusern vertrieben. Das Militär führt außerdem die größten Luftschläge seit der zweiten Intifada 20 Jahre zuvor durch. Auf ein dichtbesiedeltes Flüchtlingslager. Hm, ob das vielleicht irgendwem missfällt …

06. Juli – Im Hangar 4 des Flughafen Tempelhof in Berlin brechen 463 Paare den Weltrekord im »Susi & Strolch«-Küssen. Sprich: Sie essen eine Spaghetti-Nudel gemeinsam, bis sie sich in der Mitte treffen und küssen. Die Aktion ging von der Restaurantkette »Vapiano« aus, die den Rekord schon einmal aufgestellt hatte, allerdings zwischenzeitlich übertroffen wurde.

09. Juli – Neuseeland und die EU unterzeichnen ein Freihandelsabkommen, weil es total sinnvoll ist, irgendwelche Güter um buchstäblich die ganze Welt zu verschiffen.

14. Juli – In Amerika beginnen nach den Autoren nun auch die Schauspieler zu streiken. Auch sie beklagen in Zeiten von Streaming unzureichende Bezahlung und befürchten, ebenfalls wie die Autoren, z.T. durch KI-generierten Kram ersetzt zu werden, was bei irgendwelchen Hintergrundakteuren auch schon geschehen ist. Ab nun stehen sämtliche Hollywood- & TV-Produktionen tatsächlich still und einige Leute in den USA kommen ins Grübeln: »Streiks? Mehr Geld? Aber… aber ist das nicht Sozialismus?«

02. August – Kimberly “Kimycola” Winter aus Maryland in den USA bricht den Rekord für den lautesten Rülpser einer weiblichen Person. Mit satten 107,3 Dezibel war der Rülpser in etwa so laut wie ein voll aufgedrehtes Motorrad.

23. August – Jewgeni Prigoschin, Leiter der Wagner-Gruppe, die im Monat zuvor einen Aufstand gegen die russische Regierung losgebrochen hatte, kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Und da ist überhaupt nichts merkwürdig dran. Wirklich nicht. Ist nicht so, als hätte da Putin irgendwie nachhelfen lassen. Echt nicht. Gut, man lässt das Wrack nicht nach standardisierten Vorgehensweisen oder internationalen Regeln untersuchen, aber das ist völlig okay. Das da irgendwelche Granatenfragmente gefunden wurden … Propaganda. Echt jetzt.
Die ganze Welt ist sich einig, Putin hat damit nichts zu tun. Nee, wirklich.

26. August – Die US-Küstenwache greift Reza Baluchi im Meer auf. Der iranische Asylant hatte versucht, in einem selbstgebauten Hamsterrad aus Bojen und Draht den Atlantik zu überqueren. Auf die Frage, wohin er denn wollte, antwortete er »London«, was zu dem Zeitpunkt 4000 Meilen entfernt war. Nicht so weit entfernt war hingegen der Hurrikan Franklin, vor dem die Küstenwache ihn dann rettete.

07. September – In Florida werden Flamingos gefunden. An sich nichts Ungewöhnliches, aber diese Flamingos stammen aus Yucatan. Experten gehen davon aus, dass die Vögel in den Hurrican Idalia geraten waren und dann schlichtweg in Richtung Florida geschleudert wurden. Die Flamingos waren nicht zu einem Statement bereit, aber Rückschlüsse können vielleicht daraus geschlossen werden, dass sie die Flügel heben und »Nochmal!« brüllen.

12. September – In der Destille Levirat in São Lourenço do Bairro in Portugal bersten zwei Tanks mit Wein. 2,2 Millionen Liter Wein ergießen sich in die Straßen des Ortes, was zu einem »Fluss aus Wein« führt. Wenigstens ein Keller wird dadurch überflutet. Der örtliche Obdachlose ist sich sicher, dass seine Gebete erhört wurden.

14. September – Die Ig-Nobelpreise werden vergeben. Die Preise für »Forschung, die Menschen zuerst zum Lachen bringt – und dann zum Nachdenken« gehen in den folgenden Kategorien an:

  • Chemie und Geologie: Warum Geologen gerne an Steinen lecken
  • Literatur: Warum sich Wörter seltsam anhören, wenn man sie sehr oft hintereinander hört
  • Maschinenbau: Tote Spinnen als effektives Greifwerkzeug für schwere Lasten
  • Kommunikation: Analyse der Hirnaktivität von Experten im Rückwärtssprechen
  • Ernährung: Erfindung von Essstäbchen und Strohhalmen, die durch elektrische Ansteuerung den Geschmack von Lebensmitteln verändern können
  • Bildung: Wie beeinflussen sich Langeweile von Schülern und Lehrern gegenseitig im Unterricht
  • Psychologie: Wie viele Menschen schauen in die Luft, wenn sie andere Menschen in die Luft starren sehen
  • Physik: Inwiefern verändern Sardellen durch sexuelle Aktivität die Zusammensetzung von Meereswasser

27. September – Der Autorenstreik in den USA wird nach 148 Tagen beendet. Im Grunde kriegen die Autoren fast alle Wünsche, die sie gegenüber den Produzenten hatten, durch, u.a. mehr Geld und Zusagen in Hinblick auf die Nutzung von KI. Die Produzenten mussten irgendwie am Ende einsehen, dass praktisch keine Produktion funktionieren kann, wenn es niemanden gibt, der sich den Scheiß ausdenkt. Offenbar brauchte man für diese Erkenntnis über vier Monate.

02. Oktober – Die Nobelpreisträger für Medizin werden bekanntgegeben. Die Ungarin Katalin Karikó und der US-Amerikaner Drew Weissman erhalten ihn für Ihre Entwicklung der mRNA-Technologie, welches auch die Grundlage der meisten Covid-19-Impfstoffe bildet. Irgendwo haben ein paar Quarkdenker urplötzlich ein Aneurysma.

07. Oktober – Die Hamas feuert innerhalb von 20 Minuten aus dem Gazastreifen zwischen 3000 und 5000 Raketen in Richtung Israel und fällt im Anschluss in das Land ein. Dann richten die Hamas-Kämpfer gleich noch mehrere Massaker in verschiedenen kleinen Ortschaften an, wobei so viele Juden an einem Tag umgebracht werden, wie seit dem Holocaust nicht mehr. Natürlich überwiegend Zivilisten. Völlig unüberraschend erklärt daraufhin Israel der Hamas den Krieg.
Schon faszinierend, wie ein kleines Land, welches völlig übervölkert ist und kaum genug Essen für seine Bewohner auf den Tisch bringt, das Geld und die Logistik hat, so viele Raketen zu besorgen und abzufeuern.

23. Oktober – Der älteste Hund der Welt, Bobi, stirbt. Der Hund der portugiesischen Rasse Rafeiro do Alentejo wurde 31 Jahre und 165 Tage alt.

09. November – Der Streik der Schauspieler in den USA endet. Auch ihre Forderungen werden von den Produzenten fast vollständig erfüllt, bis auf ein paar juristische Feinheiten, die bestimmt in Zukunft keine Probleme machen werden. Ehrlich!
Man geht davon aus, dass die kombinierten Streiks von Autoren und Schauspielern allein der Wirtschaft von Kalifornien einen Schaden von 6,5 Milliarden Dollar verursachten und 45.000 Leuten die Jobs kostete.(Es arbeiten ja nicht nur Schauspieler und Autoren an Filmen … und da die anderen auch nicht arbeiten konnten, mussten z.B. irgendwelche Handwerker sehen, wo sie bleiben.)

15. November – Beim neuseeländischen »Bird Of The Century«-Wettbewerb gewinnt der Pūteketeke, eine Art Haubentaucher. Von 350.000 abgegebenen Stimmen erhält der Vogel 290.374 Stimmen. Der bisherige Abstimmungsrekord bei den Vogel-Wettbewerben lag bei 56.733 in 2021. Grund für den starken Anwuchs der Stimmen war eine Aktion des Comedians John Oliver, der in seiner Sendung »Last Week Tonight« aus einer Laune heraus Werbung für das Tier machte und weltweit Banner, Poster und Reklame postete, damit das Tier gewinnt.

16. November – Die französische Regierung kauft das Gemälde »Der verspottete Christus« des Malers Cimabue. Das Bild wurde 2019 bei einer Haushaltsauflösung einer neunzigjährigen Dame entdeckt, die das Gemälde in der Küche hängen hatte. Bei einer Auktion in 2019 wurde es für 24 Millionen Euro verkauft, allerdings hatte die französische Regierung darauf einen Exportbann für das Bild verhängt. Im Grunde war die Regierung also eingeschnappt und die Ausfuhr so lange verboten, bis sie selber das Bild dann kaufen durfte.

18. November – Eine Boeing 787 landet in der Antarktis. Es ist das erste Mal, dass ein Passagierflugzeug, welches bis zu 300 Personen befördern kann, dort landet. Damit ist der Beweis erbracht, dass man mit größeren Flugzeugen dorthin Emissionen sparen könnte. Und das irgendwelche reichen Leute jetzt vermutlich bequemer dorthin reisen können, nur um zu sagen, dass sie da waren.

19. November – Javier Milei gewinnt die zweite Runde der Präsidentenwahlen in Argentinien. Er ist ordentlicher Rechtspopulist, glaubt an mehrere Verschwörungstheorien, z.B. dass der Klimawandel eine »sozialistische Lüge« sei, hat fünf geklonte Hunde und merkwürdige Ansichten in Bezug auf Frauen. Und, ja, natürlich, als Rechtspopulist hat einer eine beschissene Frisur.

20. November – Forscher entdecken, dass die männliche Breitflügelfledermaus, die einen Penis besitzt, der siebenmal größer als die Vulva der weiblichen Breitflügelfledermaus ist, im Grunde beim Sex nur kuschelt und nicht penetriert. Sie hinterlässt dann vermutlich nur eine große Sauerei auf der weiblichen Fledermaus … und der Bettdecke.

22. November – In den Niederlanden finden Wahlen statt und die rechtspopulistische und rechtsextreme »Parte für die Freiheit« (PVV) wird mit 23,6% stärkste Kraft. Und wie es sich für Möchtegernnazis gehört, hat der Chef, Geert Wilders, eine beschissene Frisur.

29. November – Der deutsch-US-amerikanische Diplomat, Politiker und Nobelpreisträger Henry Kissinger stirbt und der überwiegende Teil der Menschheit sagt »Endlich.«

02. Dezember – Während der Auslosung der Mannschaften des EURO 2024-Turniers kommt es in der Hamburger Elbphilharmonie zu einem Zwischenfall, während die Schweiz aufgerufen wird. Aus dem Zuschauerraum kommen laute Sexgeräusche. Hinterher stellt sich heraus, dass der britische Comedian Daniel Jarvis dahintersteckt, der die Aktion über seinen Twitter-Account streamt. Überraschenderweise waren es nicht die aufgeregten Geräusche der FIFA-Funktionäre, die sich in ihrem Schmiergeld wälzten.

03. Dezember – Seit Beginn des Jahres sind allein in Deutschland 17088 Menschen an oder mit Covid gestorben. Auf Jumbojets umgerechnet: Jeden Monat sind ungefähr 3,5 Jumbojets in Deutschland abgestürzt.

07. Dezember – Millionen Briten wird von der Nachrichtensprecherin Maryam Moshiri der Stinkefinger gezeigt. Die Journalistin hatte vorher mit den Leuten im Studio gescherzt und den Countdown mit den Fingern heruntergezählt, wobei am Ende nur der Mittelfinger übrig blieb.

08. Dezember – Forscher der Northwestern University in Illinois geben bekannt, dass sie VR-Brillen für Nagetiere entwickelt haben. Sie möchten damit die Hirnaktivität von Mäusen und dergleichen untersuchen, während die denken, sie werden von einem Greifvogel angegriffen. Natürlich ist es immer etwas schwer, die Nagetiere davon abzuhalten »Beat Saber« zu spielen.

08. Dezember – Nach acht Monaten findet man eine verlorengegangene Tomate auf der Internationalen Raumstation. Ursprünglich hatte man dem Astronauten Frank Rubio vorgeworfen, eine der ersten Tomaten, die im Weltall gezüchtet wurden, aufgegessen zu haben. Die Tomate war natürlich dahin, aber zumindest konnten sich die Kollegen entschuldigen und Frank Rubio sagen: »Habsch doch jesacht!«

19. & 20. Dezember – Die 32-jährige Kelsey Hatcher bringt zwei Mädchen auf die Welt, eines am Dienstagabend, eines am Mittwochmorgen, etwa 10 Stunden später. Das Besondere: Die beiden Mädchen sind zwar Kinder der gleichen Mutter und praktisch Zwillinge, stammen aber aus zwei verschiedenen Gebärmuttern. Die Uterusfehlbildung mit dem medizinischen Namen Uterus didelphys kommt in etwa 0,3% der Frauen vor. Da können die anwesenden Ärzte mit über 60 Jahren gemeinsamer Erfahrung erstmal erstaunt schauen. Aber, wie sich einer der Ärzte später gegenüber einer Zeitung äußert: »Am Ende des Tages waren es zwei Babys in einem Bauch zur gleichen Zeit. Sie hatten nur unterschiedliche Wohnungen.«

22. Dezember – Die Anzahl der Todesopfer im Gazastreifen im Israel-Hamas-Krieg steigt auf 20.000. Das sind rund 20x mehr Todesopfer als die ursprünglich durch den Angriff der Hamas umgekommenen Personen beim ersten Angriff am 07. Oktober. Die Anzahl der Todesopfer übersteigt auch die Gesamtanzahl des Opfer des Palästinakriegs 1948.

29. Dezember – Im Süden und Westen Deutschlands regnet es seit Tagen, weswegen Flüsse und Deiche überflutet sind. An diesem Tag meldet der Feuerwehrverband, dass einige Anwohner bereits verbaute Sandsäcke von den Deichen stehlen, um ihre eigenen Häuser vor dem Wasser zu schützen.
Soweit zum Thema Eigenverantwortung und Zusammenhalt der Gesellschaft.

31. Dezember – Weil die USA eines der Länder sind, in denen ein Datum aus irgendwelchen Gründen Monat / Tag / Jahr geschrieben wird, ist der 31. Dezember 23 dort der Tag, der 12 – 31 – 23 geschrieben wird. Die Heiratskapellen in Las Vegas rechnen von daher damit, dass der bisherige Rekord für Hochzeiten in Las Vegas an einem einzigen Tag (Rekord bisher: 4.492, am 07. Juli 2007) gebrochen wird, da es ja gleich mehrere Sachen zu feiern gibt.
Der Grund für so viele Hochzeiten an einem Tag mit leicht erkennbarem Datum ist natürlich simpel: Auch die Ehemänner sollen sich das so merken können.

Ein Video und ein Podcast

Vor Kurzem wurde ich gleich von zwei Personen angesprochen, ob ich mich mit Ihnen nicht unterhalten würde.

Die erste Person war Florian Heuzeroth, ein Journalist, der einen Podcast über das Leben mit dem Tod macht. Mit ihm habe ich mich natürlich über meine Bücher „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ und „Der Tod ist schwer zu überleben“ unterhalten. Meine Folge ist die Nummer drei. Zu finden ist der Podcast hier.

Mit dem Autor und Gründer des Montségur-Autorenforums Andreas Wilhelm habe ich mich hingegen über die Entwicklung der KI und ihre Auswirkungen auf den Buchmarkt unterhalten. Das Video binde ich unten direkt ein.

Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass das Video ein Teil einer Reihe ist, in der mehrere Autoren bzw. Leute, die im Buchgeschäft tätig sind zu Wort kommen. Besonders ans Herz legen möchte ich da allen vor allem das Video mit Nina George, die sich über die rechtlichen Fragen rund ums Thema KI äußert.

Viel Spaß!

Geschichten zum Tag: 31.10. – Reformationstag

Den meisten Leuten in deutschsprachigen Ländern – zumindest denen, die in der Schule nicht geschlafen haben – dürfte bekannt sein, was am Reformationstag geschehen ist.
»Dat is doch, wo dem Luther seine Prothesen anne Tür genagelt hat, wa?«
Ja, so ungefähr, Günni. Aber nicht ganz!

An dem Tag gedenkt man tatsächlich dem Beginn der Reformation, weil Martin Luther am Tag vor Allerheiligen im Jahre 1517 angeblich an eine Kirchentür in Wittenberg eine Schrift mit 95 Thesen angeschlagen hat. Ganz wichtig: Thesen – ein anderes Wort für »Behauptung« – nicht Prothesen. Luther hat da also nicht irgendwelchen Zahnersatz oder künstliche Beine an die Tür genagelt. Wenn er da überhaupt irgendwas genagelt hat, denn ob das überhaupt so stattfand, weiß man nicht wirklich. Erst 30 Jahre später haben Leute das behauptet.
Jedenfalls hat Luther diese 95 Thesen veröffentlicht. Auf Latein. Damit auch Otto Normalwittenberger auf die Tür mit den Thesen starren und mit Fug und Recht behaupten konnte: »Wat?«

Aber was war überhaupt Luthers Problem? Wogegen kämpfte er an?

Luther hatte ein Problem mit dem Ablasshandel, der seit einiger Zeit extrem grassierte. Im Grunde konnte irgendwer zur Kirche gehen und sagen »Meen Vadda war ne alte Sau, aber im Fegefeuer sollte er nich hocken. Hier habta Geld, damit er in den Himmel kommt.«
Man kennt das ja, diese richtig bekannten Bibelpassagen, in denen Gott sagt, dass man ihn mit Geld bestechen kann, damit irgendwer nicht in die Hölle kommt. Ganz im Gegensatz zu denen, wo er einen Tobsuchtsanfall kriegt und irgendwelche Leute umbringt. Aber ich schweife ab.

Die Kirche hatte mit den Ablässen so viel Geld gemacht, dass man mittlerweile zu schön gedruckten Ablassbriefe übergegangen war. Da musste der Schreiber nur noch die Namen eintragen und litt somit nicht mehr an Krämpfen in der Hand. Wie Johann Tetzel, der Typ, der am meisten mit den Ablässen handelte, auszudrücken pflegte: »Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt!« Wahrscheinlich schob er noch »Der nächste Bitte!« hinterher.
Ein Nebeneffekt der Ablassbriefe war, dass immer weniger Leute zur Beichte gingen. Die Leute dachten sich halt »Wat soll ick dem fetten Typen im Talar meinen janzen Scheiß erzählen und nen halben Tag um Buße beten, wenn irgendwer mich von meinem Sünden freikaufen kann?«
Und Luther, dem keiner mehr die schönsten und dreckigsten Geschichten erzählte, sagte »Ey, Moment mal! Nich mit Maddin!«

Es gab noch ein paar andere Dinge, die schon eine Weile eine Menge Leute an der Kirche, speziell dem Papsttum, störten. Insofern vielen Luthers Thesen auf fruchtbaren Boden, als er darin, allgemeinverständlich zusammengefasst, sagte: »Dit mit dem Ablasshandel funktioniert nicht so, wie der Papst behauptet. Dafür is Jesus nich am Kreuz gestorben, ma sag’n! Außerdem soll die reiche Sau von Papst gefälligst selbst den Bau der Peterskirche finanzieren, statt den Leuten mit falschen Versprechungen dit Geld auszupressen!«
Denn der Ablasshandel war im Grunde nur eine Möglichkeit, mehr Geld nach Rom zu schicken, um den Bau des Petersdoms zu bezahlen. Luthers Forderung mit dem Quatsch aufzuhören gefiel deswegen auch ein paar Kurfürsten oder ähnlichen Leuten, die was zu sagen hatten, denn wenn die ganze Kaufkraft aus den Landstrichen verschwindet, die man so verwaltet, dann kann man schon mal ungehalten werden. Das Ganze hatte also nicht nur eine kirchenrechtliche Komponente, sondern auch eine wirtschaftliche.
Aber man hatte ja in der Vergangenheit auch Kirchen gebaut. Warum war nun ausgerechnet der Petersdom so teuer? Warum baute man nicht einfach eine kleinere Kirche? Warum musste es die größte, ausgefallenste, prächtigste Kirche überhaupt sein?

Und da kommen wir zum amtierenden Papst dieser Zeit, Giuliano della Rovere, besser bekannt als Julius II.

Julius II. war ein recht patenter und potenter Mann. Letzteres ist zumindest dadurch belegt, dass er 1483 eine uneheliche Tochter zeugte. Da war er schon Kardinal, sollte also eigentlich keusch sein. Soweit dazu. Auch während seiner Papstzeit soll er noch ordentlich rumgeschnackselt haben. Er trieb es zwar nicht ganz so bunt wie sein Vorgänger Alexander VI., aber es kann ja nun nicht jedem Papst nachgesagt werden, ein Verhältnis mit der eigenen Tochter zu haben.

Seinen Papsttitel bekam Julius II. wie eine ganze Reihe von Päpsten schon vor ihm, und zwar durch die gute alte Bestechung. Ansonsten war er eher der wenig umgängliche Typ. Er führte eine Reihe von Kriegen, hatte schon mal den ein oder anderen Wutanfall und schaute selbst auf Portraits so, als hätte man ihm gesagt, dass seine liebste Fernsehserie gerade gecancelt wurde. Im Grunde könnte und sollte man vielleicht über ihn mal einen längeren Text schreiben, aber ich will mich hier mal kurzfassen. Es sollte jedenfalls klar sein, dass er vielleicht nicht der beliebteste aller Päpste war, auch wenn er durch die Maßnahmen, die er in der Kirche durchsetzte, gerne als »Retter« der Kirche betitelt wird. Ironischerweise ist er aber auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass sich die Protestanten von der katholischen Kirche abspalteten. Denn Julius II. hielt sich gelinde gesagt für »den Geilsten«. Und weil er sich für den Geilsten hielt, war er der Meinung, dass die alte Peterskirche in Rom eben nicht geil genug für ihn war.
»Passt ma uff, Leute!«, sagte er. »Hier die kleene Klitsche könnt ihr vergessen! Wenn ich irgendwann mal den Löffel abgebe, werde ich ja wahrscheinlich wie alle Päpste hier beerdigt. Aber weil ich der Geilste bin, muss natürlich mein Grabmal monumental sein. Und wenn mein Grabmal monumental ist, muss auch die Kirche drumherum nach wat aussehen. Also klatscht mir da mal so ein Riesending hin, wo gleich allen die Stulle aus’m Maul fällt, wenn se dit Ding sehen.«
Und für dieses Riesending hatte die Kirche eben nicht genug Geld. Deswegen der Ablasshandel. Deswegen der genervte Martin Luther und die genervten Kurfürsten. Und deswegen letztlich die Reformation und die Trennung der Kirche in Katholiken und Protestanten.
Der Kicker ist natürlich, dass Julius II. irgendwann sein Grabmal bekam. Das steht in einer ganz anderen Kirche. Er selbst liegt im Petersdom unter einer schlichten Marmorplatte begraben. Eines der am wenigsten imposanten Gräber in der Kirche.
Und Martin Luther konnte am Ende doch noch was nageln, nämlich seine Frau, die er sich nehmen konnte, nach dem die Kirche ihm sagte »Geh doch, wo du wohnst.«

Der Reformationstag ist also das Gedenken an einen Typen, der sich für den Geilsten hielt, weswegen ein anderer Typ wütend wurde, aber am Ende geil werden durfte. Zumindest mit seiner Frau. Ansonsten war der Luther ja auch eher … schwierig, aus heutiger Sicht. Stichwort: Antisemitismus.
Schon faszinierend, dass man es bei Geschichten rund um die Kirche in den seltensten Fällen mit sympathischen Menschen zu tun hat. Aber immerhin kann man sich über einen freien Tag freuen.

„Jesus‘ Fest und Teufels Beitrag“ jetzt erhältlich

Jesus' Fest und Teufels Beitrag

Die Kurzgeschichte „Jesus‘ Fest und Teufels Beitrag“ ist ab sofort als E-Book überall erhältlich. Und darum geht’s:

Als leibhaftiger Teufel ist Mephy das Fest der Liebe eigentlich ein Graus – umso mehr bringt ihn die folgende Einladung an seine Grenzen: Jesus, der für seine schlechten Witze berühmt ist, will seinen ca. zweitausendzweiundzwanzigsten Geburtstag unbedingt mit einem gemeinsamen Weihnachtsessen feiern – eine Einladung, die Mephy nicht ausschlagen kann. Immerhin kann er auf die Unterstützung seiner Freundin Isa zählen, die sich als Normalsterbliche dafür einsetzt, die Hölle pünktlich zum Weihnachtsfest etwas hyggeliger zu machen. Wer weiß – vielleicht lässt Mephy sich mit ihr an seiner Seite doch zu ein wenig Nächstenliebe hinreißen … denn wie schlimm kann ein Abend mit dem Sohn Gottes schon werden?

Die Geschichte ist vorher schon einmal unter anderem Namen im Kurzgeschichtenband „Ein Weihnachtswunder kommt selten allein“ von dotbooks erschienen. Dies ist also keine neue Geschichte, sondern wurde einfach noch einmal extra ausgekoppelt.

Im Grunde handelt es sich dabei um eine Mini-Fortsetzung von „Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben“. Aber es ist halt „nur“ eine Kurzgeschichte, kein ganzes Buch.

Geschichten zum Tag: 26.07. – Der Erfurter Latrinensturz

Am 26. Juli 1184 kam es zu einem äußerst unappetitlichen Zwischenfall, der mehreren Menschen das Leben kostete.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa – seines Zeichens Oberbimpf des Heiligen Römischen Reiches, welches eigentlich wenig römisch war, aber lassen wir das jetzt mal beiseite – schickte seinen Sohn, König Heinrich – den späteren Kaiser Heinrich VI. – in Richtung Polen, um denen mal zu zeigen, wo der Hammer hängt. Auf dem Weg dahin kam Heinrich in Erfurt vorbei, wo man ihn – immerhin war er ja König und hatte was zu sagen – darum bat, einen Streit zwischen dem Erzbischof von Mainz, Konrad von Wittelsbach, und dem Landgrafen Ludwig III. von Thüringen zu schlichten. Im Grunde ist es unwichtig, warum die sich stritten, aber ganz kurz: Ein paar Jahre zuvor gab es etwas Stress mit Heinrich dem Löwen und Ludwig III. war erst auf dessen Seite, später aber nicht mehr. Konrad wollte nun irgendwelche Reparationen von ihm und Ludwig sagte ihm aber »Geh doch, wo du wohnst!«

Heinrich kam also nach Erfurt und nistete sich also in der Dompropstei ein, so etwas wie die Verwaltung des Domes, um sich anzuhören, was die beiden zu sagen hatten. Den großen Versammlungsraum hatte man im zweiten Stock, denn ganz unten befand sich eine Latrinengrube und wegen des Geruchs wollte man möglichst weit davon entfernt sein. Es ist halt schwer, Entscheidungen zu treffen, wenn einem der Geruch von Exkrementen in die Nase steigt. Schöne Wasserleitungen hatte man damals noch nicht, denn auch wenn die Römer schon ordentliche öffentliche Kloaken hatten, hatte man im Mittelalter im Land, das sich im Namen noch immer auf das Römische Reich bezog, einfach irgendwelche Gruben, die man einfach vollschiß, bis es nicht mehr ging, um dann an anderer Stelle die nächste Grube auszuheben.

Das Gebäude, in dem man sich befand, gab es auch schon eine Weile. Die Grube hatte man vorsorglich auch in ordentlicher Größe angelegt und hatte über die Jahre eifrig davon Gebrauch gemacht. Um es mal so auszudrücken: Vielleicht hätte das Gebäude mal eine Restauration gebraucht und die Scheiße im Keller hatte Schwimmbadgröße.
Heinrich setzte sich also im zweiten Stock in die Fensternische, wo er schön alles überblicken konnte. Er selbst hatte natürlich eine ordentliche Entourage dabei, weil man als König natürlich etliche Leute braucht, die einem sagen, wie toll man ist. Konrad von Wittelsbach als Erzbischof und der Landgraf Ludwig III. hatten natürlich auch etliche Leute dabei, als die in den zweiten Stock der Dompropstei gingen, um da vor dem König zu stehen und Dinge sagten wie:
»Der ist doof!«
»Gar nicht!«
»Wohle!«
»Du bist viel dööfer!«
»Manno!«
Und so weiter.

Mitunter gab es irgendwelche Leute, die vielleicht sagten: »Sach ma, die Bohlen von dem Raum hier sind aber auch nicht mehr wirklich frisch, wa? Dit knarzt ganz schön?«
»Ja, und?«
»Vielleicht sollten hier nicht so viele Leute in dem Raum sein?«
»Ach, das Ding gibt es doch schon seit 1154.«
»Ist da nicht vorher schon mal eine Kirche eingestürzt?«
»Was hat das jetzt damit zu tun?«
»Ich will ja nur sagen, wenn hier schon mal was eingestürzt ist, dann kann das doch hier vielleicht auch…«
»Mal doch nicht immer gleich den Teufel an die Wand.«
»Ich sag ja nur, dass man mal so etwas wie eine Bauaufsicht machen sollte, um …«
Leider wurde das Gespräch dadurch unterbrochen, dass plötzlich der Holzfußboden unter ihnen nachgab. Und damit ist nicht gemeint, dass da an einer Stelle plötzlich ein Loch war. Nein, praktisch der gesamte Raum sagte plötzlich »Ja, uff erstmal!« Und beschloss dann, einen Abgang zu machen.
Heinrich freilich saß in der Fensternische auf dem kleinen Teil des Raumes, der gemauert war, als plötzlich alle vor ihm verschwanden. Vermutlich dachte er: »Ey, hättet ja wenigstens Tschüss sagen können!«

Die gesamte Gesellschaft, über 60 Leute, war also ein Stockwerk heruntergefallen, was schon schlimm genug gewesen wäre. Dummerweise war der Raum da aber ganz ähnlich gestaltet und der Fußboden, der ebenfalls aus Holz bestand, sagte: »Also wenn schon mein Kumpel oben nachgegeben hat, dann mach ich das einfach auch!«
Der Boden im ersten Stock krachte also abermals unter dem Gewicht zusammen und die Adeligen fielen ein weiteres Mal hinunter.
Und dort befand sich, wie bereits beschrieben, die Abtrittgrube.

Über 60 Leuten stand also von einem Moment auf den nächsten die Scheiße bis zum Hals. In dem Fall ganz buchstäblich. Und nicht nur bis zum Hals, sondern zum Teil auch deutlich über den Köpfen. Das Problem war nämlich, dass die Wenigsten im Mittelalter gelernt hatten zu schwimmen. Ich meine, ein paar Jahre später ertrank sogar der Kaiser auf dem Kreuzzug. (Und wurde hinterher ordentlich gekocht, um nur seine Knochen mitschleppen zu müssen, aber das ist eine andere Geschichte.)
Also gluckerte einer nach dem anderen in der Grube weg. Nur sehr wenige, die den Sturz bzw. die Stürze überlebt hatten, schafften es da heraus. Einer von ihnen war Landgraf Ludwig III. Auch Konrad von Wittelsbach hatte die Katastrophe überlebt, wobei bei ihm unklar ist, ob er überhaupt hinunter in die Grube gefallen ist. Bei Ludwig III. ist zumindest sicher, dass er sich buchstäblich aus den Fäkalien gekämpft hat. Vermutlich haben die beiden Streithähne hinterher gesagt: »Ja, jut, da ist jetzt genug Scheiße passiert, vielleicht lassen wir das einfach. Und auch die Wortspiele.«
König Heinrich saß derweil oben in seiner Fensternische und konnte seinen Untertanen beim Ertrinken im Abort zusehen. Dummerweise kam er auch nicht weg. Der Weg zum Ausgang war buchstäblich weggebrochen. Man rettete ihn später durch ein paar Leitern. Letztlich ist er dann auch recht schnell aus Erfurt verschwunden. Dringende Geschäfte …

Er war dann noch kurz in Halle, wo man ihn fröhlich begrüßte und die Glocken läuteten, bis da plötzlich die Stricke bei den Glocken rissen. Da hatte er dann schon das Gefühl, dass irgendwie alles nicht so super lief. Glücklicherweise kamen dann aber ein paar Gesandte der Polen, man sagte »Ist schon eine beschissene Situation, ne?« und schloss Frieden.
Heinrich, Konrad und Ludwig zogen danach erstmal nach Italien. Vermutlich brauchte man etwas Urlaub.

Das Unglück vom 26.07.1184 ist heute unter dem Namen »Erfurter Latrinensturz« bekannt.

Mariä Himmelfahrt

Heute ist der 15. August und an diesem Tag feiern mehrere christliche Konfessionen »Mariä Aufnahme in den Himmel«, auch »Mariä Himmelfahrt« oder in den Ostkirchen auch »Hochfest des Entschlafens der allheiligen Gottesgebärerin« genannt, weil das besser über die Zunge geht. Mancherorts ist das sogar ein Feiertag, damit man genug Zeit hat, sich im Gedenken an sie ordentlich einen anzulöten.

Nun kann man sich fragen: Was genau soll denn Mariä Himmelfahrt sein und warum zum Teufel schreibt man die mit »ä«?

Beantworten wir mal den zweiten Teil zuerst: Im Lateinischen spricht man von der Jungfrau Maria als »Mariae virginis«. Irgendwer, der das übersetzen sollte, meinte dann wohl, dass man das »e« nicht unterschlagen sollte und weil »ae« im Deutschen eben »ä« ergibt, sagt man noch heute »Mariä«. Natürlich hätte damals jemand dem Übersetzer auch eine über die Rübe ziehen können, damit der seinen Job richtig macht, aber Gläubige sind ja friedfertig – zumindest wenn sie nicht gerade mit Andersgläubigen zu tun haben – weswegen das vielleicht keiner wollte.

Ansonsten ist der Name bei »Mariä Himmelfahrt« schon Programm: Sie soll an dem Tag in den Himmel aufgefahren sein. Mit Leib und Seele. Sagte zumindest mal Bischof Kyrill von Alexandrien im frühen fünften Jahrhundert, also vierhundert und ein paar zerquetschte Jahre nach dem Tod von Jesus und vermutlich seiner Mutter, weil man das da noch so gut im Gedächtnis hatte.
Kyrill war maßgeblich daran beteiligt, dass man Maria als »Gottesmutter« sah. Das hatte er durch Bestechung und Gewalt erreicht, denn … so macht man das halt als guter Christ. Und weil er das schon mal erreicht hatte, meinte er auch gleich noch: »Irgendwie müssen wir die doch auch feiern, meint ihr nicht?«
Und alle sagten: »Also wenn wir damit wieder eine Gelegenheit für Sauf- und Fressgelage kriegen… klar! Was genau wollen wir denn feiern? Ihren Geburtstag?«
»Weiß doch kein Schwein, wann das war.«
»Wann sie gestorben ist, weiß doch auch keiner.«
»Stimmt. Aber bei Gedenken hat man halt in erster Linie den Tod im Kopf, oder?«
Alle nickten.
»Aber wann wollen wir das denn machen? Ist ja nicht so, als ob da in der Bibel irgendwas konkretes steht. «
Daraufhin sagte Kyrill: »Am 15. August ist doch so ein römisches Fest, Feriae Augusti. Da die Römer ohnehin auf dem absteigenden Ast sind, können wir das doch übernehmen und die Leute wissen schon mal, das an dem Datum gefeiert wird.«
Und alle so: »Mensch, tolle Idee, du.«
Also im Grunde nahm man einen römischen Feiertag, an welchem dem Sieg von Augustus über Marcus Antonius und Kleopatra gedacht wurde, zu einem christlichen Feiertag, weil da die Mutter Gottes vielleicht-aber-eigentlich-nicht gestorben war. Oder zum Himmel auffuhr. Wichtiger Unterschied. Für manche.

Über die Jahrhunderte hinweg hat man das immer ordentlich gefeiert, dennoch war es für manche ein Problem, dass die Aufnahme von Maria in den Himmel in der Bibel bestenfalls als »schwammig bis nicht vorhanden« beschrieben werden konnte.
Glücklicherweise gibt es in der Kirchenlehre etwas, dass sich »Dogma« nennt. Ein Dogma ist eine feststehende Definition oder eine grundlegende Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich gilt. Und da 1870 der damalige Papst mal gesagt hatte, dass er und alle anderen Päpste in Kirchenfragen alles besser wissen und deswegen gefälligst alle anderen die Fresse zu halten haben, konnte Papst Pius XII. am 01. November 1950 sagen: »Leute, Maria wurde in den Himmel aufgenommen. Und weil ich das sage, is dat so!«
Papst Pius XII. war übrigens auch der Papst, der sich im Zweiten Weltkrieg eher beiläufig bis gar nicht zu den Verbrechen der Nazis äußerte. Also ein ganz patenter Typ.

Um das Ganze etwas zusammenzufassen:
Heute ist ein Feiertag, der auf einem umfunktionierten römischen Fest basiert, dessen Grundlage zumindest nicht an diesem Tag oder überhaupt stattfand, sanktioniert von einem Typen, der sich fragwürdig zur Nazizeit verhalten hat.

Da wünschen wir doch allen viel Spaß!

Geschichten zum Tag: 04.07. – Der amerikanische Unabhängigkeitstag

Jedes Jahr Anfang Juli fängt der durchschnittliche US-Amerikaner an, besonders stolz auf sein Land zu sein. Nicht, dass er es nicht auch sonst wäre, aber da nimmt das Ganze noch ganz andere Dimensionen an. Immerhin ist da doch vor Jahren was passiert! Aber was genau? John oder Joan Normalamerikaner hat da mitunter die wildesten Theorien!
»Da kam Jesus auf die Erde und Amerika gegründet!« – falsch, John, aber es geht halbwegs in die richtige Richtung. Diese ganze Gott-Sache, solltest du vielleicht weglassen.

Also, was ist am 04. Juli 1776 passiert? Und dazu vielleicht etwas Vorgeschichte?

1492 war ein gewisser Italiener namens Kolumbus im Auftrag von Spanien in Richtung Westen gesegelt. Da hat er dann Land entdeckt, das für Indien gehalten und die Einwohner der Inseln, die er da getroffen hatte, einfach mal als »Indianer« bezeichnet. Weil das ja »Indien« war.
Und die amerikanischen Ureinwohner sagten: »Wat?«

Ein paar Jahre später erforschte ein anderer Italiener die Küste der »Indianischen Inseln«, wie man zunächst dachte. Der sagte dann irgendwann: »Leute, dit is nich Indien. Dit is’n neuer Kontinent.«
Und der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller sagte daraufhin: »Mensch, dit hat der ja super erkannt. Ick zeichne den ganzen Rotz jetzt mal auf und dann nenne ich den Kontinent nach dem Typen, der entdeckt hat, dass dit’n Kontinent is. Also Vespucci.«
Und die amerikanischen Ureinwohner sagten: »Wat?«
Und Waldseemüller sagte: »Ja, jut, geht nicht so ins Ohr. Vielleicht lieber den Vornamen von dem Typen. Amerigo. Nee, wartet mal … wir nennen dit Ganze Amerika.«
Und die amerikanischen Ureinwohner sagten: »Wat?«

Danach dauerte es dann nicht lange, bis einige Länder, vor allem die mit großen Seestreitkräften, nach Amerika fuhren und hier und da sagten: »Dit gehört jetzt allet uns!«
Und die amerikanischen Ureinwohner sagten: »Wat?«

An der Ostküste des Nordteils des neuen Kontinents machten sich dann vor allem die Briten breit und gründeten mehrere Kolonien. Und weil Briten damals ja besonders bekannt dafür waren, supertolerant gegenüber den Ureinwohnern der Länder zu sein, in die sie einfielen, gab es schon relativ bald Stress mit denen. Um die britischen Siedler zu schützen, schiffte man also lauter Soldaten über den Atlantik, die natürlich alle ausgerüstet und versorgt werden mussten. Was nicht unbedingt billig war.
Noch mehr Soldaten mussten dann rübergeschafft werden, als sich mal wieder die Franzosen und die Briten gegenseitig die Köpfe einschlugen. Das taten sie nämlich mitten in Europa, im Siebenjährigen Krieg, als auch in Nordamerika, wo man sich darum stritt, wer jetzt wo den Ureinwohnern Land wegnehmen durfte.
Wenig überraschend sagten die amerikanischen Ureinwohner dazu: »Wat?«
Allerdings kämpften sie auch auf der einen oder anderen Seite mit, trugen also ihren Teil zu dem ganzen Mist bei.
Irgendwann war dann auch mal genug mit dem Krieg. Die Franzosen ließen die Briten an der Ostküste machen und verzogen sich hinter den Mississippi, wo sie dann eigentlich auch keine Ahnung hatten, was sie da sollten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der wichtige Punkt war eigentlich, dass die ganze Kriegsführerei die britische Staatskasse arg strapaziert hatte. In Großbritannien selbst war es aber schwierig, mehr Geld aufzutreiben. Stattdessen schaute man nach Amerika, wo die Siedler erheblich weniger Abgaben hatten als die Leute, die in der Heimat geblieben waren. Im Grunde hatte man damals gesagt: »Passt uff, ihr geht nach Amerika, siedelt vor euch hin und zahlt praktisch keine Steuern, dafür müsst ihr halt gegebenenfalls damit rechnen, den Schädel von irgendwelchen Ureinwohnern gespalten zu kriegen.«
Und es gab genug Leute, die das okay fanden.
Aber es gab ja auch genug Leute, die das nicht nur okay fanden, sondern meinten: »Ey, scheiß auf die Einigungen mit den Ureinwohnern, ich will jetzt das Land von denen haben, denn das ist viel cooler als das andere Land und überhaupt!«
Also gab es wieder Stress mit den Ureinwohnern, mehr Soldaten mussten geschickt werden etc. pp.

Das britische Parlament sagte also irgendwann: »Wenn die blöden Siedler da nich mit die Indianers klarkommen, dann sollen se halt wenigstens Geld für den Unterhalt von den Truppen beisteuern.«
Man erließ verschiedene Steuern, die immer noch weit unter dem lagen, was die Briten in der Heimat zu zahlen hatten.
Dennoch sagten die Kolonisten: »Leute, jetzt hackt’s!«
»Wat habta denn?«, fragte das Parlament.
»Wenn wa schon besteuert werden, wollen wir wenigstens auch im Parlament vertreten sein!«
»Pfft, ihr könnt doch wählen, wenn ihr wollt.«
»Ey, schon mal gemerkt, dass unsere Wahlunterlagen alle viel zu spät ankommen, WEIL DA EIN VERDAMMTER OZEAN ZWISCHEN UNS LIEGT?«
»Ihr sagt das so, als wäre das unser Problem.«
»Alter!«

Danach gab es dann immer wieder mal Proteste, von denen zwei besonders hervorzuheben sind.
Am 5. März 1770 beschwerte sich in Boston ein Perückenmacherlehrling bei einer Wache, dass ein Offizier seine Friseurrechnung nicht bezahlt hatte. Nach über einer Stunde Gebrüll des Lehrlings, watschte ihm die Wache kräftig eine und meinte: »Sieh zu, dass du Land gewinnst.«
Daraufhin kehrte der Lehrling mit mehreren Kumpels zurück und brüllte die Leute von der Wache noch mehr an. Die Kolonisten warfen mit Schneebällen und beschimpften die Wachen, wobei vermutlich irgendwelche Sätze fielen, in denen Wörter wie »Treibe Unzucht mit dir selbst« und »deine Mutter« enthalten waren.
Die Menschenmenge schwoll an, ein Wort gab das andere, irgendwann haute jemand einen Typen von der Wache und dann fielen Schüsse. Fünf Leute starben, sechs wurden verletzt. Im anschließenden Prozess wurden die Wachen, die geschossen hatten, aber freigesprochen, weil durch eine Bedrohung der Soldaten durch die Menge ausgegangen werden musste.
Wenig überraschend sagten die Bostoner: »Wat?«

Am 16. Dezember 1773 hatten dann einige Bostoner genug, verkleideten sich als Ureinwohner, stürmten ein paar Schiffe der East India Company und warfen dann über 300 Kisten mit Tee ins Wasser.
Und mit »verkleiden« meine ich, dass sich die Leute z.T. eine Feder an den Hut steckten und sagten: »Guck ma, isch bin Indianer.«
Da ist niemand im Lendenschurz rumgerannt, weil es nämlich arschkalt war. Aber man wollte mit der »Verkleidung« wohl irgendwie symbolträchtig sein. So nach der Art »Wir werden von der Krone so schlecht behandelt wie die Ureinwohner von uns! Dit kann ja wohl nich sein, wa?«

Da es für Briten nichts Schlimmeres gibt, als wenn irgendwer am Tee rumpfuscht, war man in Großbritannien natürlich etwas ungehalten. Der König war sogar »not amused«. Manche mögen sogar behaupten, dass er »Wat?« gesagt habe.
Jedenfalls war man auf die Kolonien nicht mehr sehr gut zu sprechen und verabschiedete ein paar Gesetze, die als »Intolerable Acts« (Unerträgliche Gesetze) in die Geschichte eingingen.
So schloss man z.B. den Hafen von Boston für den Handel und sagte »Seht doch zu, wo ihr Zeuch herkriegt, Ihr *hier unflätiges Wort einsetzen*!«
Dann nahm man Massachusetts die Eigenverwaltung, stellte alles wieder unter die Verwaltung der Krone und sagte: »Versammeln is nich mehr!«
Außerdem beschloss man noch, dass irgendwelche britische Truppen zu Leuten nach Hause gehen konnten und sagten »Ey, ich wohne jetzt hier«, gewisse Landstriche ganz anderen Kolonien zugesprochen wurden – man konnte sich also nicht mehr so breitmachen, wie man wollte – und als Sahnestück obendrauf, dass Rechtsstreitigkeiten nicht mehr in den Kolonien verhandelt werden durften, sondern nur noch in der Heimat.
»Ey, aber wenn ich erst Monate über den Ozean fahren muss und dann die Verhandlung stattfindet, wer kümmert sich dann um mein Geschäft? Ich verliere ja meinen ganzen Lebensunterhalt!«
»Ist uns doch egal, Du Nulpe!«

Im Grunde zeigte also das britische Parlament und der König den Kolonisten den Stinkefinger … und umgekehrt. Die Kolonisten setzten sich dann irgendwann mal zusammen, um darüber zu beraten, wie man denn damit umgehen sollte. Das Ganze nannten sie den »Ersten Kontinentalkongress«, was schon ein halber Schritt in Richtung Regierungsbildung in den Kolonien war, obwohl die meisten Kolonisten zu dem Zeitpunkt nicht an Unabhängigkeit, sondern Gleichberechtigung interessiert waren. Auf dem Kongress beschloss man, dass man eine eigene Miliz – also praktisch eine Armee – gründen sollte, die ggf. den britischen Truppen auf die Finger haut, wenn da irgendwo was schief lief. Außerdem wollte man, wenn die »Intolerable Acts« nicht aufgehoben würden, britische Waren boykottieren und vor allem auch nichts mehr von den Kolonien nach Großbritannien liefern.
Und die Briten sagten: »Wat?«

Und dann gab es ein paar Gefechte zwischen Briten und Kolonisten, wobei die Kolonisten zunächst nicht sonderlich gut aussahen. Aber Frankreich schaute auf die Entwicklung und sagte: »Ha! Wenn wir damit den blöden Briten eins auswischen können, schicken wir euch Waffen und Kram.«
Und so wurde es bei den Gefechten dann wieder ausgeglichener.

Irgendwann setzten sich die Kolonisten dann noch einmal zusammen und nannten das »Zweiter Kontinentalkongress«. Alle Kolonien schickten ein paar Abgesandte, die diskutierten. Es war praktisch schon ein amerikanisches Parlament. Und weil mittlerweile niemand mehr so richtig gut auf die Briten zu sprechen war, überlegte man, ob man nicht die Unabhängigkeit anstreben sollte.
»Wat is? Unabhängigkeit?«
»Jau.«
»Ey, John Adams, du kannst doch gut mit Worten, setz‘ doch mal’n Wisch auf, wo wir dem König sagen, wo er sich sein Zepter hinstecken kann.«
»Nee, laß mich in Ruhe mit dem Scheiß. Soll Thomas Jefferson das doch schreiben.«
»Thomas?«
»Wat is?«
»Mach ma.«
»Ja, wat jetzt genau?«
»Na, schreib mal auf, dass die Briten doof sind, wir unser eigenes Ding durchziehen und wat die Leute in unserem Land so für Rechte haben sollten.«
»Ja, welche denn so zum Beispiel?«
»Na … alle.«
»Also so … Leben?«
»Ja, sicher.«
»Freiheit?«
»Selbstredend.«
»Alle Leute sind gleich?«
»Jau.«
»Wirklich alle?«
»Jau.«
»Wie jetzt? Auch Schwarze?«
»Nee, die natürlich nich.«
»Und Indianer?«
»Nee, auch nicht.«
»Soll ich das also irgendwie gesondert aufschreiben, dass alle gleich sind, außer …«
»Nee, das klingt ja auch blöd.«
»Ich will das nur geklärt wissen, denn ich hab ja Sklaven, und wenn die plötzlich gleich und vor allem frei wären …«
»Ja, nee, schon klar, aber wenn wir da jetzt noch einen Absatz einfügen, für wen das jetzt alles nicht gilt, was macht das dann für einen Eindruck? Da kümmern wir uns irgendwie später drum.«
»Es wäre halt blöd, wenn da irgendwer gerne mit der einen Sklavin rumschnackseln will und die dann plötzlich frei wäre und sagen könnte ‚Nee‘.«
»Wat?«
»Wat?«
»Das war jetzt merkwürdig spezifisch.«
»Okay, ich schreib einfach, das alle gleich sind, frei sein dürfen und das irgendwie das Volk über alles entscheiden soll, kein König oder so.«
»Jau, dat klingt doch jut.«

Thomas Jefferson schrieb also die Unabhängigkeitserklärung und ein paar andere schauten noch mal drüber und sagten »Jau, geht schon.«
Am 02. Juli 1776 stimmte man dann darüber ab. und sagte: »Jau, dann sind wir mal unabhängig, wa?«

Moment … am 02. Juli 1776? Wenn das da schon beschlossen wurde, warum wird dann der 04. Juli als Unabhängigkeitstag gefeiert?

Man hat am 02. Juli 1776 zwar abgestimmt, sagte dann aber zu Jefferson: »Ey, da müssen wir aber noch mal an den Text ran.«
»Leute, wir haben buchstäblich gerade darüber abgestimmt.«
»Ja, aber da fehlt halt ein Komma! Und hier ein Viertel von dem Text ist doch eigentlich überflüssig.«
»Alter, ich hab schon’n Krampf in der Hand!«
»Jetzt mach schon.«

Zwei Tage später, am 04. Juli, legte man dann das überarbeitete Dokument vor und der Präsident des Kontinentalkongresses, John Hancock, setzte seine Unterschrift drunter. Damit war dann das Dokument sozusagen rechtsgültig.
Im Anschluss fragten dann noch ein paar andere Delegierte, ob sie nicht auch darunter unterschreiben könnten.
John Hancock war erbost: »Leute, wichtig war doch, dass ich den Wisch als Vorsitzender unterzeichne. Ob ihr da noch unterschreibt oder nicht, ist doch vollkommen wurscht.«
»Ja, aber wir möchten doch so gerne.«
»Meine Fresse, ich dachte ich bin der einzige Unterzeichner. Deswegen habe ich da jetzt so groß unterschrieben.«
»Macht doch nüscht. Unterschreiben wir halt etwas kleiner.«
»Aber wie sieht dit dann aues?«
»Können wir da jetzt unterschreiben oder nicht?«
»Ach, macht doch wat ihr wollt. Ist ja ein freies Land, wa?«
Dann hat man vermutlich das ein oder andere alkoholische Getränk zu sich genommen, die Unabhängigkeitserklärung drucken lassen und dem König in Großbritannien auf den Tisch geknallt, der daraufhin sagte: »Wat?!«

Übrigens hatte die große Unterschrift von John Hancock später noch Folgen. In den USA gibt es eine Redewendung, die man benutzt, wenn man etwas unterschreibt: »Setz‘ mal deinen John Hancock drunter«. Quasi wie man bei uns seinen »Kaiser Wilhelm« druntersetzt.

Die Amerikaner feiern also heute ihren Unabhängigkeitstag, weil an dem Tag ein Typ einen Wisch unterschrieben hat, den man zwei Tage zuvor beschlossen hatte. Und lauter andere Typen, die auch unbedingt unterschreiben wollten, unterschrieben zum Teil erst viel später. Aber es war schön genug, damit man an dem Tag ordentlich die Vögel mit Feuerwerk erschrecken kann, ein halbes Rind auf den Grill schmeißen und sein halbautomatisches Gewehr in die Luft ballern kann. Immerhin haben ja in Amerika alle Rechte. Nur Ausländer vielleicht nicht. Oder Schwarze. Oder Frauen.
Aber man hat das Recht, strunzdoof zu sein. Ist doch auch was.

Geschichten zum Tag: 17.06. – Der Aufstand vom 17.Juni 1953

Die meisten Leute denken, wenn man sie auf den »Tag der deutschen Einheit« anspricht an den 03. Oktober. Und an die Tatsache, dass sie da nicht arbeiten müssen.
»Da war’sch hackedicht!«
Ja, danke, aber darum geht es nicht.
Der 03. Oktober liegt nahe, weil das nun einmal der Tag ist, an dem West- und Ostdeutschland wiedervereinigt wurden. Jahrelang war der »Tag der deutschen Einheit« aber eigentlich der 17. Juni. Allerdings nur im Westteil. Aus Gründen. Die ich jetzt näher ausführen will.

Nachdem Deutschland sich ein paar Jahre zuvor quasi als Riesenarschloch herausgestellt und mal eben den Großteil der Welt in einen Krieg verwickelte hatte, bekam es bis 1945 so viel auf die Mütze, dass man letztlich sagte »Ja, uff ey.«
Daraufhin schauten sich die Siegermächte an und sagten »Hm, wat machen wir denn jetzt mit denen? Allein lassen kann man die Leute in Deutschland ja offensichtlich nicht. Das war jetzt schon das zweite Mal, dass die Scheiße bauen.«
Zur Erinnerung: Bei den Siegermächten handelte es sich um die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und aus irgendwelchen Gründen, die eigentlich keiner so richtig verstand, auch Frankreich. Vermutlich wollte man dem Land, welches mehr oder weniger von Anfang des Krieges bis 1944 von Deutschland besetzt war sagen »Okay, darfst du auch mal was sagen.« Oder man wollte die Leute, die Großbritannien und die USA im Krieg gegen Deutschland unterstützt haben, irgendwie belohnen. Weswegen man dann aber die Niederlande und Polen etc. rausgelassen hat … tja. Vielleicht haben die Franzosen besser gekocht. Was weiß ich.
Die Siegermächte, auch Alliierte genannt, teilten also Deutschland unter sich auf und bekamen Gebiete zugesprochen, in denen sie sagen konnten, wo der Hammer hängt, die sogenannten Besatzungszonen. Die Briten kümmerten sich grob gesagt um den Norden (also ungefähr das, was heute Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist), die USA um den Süden (Hessen, Bayern und Teile von dem, was heute Baden-Württemberg ist), Frankreich um den Westen (Rheinland-Pfalz, Saarland, Teile Baden-Württembergs) und die Sowjetunion um das, was mal die DDR werden sollte. Ein Sonderding fuhr man in Berlin, wo man die Stadt allein noch einmal in vier Besatzungszonen aufgeteilt hatte. Vermutlich weil man dachte, dass die Berliner die Schlimmsten von allen waren. Als Berliner würde ich das sogar unterschreiben.
Ursprünglich sollten die ganzen Zonen streng voneinander getrennt bleiben, allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Idee vielleicht nicht ganz so toll war. Die Briten hatten mit Nordrhein-Westfalen das große Industriegebiet und die USA mit dem Süden Deutschlands den Großteil der Agrarwirtschaft und beide konnten irgendwie nicht unabhängig voneinander wirklich auskommen.
Also sagten die Briten und die USA: »Wat is’n, wenn wir aus den ganzen Zonen so einen vereinigten Wirtschaftsraum daraus machen, denn sonst ist ja auch irgendwie blöd, oder?«
Und Frankreich und die Sowjetunion sagten: »Habt ihr sie noch alle? Im Grunde wäre das ja dann wieder ein Deutschland. Haben wir ja gerade gesehen, was die zusammen dann so machen.«
Daraufhin sagten die Briten und die USA: »Egal, dann machen wir aus unseren beiden Zonen eben einen vereinigten Wirtschaftsraum mit Kapitalismus und allem Pipapo und so. Das Ganze nennen wir dann einfach Bizone.«
Die Bizone wurde dann Anfang 1947 offiziell, sehr zum Unmut vor allem der Sowjetunion, die in ihrer Besatzungszone mit Kapitalismus und dergleichen nicht viel am Hut hatte und alles eher nach dem eigenen Vorbild gestalten wollte. Generell konnten sich die Westmächte und die Sowjetunion nicht mehr so wirklich gut leiden, weswegen die Zusammenarbeit zunehmend schwierig wurde. Das lag natürlich überwiegend an Josef Stalin, der die Sowjetunion als totalitärer Diktator beherrschte und dabei wenig freundlich vorging. Die Westmächte, die eher nach dem Motto lebten »Vielleicht ist Demokratie gar nicht so schlecht und das Umbringen von irgendwelchen Völkern, besonders dem eigenen, keine so gute Idee«, hatten mit den Ansichten Stalins da so ihre Probleme.
Die Zusammenarbeit wurde so schwierig, dass irgendwann selbst Frankreich sagen musste: »Mon Dieu! Dann packen wir jetzt unsere Besatzungszone mit zur Bizone, dann wird daraus halt eine Trizone!«
Und weil es ja auch irgendwie doof war, dass das Geld in Deutschland praktisch keinen Wert hatte, führte man in der Trizone eine Währungsreform durch und geboren war die Deutsche Mark. Als die dann auch in West-Berlin eingeführt wurde, fanden das Stalin und die Sowjetunion blöd.
»Wat seid ihr doch für Spalter! Dafür blockieren wir jetzt Berlin!«, sagten die Sowjets.
Dann kam die Berlin-Blockade und die Westmächte belieferten West-Berlin aus der Luft mit Lebensmitteln und allem möglichen Kram, bis die Sowjetunion sagte: »Manno.«
Deutschland war also zu diesem Zeitpunkt nicht nur besatzungszonenmäßig, sondern auch wirtschaftlich gespalten. Letztendlich zeigten sich die Westalliierten und die Sowjetunion gegenseitig die Stinkefinger und so wurden 1949 zuerst die Bundesrepublik Deutschland und dann die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Die komplette Spaltung Deutschlands war vollzogen.

Soweit zum Vorgeplänkel. Die eigentliche Vorgeschichte zum 17. Juni 1953 begann allerdings etwa ein Jahr zuvor, im Jahr 1952.

Das mit der Spaltung von Deutschland war zwar blöd, ging aber bis dahin mehr oder weniger gut. Während es im Westen mit der Wirtschaft langsam bergauf ging, hatte man im Osten vor allem damit zu kämpfen, dass man alles nach Stalins Vorbild gestalten wollte. Im Grunde hatte man die Bilder von Hitler mit den Bildern von Stalin ausgetauscht und meinte »Hier, der Typ, der alle möglichen Leute umbringen lässt, ist viel cooler als der andere Typ, der früher alle möglichen Leute hat umbringen lassen.«

Etliche Leute in der DDR schauten sich an, wie es lief und sagten sich »Vielleicht gehe ich lieber in den Westen, zumindest kriege ich da was zu essen und ordentliche Kippen!«
Ende Mai 1952 machte aber die DDR die Grenze dicht. Zu den Leuten sagte man sinngemäß: »Wie wäre es denn, wenn ihr hierbleibt und gefälligst arbeitet! Und, äh, nicht von den Faschisten im Westen, äh, verführt werdet.«
Und die Leute sagten: »Grmpf.«

Die herrschende »Sozialistische Einheitspartei Deutschland«, kurz SED, unter Walter Ulbricht kam dann im Juli 1952 zur Parteikonferenz zusammen, wo man den »planmäßigen Aufbaus des Sozialismus« beschloss. So richtig hatte die Partei aber anscheinend keinen Plan, oder zumindest keinen guten, denn alles was beschlossen wurde, stieß im Grunde auf recht wenig Gegenliebe bei den Arbeitern und Bauern des Arbeiter- und Bauernstaats.
Zu den Dingen, die beschlossen wurden, gehörte u.a.

  • der Aufbau einer Armee, weil man sich vor den bösen, bösen Westmächten schützen musste, obwohl man früher meinte, dass kein Deutscher mehr eine Waffe tragen sollte
  • die Einführung eines Arbeitsdienstes für Jugendliche
  • eine Hetzkampagne gegen Christen und das Ausschließen von Christen in der höheren Bildung
  • eine Bodenreform, in welcher den Bauern praktisch gesagt wurde, dass sie alle doof sind und gefälligst in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) zusammenkommen sollten
  • mehr Steuern für Handwerker und Gewerbetreibende, denn warum zum Teufel sind die nicht für staatliche Betriebe tätig und überhaupt
  • die Ahndung von kleineren Vergehen mit Zuchthausstrafen, denn das hebt die Stimmung
  • die Förderung der bisher in Ostdeutschland praktisch nicht vorhandenen Schwerindustrie und die gleichzeitige Schwächung der Produktion von Konsumgütern

Der eigentlich größte Knaller war allerdings, dass man einfach mal so beschloss, die Normen in der Produktion zu erhöhen.
»Wat soll denn dit heißen?«
»Na, ihr sollt alle mehr arbeiten.«
»Kriegen wir dafür mehr Geld?«
»Nee, natürlich nicht.«
»Wie, natürlich nicht?!«
»Ey, wir wollen hier den Sozialismus aufbauen.«
»Ihr wollt also weniger Konsumgüter herstellen, so dass wa nüscht mehr wirklich einkaufen können und ick soll mehr arbeiten und dafür weniger Geld kriegen?«
»Höre ich da etwa Kritik an der Partei? Die Partei hat immer Recht.«
»Ach?«
»Wir können die Diskussion auch im Zuchthaus fortsetzen.«
»Nee, lass ma.«

Man hatte also das Land dichtgemacht, für alle das Arbeitsleben verschlimmbessert, kriegte die Versorgung nicht auf die Reihe und sah irgendwie nicht ein, dass die ganze Idee von der Planwirtschaft vielleicht nicht die beste war.
»Wenn wir sagen, dass ein Feld soundsoviel Ertrag erwirtschaftet, dann ist das gefällgst so!«
»Leute, so funktioniert die Natur aber nicht!«
»Komm mal mit, wir haben hier eine nette Zelle für dich.«

Hier und da kam es in der DDR zu Streiks in Bezug auf die Normenerhöhung. Die Rädelsführer werden oftmals festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. Und größtenteils auch bald wieder freigelassen, nachdem sich alles wieder beruhigt hatte. Aber die Beruhigung war nur kurzfristig. Zufrieden waren die Arbeiter natürlich trotzdem nicht.

Am 5. März 1953 starb dann auch noch Stalin nach einem ordentlichen Saufgelage auf seiner Datscha. Die Führungsriege in der Sowjetunion wechselte und auf der ganzen Welt, aber besonders in den Ostblockstaaten, schaute man, wie die Sowjetunion weiter agieren würde. Würde alles etwas entspannter werden oder nicht? Eine der größten Fragen war: Wie würde sich die neue Führung in Bezug auf die DDR verhalten?
Nun, die neue Führungsspitze hatte ganz klar gesehen, dass das, was die SED in der DDR machte, irgendwie Bullshit war und zitierte eine Delegation der SED-Führungsriege nach Moskau, darunter auch Walter Ulbricht. Denen zog man dann kräftig am Ohr und sagte denen, als würden sie mit einem Lausebengel reden: »Leute, so geht dat nicht. Wollt ihr in zwei Wochen auch noch einen Staat haben?«
Und die SED sagte: »Na ja, aber wenn wir jetzt alles rückgängig machen, sehen wir doch aus wie Deppen, könnten wir da nicht …«
»Macht gefälligst was wir euch sagen.«
»Okay.«

Die SED nahm also ein paar Maßnahmen zurück, was dazu führte, dass die Bevölkerung den Eindruck hatte, die Regierung weiß nicht so recht, was sie tut. Kommt schon irgendwie doof rüber, wenn die Partei, von der im Lied »Die Partei hat immer recht« gesungen wird, plötzlich Fehler eingesteht.
Man machte also einige der Sachen, die man im Jahr zuvor für den planmäßigen Aufbau des Sozialismus beschlossen hatte, rückgängig. Nur nicht die Normenänderungen. Und das kam gar nicht gut an. Immer lauter wurden die Stimmen, die Kritik an der Regierung äußerten. Hier und da wurden schon mal freie und geheime Neuwahlen gefordert oder Rücktritt der Partei-Führung. Die SED steckte aber lieber die Finger in die Ohren und machte »Mimimimi…«

Am Samstag vor dem 17. Juni fand eine gesellige Dampferfahrt von Bauarbeitern aus Ost-Berlin statt, auf der – wie man sich vielleicht vorstellen kann – das ein oder andere alkoholische Getränk zu sich genommen wurde. Und da Alkohol es irgendwie mit sich bringt, dass man da schon mal mehr quatscht als sonst, wurde ausgiebig über die Normenerhöhung gesprochen, die erst kurz zuvor noch einmal bekräftigt wurde. Und dann wurde auch mal auf die Tische gekletter und beschlossen, dass man am kommenden Montag, den 15. Juni, streiken würde.
Am Sonntag erschien dann auch noch ein Artikel in der Zeitung »Neues Deutschland«, eigentlich das Parteiorgan der SED, der ungewöhnlich kritisch mit der Partei war. Durch die Blume wurde da mitgeteilt: »Also wat der Walter Ulbricht macht, is ja ooch eher so mit’m Holzhammer, wa?«
Die Arbeiter fühlten sich also eher bestätigt und bestärkt.
Am Montag wurde dann auf einigen Baustellen in Berlin tatsächlich gestreikt. Die Arbeiter wollten eine Rücknahme der Normenerhöhung, die ihnen vom Gewerkschaftsbund FDGB »freiwillig« übergeholfen wurde. Man hoffte, dass sich der FDGB dann auch irgendwie dazu äußern würde, im Sinne von »Ja, war jetzt nicht die beste Idee«. Tatsächlich kam am nächsten Tag in einer Zeitung auch eine Stellungnahme des stellvertretenden FDGB-Vorsitzenden Otto Lehmann, allerdings sagte er sinngemäß: »Die Normenerhöhung ist doch voll super!«
Die Arbeiter fanden sich dann also von jemandem, der eigentlich auf Seiten der Arbeiter sein sollte, ein wenig verarscht und hatten das Gefühl, dass da nur die Linie der Regierung propagiert werden sollte. Auch das kam der Stimmung nicht unbedingt zugute.
Obendrein bereichtete der West-Berliner Radiosender RIAS über die Vorgänge im Ostteil der Stadt, wodurch viel mehr Leute in der DDR hörten, was in der Hauptstadt passierte. Eigentlich sollte man in der DDR ja keine West-Sender hören, weil ja im Grunde alles, was irgendwie aus dem Westen kam, »faschistoid« sein sollte, aber komischerweise machen Leute nicht immer das, was ihnen leicht diktatorische Regime so sagen.
Die DDR-Regierung, die schon ihre Felle davonschwimmen sah, gab auch noch eine Erklärung heraus, die ungefähr lautete »Okay, das mit der Normenerhöhung war eine bescheuerte Idee, aber ihr solltet echt nicht auf irgendwelche westlichen Provokateure hören, die da irgendeinen Scheiß erzählen.«
»Wat für westliche Provokateure?«
»Na, die die… äh, da so böse Dinge gegen uns sagen.«
»Aber ihr habt doch den ganzen Mist mit der Normenerhöhung und so beschlossen…«
»Seid ihr etwa westliche Provokateure?«

Am Dienstag dem 16. Juni weiteten sich die Streiks in Ost-Berlin aus. Mittlerweile wurde nicht mehr nur in Bezug auf die Normenerhöhungen demonstriert, sondern auch zunehmend für politische Forderungen, wie z.B. die Senkung der Lebenshaltungskosten und freie Wahlen. Aus den paar Arbeitern, die streikten, waren mittlerweile Massen geworden und die Volkspolizei hatte Mühe, alles irgendwie im Zaum zu halten. Der Programmdirektor des Radiosenders RIAS aus West-Berlin rief in einem Kommentar noch zusätzlich die Ost-Berliner Bevölkerung dazu auf, sich an den Protesten zu beteiligen.
Die DDR-Führung saß abends noch im Friedrichstadtpalast zusammen und ging gar nicht weiter auf die Ereignisse des Tages ein. »Ach, wird schon«, war so ziemlich die Auffassung.

Am 17. Juni waren dann einige sowjetische Panzer auf dem Weg nach Berlin, weil man da die Panzerdivision in Karlshorst aufstocken wollte. Außerdem waren die Sowjets eh gerade im Manöver, weswegen eine sehr gute Bereitschaft bei deren Streitkräften bestand. Die SED, die mitbekam, dass an dem Tag die Proteste noch einmal eine ganz neue Größenordnung annehmen würden, wurde mittlerweile doch etwas nervös. Ulbricht und Konsorten besprachen sich mit der Besatzungsmacht, ob man vielleicht irgendwie gegen die Leute vorgehen sollte, die da protestierten, aber erstmal hielten sich die Sowjets zurück.
In der Zeitung »Neues Deutschland«, dem Zentralorgan der SED, wurde der Beschluss der SED publiziert, dass die Normerhöhungen zurückgenommen werden. Die Schuld für die Ereignisse des Vortages gab man allerdings nicht sich selbst, sondern West-Berlin, weil man offenbar nicht erkannte, dass es bei den Protesten auf der Straße nicht mehr nur um die Normenerhöhungen ging.
In den Morgenstunden liefen bei der SED, der Staatssicherheit, der Polizei und den Sowjets allerdings die Leitungen heiß, weil immer mehr Meldungen aus dem ganzen Land eintrafen, in denen über Arbeitsniederlegungen, Streiks, und Demonstrationen berichtet wurde.
In ganz Ostdeutschland nahmen die Demonstrationen eine Größe an, dass die Polizei kaum in der Lage war, die Demonstrierenden irgendwie aufzuhalten. In mehreren Städten wurden Haftanstalten, Polizeidienststellen, Stadtverwaltungen und Einrichtungen der Staatssicherheit gestürmt und Häftlinge befreit. Interessanterweise passierte all dies spontan. Es gab keine zentrale Stelle, die alles irgendwie koordinierte. Die Arbeiter in den Städten und Industrieregionen hatten halt einfach die Schnauze voll. So kam es zu Protesten in Halle, Magdeburg, Leipzig und Dresden. Heute geht man davon aus, dass zwischen 400.000 bis 1,5 Millionen Menschen an den Protesten beteiligt waren.
Da die DDR-Einsatzkräfte offensichtlich völlig überfordert waren und sich die SED-Führungsriege bei den Sowjets in Karlshorst versteckte, sagten die Sowjets irgendwann: »So, jetzt reicht’s. Dann sorgen wir eben für Ordnung!«
Die Besatzungsmacht rief den Ausnahmezustand aus und ab 13 Uhr galt in der DDR das Kriegsrecht. Im Grunde hatte die Sowjetunion somit in der DDR wieder die Regierungsgewalt übernommen.
Und weil man möglichst schnell Ruhe im Karton wollte, schickte man die Panzer los, die glücklicherweise alle schon kampfbereit waren.
Die Demonstranten sahen die Panzer und reagierten entsprechend.
»Also so’m Polizisten kann ich ja mal eins auf die Fresse geben, aber wat soll ick’n bei nem Panzer machen? Hm, ick könnte mich jetzt vom Panzer überrollen lassen, aber … vielleicht lieber nicht!«
Etliche der Demonstrationen lösten sich recht schnell wieder auf. Dennoch kam es landesweit immer wieder zu kleineren Aufständen und Angriffen und zu einer erheblichen Verhaftungswelle. Dabei wurde nicht zimperlich vorgegangen. Viele Protestierende wurden verhaften und in den folgenden Tagen vor Standgerichte gezerrt, wo sie zum Tode verurteilt und erschossen wurden. Oder hohe Zuchthausstrafen bekamen. Hier und da fanden in der DDR zwar noch bis in den Juli hinein Streiks und Aufstände statt, aber da konnte man dann schon auf die Erschossenen verweisen und sagen: »Wirklich? Wollt ihr wirklich?«
»Äh, yay, sozialistisches Vaterland!«
»So ist fein.«

Mindestens 55 Todesopfer waren aufgrund des Aufstandes zu beklagen. 1526 Anklagen wurden erhoben. Westdeutschland und die Westmächte, die so überrascht über die Aufstände, wie die DDR-Regierung selbst waren, stellten schnell klar, dass sie damit nichts zu tun hatten. Das hinderte die DDR freilich nicht daran zu behaupten, dass es sich um einen »faschistischen Putsch« handelte, von »bezahlten Provokateuren, vom gekauften Abschaum der Westberliner Unterwelt« und »ein Anschlag auf die Freiheit, ein Anschlag auf die Existenz, auf die Arbeitsplätze, auf die Familien unserer Werktätigen versucht« wurde. Das sind übrigens Original-Zitate.
Anders gesagt: Die DDR-Führung wies alle Verantwortung von sich und machte den Westen verantwortlich.

Walter Ulbricht, der so viel falsch gemacht hatte, dass ihm quasi das Volk entglitten war und eigentlich auf dem besten Weg war, abgesetzt zu werden, ging durch die Maßnahmen der Sowjetunion gestärkt hervor. Die Besatzungsmacht hatte ihm buchstäblich den Arsch gerettet. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass es weiter Unmut in der Bevölkerung gab. Es wagte nur keiner mehr so deutlich zu werden. Standrechtliche Erschießungen sind in der Hinsicht schon irgendwie abschreckend.
In den Folgejahren zog es vor allem viele junge Leute weiter in den Westen. Bis Ulbricht dann 1961 auf die Idee kam, dass man doch das eigene Volk prima einmauern könnte. Er hatte also doch noch einen Weg gefunden, das Volk einzusperren.

Während man im Osten die Aufständischen als Faschisten diffamierte, gedachte man im Westen Deutschlands der Opfer des Aufstandes freilich etwas anders. Fünf Tage nach Ausbruch des Aufstandes benannte West-Berlin die Berliner Straße und die Charlottenburger Chaussee zwischen dem Brandenburger Tor und dem S-Bahnhof Tiergarten in »Straße des 17. Juni« um. Am 4. August 1953 erklärte der Bundestag den 17. Juni zum »Tag der deutschen Einheit« und gesetzlichen Feiertag. Der Bundespräsident erklärte ihn am 11. Juni 1963 zusätzlich zum »Nationalen Gedenktag des deutschen Volkes«. Bis dann die tatsächliche Wiedervereinigung stattfand.
Die Idee hinter dem »Tag der deutschen Einheit« war natürlich, dass man das Gefühl hatte, die Aufständischen hätten darum gekämpft, ein wiedervereinigtes Deutschland zu haben. Was ja nur bedingt stimmt. Aber es hindert einen ja nicht daran, trotzdem daran zu denken, was am 17. Juni und den Tagen drumherum passiert ist.

Neues Buch im Frühjahr 2024: Otto in der Unterwelt

Otto in der Unterwelt

Im Frühjahr 2024 erscheint mein neuer Roman: „Otto in der Unterwelt“.

Und darum geht es:
Einmal Hades und zurück … Bei den Bauarbeiten für einen neuen U-Bahn-Tunnel stoßen Arbeiter auf ein Tor – dem zur allgemeinen Überraschung ein waschechtes Monster entspringt. Aber kann es sich bei dem riesengroßen dreiköpfigen Dackel wirklich um Cerberus aus der griechischen Mythologie handeln … und was hat der in Berlin verloren? Während plötzlich überall auf der Welt Fabelwesen und antike Götter für Chaos sorgen und die Menschheit sich fragt, ob sie mit Christentum und Vatikan möglicherweise auf das falsche Pferd gesetzt hat, will der Musiker Otto nur mit seiner Band groß rauskommen. Doch dann hat seine Freundin einen saublöden Unfall … und für Otto steht fest: Er muss Rike aus der Unterwelt retten! Aber ist das so einfach, wie er es sich vorstellt?

Wie man sich anhand der Beschreibung vielleicht denken kann, ist es eine moderne Fassung der Orpheus-Sage, allerdings mit einem Twist. Neben Göttern, Fabelwesen und religiösen Fragen geht es um Musikschulen, Rockbands, Castingshows und ungesunde Beziehungen in jeder Form. Aber keine Bange, natürlich bleibe ich meinem Stil treu und es wird witzig.

E-Book und Taschenbuch sind mittlerweile vorbestellbar. Ein Hörbuch wird ebenfalls folgen.

Geschichten zum Tag: 25.04. – Die erste Benutzung der Guillotine

Manchmal stoße ich bei meinen Recherchen zu irgendwelchen geschichtlichen Themen auf Dinge, die mich am Kopf kratzen lassen. Ich war bisher immer der Meinung, dass die Guillotine von Joseph-Ignace Guillotin erfunden wurde, nach dem sie dann auch benannt wurde.

Ist gar nicht der Fall.

Sie wurde zwar nach Guillotin benannt, aber der hatte eigentlich nur gesagt, dass die Leute, die zur Todesstrafe verurteilt worden waren, etwas humaner hingerichtet werden sollten. Zur damaligen Zeit gab es nämlich ein paar wirklich appetitliche Hinrichtungsmethoden.

Da wären z.B.:

  • Vierteilen (sprich: Arme und Beine wurden an Pferde gebunden, die dann zogen, was zur Folge hatte, dass … nun, bei dem Namen kann man sich das vielleicht denken)
  • Erhängen (die Leute baumelten herum, röchelten vor sich hin, erleichterten sich noch und generell kein schöner Anblick…)
  • Enthauptung durch das Schwert (Problem: Die Henker verfehlten auch mal das Ziel und trafen Arme oder Torso oder sie brauchten mehrere Anläufe. Bis da dann einer tot ist, braucht es schon einen Moment…)
  • Verbrennen (Besonders beliebt für Ketzer, die angeblich irgendwas gegen die Kirche gesagt hatten…)
  • Kochen (Leute wurden buchstäblich bei lebendigem Leib gekocht. Vermutlich damit sie noch sagen konnten, ob Salz oder Pfeffer fehlte.)
Die eigentliche Maschine wurde von Antoine Louis entworfen und vom deutschen Cembalobauer Tobias Schmidt gebaut. Tatsächlich nannte man sie kurzzeitig sogar »Louisette« oder im Volksmund »Das nationale Rasiermesser«. Eine Weiterentwicklung davon mit vier Klingen und einer Klinge auf der Rückseite vermutlich „Guillotine Mach 3 Turbo“. Für eine noch gründlichere Enthauptung.

Am 25. April 1792  wurde sie zum ersten Mal zur Hinrichtung benutzt. Dummerweise war die Hinrichtung so sauber und so schnell vorbei, dass das Publikum hinterher enttäuscht war und den normalen Galgen wiederhaben wollte. Bekamen sie aber nicht. So effizient war das Töten noch nie und dem Henker, der kurz darauf Leute mit der Guillotine im Akkord entsorgen konnte, kam die Erfindung mehr als gelegen. Sein Beil nutzte sich nicht andauernd ab und er wurde nicht mehr so schnell müde.

Also, in Zukunft daran denken: Die Guillotine ist zwar nach Herrn Guillotin benannt, aber nicht seine Erfindung. Wenn bei „Wer wird Millionär?“ also mal so eine Frage aufkommt, könnt ihr alle glänzen und behaupten: „Nee, dit war Antoine Louis!“. Vielleicht gebt ihr mir ja was vom Gewinn ab. 🙂